Eurosport - Fr 23.Jan. 06:47:00 2009
Kitzbühel: Das ist Emotion pur und das Saison-Highlight für alle Rennläufer. Tradition, Begeisterung und die Prominenz aus Politikern, Stars und Staatsoberhäuptern verleihen dem Weltcup-Klassiker ein einzigartiges Flair.
Wer hier gewonnen hat, gehört zu den ganz Großen, denn es ist das spektakulärste und schwierigste Abfahrtsrennen der Saison. Jedem Sieger der Streif wird eine Gondel mit seinem Namen gewidmet.
Bei einer Zuschauerkulisse von knapp 50.000 bei der Abfahrt stürzen sich die Ski-Asse bei einem Gefälle von 70 Prozent aus dem Starthaus. Nach dem Steilhang folgt die Mutprobe in der Mausefalle.
Ski-Legende Toni Sailer, der sein Heimrennen 1956 und 1957 gewonnen hat, erklärt: "Wenn eine Maus in die Falle hineingeht, dann kommt sie nicht mehr heraus. Genau so ist das auf der Streif: Wenn du in die Mausefalle hineinschießt, da musst du durchschießen, da kannst du nicht drinnen herumfahren. Und wenn du 50 Meter springst - du musst es tun." Heutzutage sind bei manchen Rennläufern sogar Weiten von 80 Metern keine Seltenheit.
Schnell, schneller, Kitzbühel
Zwei weitere entscheidende Teilabschnitte des Klassikers sind der Steilhang und die Hausbergkante. Beim Steilhang benötigen die Fahrer optimale Kanten und ein hohes Können, zählt er doch zu den größten technischen Herausforderungen im gesamten Weltcupzirkus.
Ab der Hausbergkante kann auch das Publikum im Ziel die Läufer live mitverfolgen. Die großartige Stimmung aus dem Zielhang bekommt der Fahrer mit, wenn er den Sprung von der Hausbergkante absolviert und nach einem Linksschwung in den Zielhang fährt, bei dem Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h erreicht werden.
Unfallserie reißt nicht ab
Schwere Unfälle überschatteten die Streif in ihrer 69-jährigen Geschichte. Der Kanadier Brian Stemmle kam vor 20 Jahren zu Sturz und konnte nur durch eine vierstündige Notoperation gerettet werden. Vergangenes Jahr wurde der Zielhang dem US-Amerikaner Scott Macartney zum Verhängnis. Der damals 30-Jährige erlitt ein isoliertes Schädel-Hirn-Trauma und schwerste Hautabschürfungen im Gesicht.
Aus diesem Grund wurde der Sprung vor dem Ziel von der FIS entschärft. Doch FIS-Rennchef Günter Hujara sagt: "In Griff werden wir diesen Berg nie ganz bekommen. Du kannst die Streif nicht in Watte packen." Das musste auch der Schweizer Daniel Albrecht im Abschlusstraining schmerzlich erfahren. Der 25-Jährige liegt nach einem schweren Sturz nach dem Zielsprung mit einem Schädel-Hirn-Trauma und einer Lungenquetschung im künstlichen Koma.
Auf diesem Berg kann nur siegen, wer Mut, perfekte Ski und eine optimale Tagesverfassung hat. Schon im Training haben sich die "üblichen Verdächtigen" als Top-Favoriten auf den Sieg herauskristallisiert. Michael Walchhofer aus Österreich und der Schweizer Didier Cuche haben mit knapp zwei Minuten Laufzeit das Training dominiert. Die beiden kennen schon das Gefühl des Sieges auf der Steif, haben sie den Hang und die Konkurrenz doch 2006 (Walchhofer) und 2008 (Cuche) besiegt.
Konkurrenz schläft nicht
Das Duell Schweiz gegen Österreich ist nach dem Wochenende in Wengen und der größten Abfahrtspleite des rot-weiß-roten Ski-Teams neu entflammt. Walchhofer meint dazu: "Wir haben einiges gutzumachen. Deshalb habe ich versucht, gleich eine Rennlinie zu finden. Doch es sind genug Reserven da. Ich kann noch schneller fahren."
Auch die Statistik spricht für einen heimischen Sieg. Das rot-weiß-rote Team hat in der ewigen Siegerliste von Kitzbühel klar die Nase vorne. Die österreichischen Ski-Ahtleten brachten es auf 34 Abfahrtssiege, die Eidgenossen stehen erst bei 14 Triumphen.
Aber auch die weitere Konkurrenz schläft nicht. So hofft US-Star Bode Miller, der noch nie am obersten Treppchen beim prestigeträchtigsten Rennen der Saison stand, auf seinen ersten Sieg im "Mekka des Skisports". Mit einem zweiten Platz in Wengen vor einer Woche hat er in den schnellen Disziplinen wieder für Furore gesorgt.
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