Europa League - Raúl: Lustlos, langsam, Buhmann

Mi 22.Feb. 14:15:00 2012

Vor dem Rückspiel gegen Pilsen haben die Schalker ein Problem: Sie sind zu abhängig von Raúl und der denkt wohl an Abschied. Beim Training lustlos, im Spiel schwach - und das Billig-Angebot von nur vier Millionen Euro Gehalt schmeckt dem Spanier auch nicht. Sein Berater verhandelt schon anderweitig.

Football 2011/12 Bundesliga Schalke Raúl - 0

Von Petra Philippsen

Szenen wie diese werden inzwischen regelmäßig beim Schalker Training beobachtet: Raúl trabt lustlos über den Platz, setzt Anweisungen nur halbherzig um, bis einer seiner Mitspieler ihn verbal lautstark anfährt, und der Spanier aber desinteressiert abwinkt. Es rumort bei den "Königsblauen" und der Grund scheint jener Spieler zu sein, den alle nur "Senor" nennen.

Seit Wochen ist das Gezerre über eine mögliche Vertragsverlängerung im Gange, und wie die "Sportbild" berichtet, ist inzwischen auch der Abschied Raúls im Sommer gut möglich. Denn die Schalker legten dem 34-jährigen Offensivkünstler offenbar einen um 40 Prozent reduzierten Vertrag für ein weiteres Jahr vor und nahmen somit die Ablehnung des Spaniers in Kauf. Der dreimalige Champions-League-Gewinner will aber – wenn überhaupt - um zwei Jahre verlängern und das zu seinem bisherigen Gehalt. Schalke aber muss den Etat künftig senken, und zumal sich Raúls vorheriger Arbeitgeber Real Madrid nur noch bis zum Saisonende mit zwei Millionen Euro an seinen jährlichen Einkünften von sieben Millionen beteiligt, bietet Schalke nun nur noch vier Millionen an.

Raúl ist sein Geld nicht mehr wert

"Raúl ist ein Weltstar, und wir sind sehr froh, dass er bei uns spielt", erklärte Manager Horst Heldt immer wieder, "wir sind in Gesprächen mit seinem Berater." Der soll aber bereits mit jenen Interessenten verhandeln, die zwar fußballerisch auf eher drittklassigem Niveau kicken, dafür aber fürstliche Gehälter zahlen: Dubai, Katar und China. Denn längst ist klar, Schalke will Raúl nicht mehr um jeden Preis halten.

Zwar lieben ihn die S04-Fans, und auch im Marketing nimmt man mit seinem Superstar zusätzlich viel Geld ein, doch in dieser Saison spielt Raúl eben nicht mehr auf einem so hohen Niveau, das die Vergütung von sieben Millionen Euro wert wäre. Nur gegen Schalkes schwächere Gegner fiel die Nummer sieben auf, ansonsten tauchte er meist ab. Im Europa-League-Hinspiel gegen Viktoria Pilsen zeigte er eine seiner schwächsten Leistungen überhaupt und musste nach 70 Minuten raus. Statt seinen Mannschaft mitzureißen, schleppt sich Raúl in den letzten Wochen nur noch über den Platz. Bezeichnenderweise läuft es ohne ihn fast besser, gegen Pilsen gelang in der Schlussphase der Ausgleich und somit ist die Aussicht für das Rückspiel am Donnerstag nicht mehr so düster.

Verein scheut sich vor Kritik, Mitspieler genervt

Doch Kritik an Raúl hört man von den Verantwortlichen auf Schalke nicht, das scheint man als eine Art "Majestätsbeleidigung" zu empfinden. Stattdessen heißt es von Trainer Huub Stevens nur, ihn hätten Verletzungen aus dem Rhythmus gebracht. Erst zwickte die Wade, dann der Oberschenkel. "Rulo hat gesagt, er wolle sich in den Dienst der Mannschaft stellen", sagte Stevens in Pilsen, "aber nach siebzig Minuten dachte ich, es ist genug." Genug haben aber vor allem wohl Raúls Mitspieler inzwischen. Denn das System ist völlig auf ihn ausgerichtet, im zentralen offensiven Mittelfeld wirkt er zuletzt aber wie ein Bremsklotz. Denn längst bieten sich Alternativen wie der talentierte Julian Draxler auf dieser Position an, doch der muss noch wegen Raúl nach links ausweichen. Auch Lewis Holtby oder Jurado müssen sich fügen.

Vor dem Rückspiel gegen Pilsen haben die Schalker ein Problem: Sie sind zu abhängig von Raúl und der scheint schon an Abschied zu denken. - 2 Und langsam macht sich intern der Unmut breit, da Raúl auch nicht wie die anderen mit nach hinten arbeiten muss und inzwischen das hohe Tempo gegen starke Gegner nicht mehr mithalten kann. Raúls Sonderstatus wird zunehmend zum Problem, seine Lustlosigkeit tut ihr Übriges. Es wird berichtet, er habe oft schlechte Laune und die Mitspieler würden sich dagegen wehren, dass das Leistungsprinzip für Raúl scheinbar nicht gelte. Noch wird nach außen der Schein gewahrt, auch wirkt der Spanier im Umgang mit den Fans stets freundlich, doch diese werden sich wohl damit anfreunden müssen, dass Raúls Tage auf Schalke gezählt sind.

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