Eurosport - So 23.Mrz. 21:16:00 2008
Als Solist hat Fabian Cancellara die 99. Austragung von Mailand-San Remo gewonnen: Der Schweizer attackierte im Finale erfolgreich aus einer Spitzengruppe voller Favoriten und gewann nach Paris-Roubaix 2006 seinen zweiten ganz großen Klassiker. Davide Rebellin vom Team Gerolsteiner wurde Vierter.
"Gegen diesen Cancellara war in dieser Konstellation heute nichts zu machen. Ich habe alles versucht. Sicher hätte ich gerne gewonnen. Aber das kann eben nur einer. Aber ich bin mit dem Ergebnis dennoch sehr zufrieden", erklärte Rebellin, der bei seiner 14. Teilnahme sein bislang bestes Ergebnis von 1995 einstellte. Auf dem Podium standen neben Cancellara (CSC) der einstige Sieger Filippo Pozzato (Liquigas/Italien) sowie Geheimfavorit Philippe Gilbert (Francaise des Jeux) aus Belgien.
Milram-Duo kommt zu spät
In der mit 298 Kilometern längsten Austragung der "Classicissima" hatten die Sprinter am Ende keine Chance: Zwar schafften Oscar Freire und Thor Hushovd den Sprung in die Spitzengruppe von 16 Topfahrern, die sich am letzten Anstieg bildete. Doch als Cancellara rund zwei Kilometer vor dem Ziel antrat, konnten auch sie die Lücke zum Zeitfahr-Weltmeister nicht mehr schließen, ihnen blieben die Plätze acht und neun. Vier Sekunden vor den ersten Verfolgern fuhr der Berner jubelnd über die Ziellinie - als zweiter Schweizer nach Erich Mächler 1987. Auch dieser hatte damals einen knappen Vorsprung auf seine "Jäger" erfolgreich ins Ziel gerettet.
Das Milram-Duo Erik Zabel und Alessandro Petacchi folgte erst im Hauptfeld, das weitere zehn Sekunden nach den ersten Verfolgern ankam. "Wir waren eigentlich gut drauf. Am Poggio habe ich mich etwas zurückgehalten, weil wir auf den Massensprint spekuliert haben. Unglücklicherweise haben die Ausreißer gut zusammen gearbeitet und ihren minimalen Vorsprung über die Ziellinie gerettet", schilderte Petacchi das Finale. "Ich habe zusammen mit Fabio Sabatini versucht, die Lücke zu den Führenden zu schließen. Leider war der Vorsprung zu groß. Wir haben alles gegeben, aber diesmal ging unsere Taktik nicht auf", fügte Zabel an, der am Ende Rang 17 vor seinem Teamkollegen belegte und damit bester Deutscher war.
Rebellins Attacken nicht belohnt
Die "Fahrt in den Frühling" begann mit einer ersten Attacke von Stephan Schreck (Team Gerolsteiner) nach vier Kilometern, die aber nur von kurzer Dauer war. Vielleicht war der Erfurter darüber sogar ganz froh, denn das Quartett, das sich wenig später erfolgreich absetzte, fuhr dann über 250km an der Spitze, bevor es im Anstieg zur Cipressa gestellt wurde.
Dort attackierte Weltmeister Paolo Bettini (Quick Step) zusammen mit der Nachwuchshoffnung vom Team High Road, Thomas Lövkvist (Schweden). Dazu gesellten sich wenig später auch Rebellin, Niklas Axelsson (Diquigiovanni) und in der Abfahrt Paolo Savoldelli (LPR). Das Quintett erarbeitete sich eine halbe Minute Vorsprung, doch im Flachstück vor dem Poggio sorgte eine eindrucksvolle Mannschaftsleistung von CSC dafür, dass die Favoriten geschlossen zur letzten Schwierigkeit kamen.
Die knapp vier Kilometer bergan sahen mehrere Angriffe, doch als es in die Abfahrt ging, lag das Feld nur minimal hinter Cancellara und Co. zurück. Dort wuchs der Vorsprung wieder an, auch durch die Attacken von Rebellin und Gilbert. Als dann Cancellara aus dem Sattel ging, war die Entscheidung gefallen und nach 7:14 Stunden der Triumph perfekt.
Andreas Schulz / Eurosport