Eurosport - So 23.Mrz. 20:27:00 2008
Wem nach einem Vorgeschmack auf das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am Mittwoch gegen die Schweiz war, brauchte am Samstag nur die Partie zwischen Bayern München und Bayer Leverkusen zu verfolgen - nicht weniger als acht aktuelle Nationalspieler legten dort ihren Tauglichkeitstest ab.
Auch wenn sich Joachim Löw auf der Tribüne der Münchner Arena nicht blicken ließ, wird der Bundestrainer das Spiel interessiert verfolgt haben und konnte nicht mit allen Nominierten für die Partie in Basel (20:45 Uhr im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de) zufrieden sein:
Lahm und Jansen erfüllen Pflicht
Wenig beschäftigt lieferten Philipp Lahm und Marcell Jansen auf den Außenverteidigerpositionen fehlerfreie Leistungen ab. Ins Offensivspiel schalteten sich beide allerdings viel zu selten ein - Ausnahme war dabei Lahms Vorstoß, der in der Vorlage zum 2:0 gipfelte.
Im Mittelfeld haperte es auf beiden Seiten bei den deutschen Auswahlspielern. Bayer-Kapitän Bernd Schneider war auf ungewohnter Position im defensiven Mittelfeld ein Totalausfall. Langsam und zweikampfschwach präsentierte sich der 34-Jährige, ließ sich gleich mehrfach von den Bayern-Spielern düpieren. Dabei konnte er von Glück reden, dass die Münchner eine 3:1-Überzahl nach einem von ihm verschuldeten Ballverlust nicht zum 3:0 nutzen konnten. Schneiders Teamkollege Simon Rolfes zeigte eine durchschnittliche Partie, schaffte es aber nie, die immerwährende Angriffswelle des Rekordmeisters schon einmal frühzeitig zu stoppen.
"Poldis" wilde 60 Sekunden
Wie so oft in den letzten Wochen nicht einmal in der Startformation der Münchner standen Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski. Einträchtig nahmen die beiden zunächst auf der Bank Platz, scherzten in der Halbzeitpause mit Stadionsprecher Stephan Lehmann und durften schließlich in der 77. Minute dann auch gemeinsam ran. Und fulminanter hätte der Einstieg auch nicht sein können. Podolski war noch keine 60 Sekunden auf dem Feld, da hatte er schon das 3:0 auf dem Fuß, scheiterte jedoch an Rene Adler im Bayer-Tor. Weniger als eine Minute darauf war es erneut der Ex-Kölner, der sich in den Strafraum wühlte, aber wie zuvor war an Adler kein Vorbeikommen.
Damit war Podolskis Strohfeuer abgebrannt - ein Pass auf Schweinsteiger blieb die einzig bemerkenswerte Aktion der weiteren zwölf Spielminuten. Auch "Schweini" hatte bei seinem Kurzeinsatz zwei lichte Augenblicke: Einmal als sein abgefälschter Schuss nach Podolskis Pass nur knapp am rechten Pfosten vorbeistrich, dann mit einem beherzten Dribbling gegen zwei Leverkusener auf der linken Seite - ansonsten blieb dem gescholtenen Mittelfeldmann kaum Gelegenheit, sich auszuzeichnen.
Klose spielt fürs Team
Wie wichtig hingegen Miroslav Klose für seine Mannschaft ist, stellte der Stürmer nicht nur bei seiner Vorlage zum 1:0 für Luca Toni unter Beweis. Auch sonst arbeitete der Angreifer im Dienst der Mannschaft bis weit in die eigene Hälfte hinein und fand dabei immer wieder Zeit, das Bayern-Spiel mit kreativen Ideen und guten Pässen zu bereichern - Spielintelligenz nennt man das wohl. Stefan Kießling blieb derweil auf der Gegenseite bis auf einen abgefälschten Schuss weitgehend unauffällig.
Bei soviel Mittelmaß kann zum Trost von Löw gesagt werden, dass auch der einzige Schweizer Nationalspieler auf dem Feld, Tranquillo Barnetta, nicht seinen besten Tag erwischte. Wenig druckvoll und mit ungewohnt hoher Fehlerquote in der Spieleröffnung hofft auch der Schweizer für Mittwoch auf Besserung.
Aus der Allianz Arena berichtet Fabian Kunze / Eurosport