Interims- oder Dauerlösung? - Heinemann gelassen

Eurosport - Di 22.Sep. 13:31:00 2009

Am Ende ging alles ganz schnell in Bochum: Nach der Entlassung von Marcel Koller übernahm mit Frank Heinemann ein VfL-Urgestein den Trainerstuhl des Bundesligisten. Ob er als Interimslösung fungiert oder zum Chefcoach befördert wird, lässt der Verein allerdings offen - und Heinemann unberührt.

FOOTBALL, Frank Heinemann, new Coach of VfL Bochum - 0

Bei der Suche nach einem Nachfolger für den entlassenen Chefcoach Marcel Koller ist der VfL Bochum erst einmal im eigenen Haus fündig geworden und hat den langjährigen Co-Trainer Frank Heinemann mit der Herkulesaufgabe betraut. Doch kann aus der Übergangs- auch eine Dauerlösung werden? "Zunächst ist es eine Interimslösung. Wir brauchen erstmal Ruhe im Verein", sagte Werner Altegoer, der "Chef" des Fußball-Bundesligisten. Die nächsten Schritte überlässt er dem Vorstand. "Das ist Aufgabe der Sportlichen Leitung. Vordergründig ist Thomas Ernst mit der Suche nach einem neuen Trainer betraut", sagte der VfL-Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Presse-Agentur dpa am Dienstag.

Sportvorstand Ernst ließ alle Optionen offen bei der Vorstellung von "VfL-Urgestein" Heinemann, seit 33 Jahren im Club (davon 24 als Profi bzw. Co-Trainer). "Es konnte so schnell nur eine interne Lösung geben. Wir mussten nicht lange überlegen, wen wir an die Front stellen wollten. Frank Heinemann ist seit ewigen Zeiten VfL-er. Er kennt den Club und das Umfeld. Er weiß, was die Leute von den Spielern fordern und was er von ihnen erwartet", erläuterte Ernst. Heinemann zur Seite steht Ex-Nationalspieler Dariusz Wosz. Auch der langjährige Profi und bisherige A-Juniorentrainer sei ein "Gesicht des VfL". Ernst: "Sie genießen an den nächsten Spieltagen unser Vertrauen. Wir sind überzeugt, dass sie die Mannschaft in die Spur bringen, damit wir andere Auftritte sehen als zuletzt."

Der 44 Jahre alte Heinemann war 13 Jahre ein loyaler Assistent verschiedener VfL-Cheftrainer. Er geht seine Mission mit großem Engagement an, will für neues Selbstbewusstsein bei den Profis und einen Stimmungsumschwung bei den Fans sorgen. "Wir müssen die Leute wieder auf unsere Seite bringen. Dazu gehören Leidenschaft, Disziplin und Kampf. Ich werde an viele Dinge appellieren, die in unserer Region wichtig sind", sagte er. Er habe "in über vier Jahren viel von Marcel Koller gelernt": "Aber sicher bin ich ein ganz anderer Typ und werde auch einiges anders machen."

Heinemann und Wosz bekommen zunächst ihre Chance. Auch beim nächsten Bundesliga-Spiel in Nürnberg am Freitag werden sie auf der Bank sitzen. Und dann? Könnte dies ein Zukunftsmodell sein? Nach dem Vorbild von Mainz (Thomas Tuchel), Hannover (Andreas Bergmann), Nürnberg (Michael Oenning) oder Freiburg (Robin Dutt), wo Nobodys ins Rampenlicht gerückt wurden und ihre Chance nutzten? Sie alle waren als Spieler aber nie erstklassig wie Heinemann.

Ausgeschlossen ist das nicht, aber unwahrscheinlich. Heinemann, den alle nur "Funny" nennen, macht sich darüber keine Gedanken. "Das interessiert mich erstmal nicht. Ich bin beim VfL immer gut behandelt worden, und das wird auch so bleiben, wenn ein anderer verpflichtet werden sollte", sagte er diplomatisch. Ernst legte sich nicht fest: "Grundsätzlich suchen wir einen neuen Trainer."

Wie immer kursieren längst zahlreiche Namen von Kandidaten, die ins Anforderungsprofil passen könnten. Heiko Herrlich, Trainer der deutschen U 19-Nationalelf, könnte auf der "langen Liste" (Ernst) stehen. Auch "übliche Verdächtige" wie Friedhelm Funkel, Christian Gross, Dieter Hecking oder Mirko Slomka werden gehandelt. Der Ex- Schalker Michael Büskens könnte gut passen. Der meinte zurückhaltend. "Ich will das nicht kommentieren." Ernst sagte nur: "Es steht auch der ein- oder andere auf unserer Liste, der eine Überraschung wäre."

dpa / Eurosport

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