Hülkenberg setzt Achtungszeichen
Mi 22.Feb. 20:00:00 2012
Auch am zweiten Tag der Testwoche in Barcelona gab es eine deutsche Bestzeit: War am ersten Tag noch Sebastian Vettel (1:23,265 Minuten) an die Spitze des Klassements gefahren, so war es am zweiten Nico Hülkenberg, der im und mit Force India die Überraschung der Wintertests bleibt.
Der Force-India-Pilot schraubte die Wochenbestzeit auf 1:22,608 Minuten herunter und setzte damit den bisher sehr positiven Winter seines Rennstalls fort.
Dabei wäre beim schnellsten Versuch kurz vor der Mittagspause vielleicht sogar noch mehr gegangen: "Wenn mir nicht Nico Rosberg vor der ersten Kurve vor die Nase gefahren wäre, hätte ich noch eine schnellere Runde fahren können. Er kam leider direkt aus der Box", ärgert sich Hülkenberg gegenüber "auto motor und sport" und ergänzt: "Etwas überraschend ist für mich der geringe Zeitvorteil der Supersofts gegenüber den Soft-Reifen."
Bestzeiten auf Supersoft-Pirellis
Hülkenberg hatte bei seinem schnellsten Versuch ebenso die weichsten Pneus aus dem Pirelli-Sortiment aufgezogen wie Sergio Perez (Sauber), der nur um vier Hundertstelsekunden langsamer war. Das Schweizer Team erlebte damit erstmals einen recht positiven Testtag, auch wenn Perez gegen Ende der Session ein wenig Zeit verlor, weil nach merkwürdigen Fahrgeräuschen der Auspuff repariert werden musste.
Nach der Mittagspause kam es im Klassement zu keinen nennenswerten Verschiebungen mehr, dennoch war die Nachmittags-Session womöglich aufschlussreicher als alles, was man bisher in diesem Winter gesehen hat. Denn Weltmeister Vettel absolvierte im Red Bull eine komplette Rennsimulation über 66 Runden - mit vier Boxenstopps und einer gedachten Safety-Car-Phase. Gefehlt hat am Ende nur der obligatorische Vettel-Finger für den Sieg.
Zeigt McLaren noch nicht alles?
Im ersten Stint fuhr der 24-Jährige Zeiten im 1:29er- und 1:30er-Bereich. Mit geringerer Benzinlast und weichen Reifen knackte er im Finish sogar die 1:24er-Barriere und fuhr anschließend mehrere 1:24er-Zeiten am Stück. Gleichzeitig drehte auch Lewis Hamilton im McLaren mehrere Longruns mit durchaus vergleichbaren Rundenzeiten. Allerdings kam er später nicht über den 1:26er-Bereich hinaus, was Beobachter vor Ort auf die hohe Benzinlast zurückführen.
Im Tagesklassement belegte Vettel (+0,283) letztendlich den dritten, Hamilton (+1,198) den sechsten Platz. Rein technisch betrachtet lief es für McLaren aber besser als für Red Bull, denn beim Weltmeister sorgte erst ein Getriebewechsel für eine zweistündige Zwangspause und während der Rennsimulation ging der erste Boxenstopp mächtig daneben - und zwar vor den Augen des komplett besetzten Kommandostandes.
Sorgenfalten bei Ferrari werden größer
Platz vier ging diesmal an Fernando Alonso (Ferrari), der sich in der letzten Viertelstunde auf Supersoft-Pirellis noch steigern konnte, aber unterm Strich trotzdem mehr als eine halbe Sekunde Rückstand hatte. Im Gegensatz zu Red Bull und McLaren simulierte Ferrari bisher auch noch keinen kompletten Grand Prix - die längsten Runs, die Alonso zurücklegte, dauerten ungefähr zehn Runden.
Eine Sekunde hinter Hülkenberg landete Daniel Ricciardo, dessen Toro Rosso weiterhin recht flott zu sein scheint, aber erneut zwei rote Flaggen verursachte. Zuerst probierte sein Team aus, wie lange man fahren kann, bis auch der letzte Tropfen Benzin verbraucht ist, doch drei Stunden später, gegen 14:30 Uhr, handelte es sich um eine unfreiwillige Unterbrechung, als der Australier am Ende der Boxengasse stehen blieb.
Ölleck kostet Mercedes zweieinhalb Stunden
Unspektakulär war wieder der Auftritt des neuen Mercedes-Silberpfeils: An seinem insgesamt vierten Tag auf der Rennstrecke fehlten dem F1 W03 erneut knapp zwei Sekunden auf die Spitze - und Nico Rosberg konnte auch "nur" 82 Runden absolvieren, deutlich weniger als viele Konkurrenten, die großteils über 100 Runden schafften. Dafür verantwortlich war ein Ölleck im Getriebe, das den Deutschen ab etwa 14:20 Uhr außer Gefecht setzte.
Abgerundet wurde das Klassement von Williams-Testfahrer Valtteri Bottas (8./+3,130), mit 117 Runden nach Hamilton (121) der zweitfleißigste Pilot des Tages, Caterham-Neuzugang Witali Petrow (+3,997), der die meiste Zeit damit verbrachte, das Cockpit für sich anpassen zu lassen, und Charles Pic (+4,735) im Vorjahres-Marussia. HRT lässt den Barcelona-Test aus, Lotus musste gestern wegen technischer Probleme mit dem Chassis vorzeitig abreisen.
Video - Das ist Hülkenbergs neue "F1-Rakete"
VJM05 track footage and on
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Christian Nimmervoll / Motorsport-Total.com
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