Eurosport - So 23.Mrz. 22:23:00 2008
Ach du lieber Osterhase, was für ein trauriger 25. Spieltag in der Fußball-Bundesliga: Bayer in München wie immer - nix! Hamburg in Wolfsburg, viel Getöse um wenig Klasse, nur HSV-Trainer Huub Stevens nach dem Spiel in schimpfender Topform!
Pokalfinalist und in der nächsten Saison einer der deutschen Vertreter im UEFA Cup, ach du lieber Gott - Borussia Dortmund Klasse nur im Unvermögen! Nürnberg und Duisburg alles andere als nutzende Klassenkämpfer!
Lieber Osterhase, während du dein Werk schon wieder vollendet hast und dich auf das nächste Jahr konzentrieren kannst, haben die "Ligahasen" noch neunmal ihre Chance sich zu verbessern. Die Bayernhasen hoppeln nur noch zum 34. Spieltag, dann gibt es die Meisterschale. Und am nächsten Spieltag besuchen die Bayern die Nürnberger Angsthasen, na das gibt einen Hasenspaß. 19 Punkte nach 25 Spielen, das hätte der entlassene Hans Meyer wahrscheinlich mit verbundenen Augen hinbekommen. Präsidium und Management werden sich nicht selbst wegschicken, da kann dann wohl nur noch der Abstieg helfen!
Auch die unglaubliche Offenbarung der niedersächsischen Mittelmäßigkeit in Form von Hannover 96 beim 1:1 in Duisburg darf eigentlich gar keine Erwähnung finden. Ein alles andere als österlicher Kick dieser 25. Spieltag, lieber Osterhase. Und wenn du fragst, wie ist das möglich, dann sei dir hier mal eine Antwort gegeben. Der deutsche Fußball ähnelt in der Entwicklung der Liga der englischen. Vier bis sechs große Unternehmen, die sich vom Rest dank der internationalen Einnahmen immer weiter wegbewegen. In England können seit Jahren Chelsea, Arsenal, ManU und Liverpool das große Geld der Champions League fest einplanen, denn Konkurrenz in der heimischen Liga gibt es nicht mehr!
Keiner will die Wahrheit
Der deutsche Fußball ist auch auf diesem Weg. Bayern, HSV, Werder, Schalke sowie ab und zu Leverkusen und Stuttgart - die können in den nächsten Jahren das Geld aufteilen. Problem für solche Unternehmen wie Dortmund oder Hertha: Sie haben vor Jahren das Geld verspielt und hecheln nun hinterher, Ende nicht in Sicht. Nur ein Abramowitsch kann solchen Ligapatienten noch helfen. Da ist es relativ unerheblich, wer wem ein Ei oder auch zwei ins Nest legt. Lieber Osterhase, entscheidend ist, was das Konto hergibt. Nur wer kaufen kann, kann sich bunt geben und behaupten, er baue etwas auf.
Bayern hat nach der letzten Saison einfach das Festgeldkonto geräumt, um den internationalen Anschluss nicht zu verpassen - es ist ihnen gelungen. Die heimische Liga wird zwangsweise hingenommen. So handeln die großen englischen Teams auch, für eine Europaliga scheint es noch zu früh, die Champions League ist praktisch das Stillhalteabkommen zwischen den europäischen Fußballunternehmen und der UEFA. Stell dir vor, lieber Osterhase, die Menschen würden herausfinden, dass es dich gar nicht gibt, was würden sie ihren Kindern erzählen? Dass sie die Eier selbst verstecken? Stell dir vor, die vier Großen würden die Liga als lästiges Übel entlarven, würde der Rest dennoch weiterspielen?
Gut, dass niemand die Wahrheit will. In diesem Sinne frohe Ostern, lieber Hase.
Rudi Brückner / Eurosport