Tour de France - Schleck beweist Mut & schreibt Geschichte

Do 21.Jul. 17:45:00 2011

Andy Schleck hat mit einem Husarenritt über Col d'Izoard und Col du Galibier die 18. Etappe der Tour de France gewonnen. 2:07 Minuten nach dem Luxemburger machte Fränk Schleck den Doppelsieg der Brüder perfekt. Das Gelbe Trikot verteidigte Thomas Voeckler mit 15 Sekunden Vorsprung auf Andy Schleck.

Tour de France - Andy Schleck hängt alle ab

"Das ist der schönste und beste Sieg, den ich je erreichen konnte", freute sich Andy Schleck nach seinem Triumph bei der höchsten Etappenankunft in der Geschichte der Tour de France. "Ich bin sehr, sehr froh, am Galibier gewonnen zu haben. Das ist etwas ganz Besonderes."

Der 26-Jährige hatte sich mehr als 60 Kilometer vor dem Ziel am vorletzten Anstieg des Tages, dem Col d'Izoard, aus dem Hauptfeld abgesetzt. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Maxime Monfort aus Belgien, der zuvor in der Ausreißergruppe des Tages gefahren war, und den Andy Schleck in der Abfahrt vom Izoard einholte, erarbeitete sich der Luxemburger bis zum Fuß des Schlussanstiegs einen Vorsprung von mehr als vier Minuten auf alle anderen Favoriten.

Evans wahrt Chancen auf den Tour-Sieg

"Ich habe heute Morgen gesagt, dass ich in Paris nicht Vierter werden will. Ich wollte alles riskieren und hatte auch keine Angst, so früh anzugreifen. Ich habe mich super gefühlt", sagte der Tagessieger und vergaß auch nicht seinen Edelhelfer zu loben: "Maxime hat großartige Arbeit geleistet."

Auch im 23 Kilometer langen Schlussanstieg behauptete sich Andy Schleck lange gut. Erst auf den letzten zehn Kilometern begann sein Vorsprung zu schmilzen, weil der Australier Cadel Evans im Feld Verantwortung übernahm und das Tempo erhöhte. Er allein leistete Führungsarbeit in der Favoritengruppe und verkürzte den Rückstand um zwei Minuten, so dass er bei nun 57 Sekunden Rückstand auf Andy Schleck im Rennen um den Tour-Sieg blieb.

Fränk Schleck lauerte nach dem Angriff seines Bruders in der Favoritengruppe und beäugte die Konkurrenz. Dabei konnte er beobachten, wie die Spanier Samuel Sanchez und Alberto Contador immer schwächer wurden und schließlich abreißen lassen mussten.

Er selbst ergriff 500 Meter vor dem Ziel die Initiative und machte den Doppelsieg der luxemburgischen "Bruderschaft" mit einem beherzten Angriff komplett. "Es lief alles perfekt", sagte der ältere der Schleck-Brüder nach dem Rennen und strahlte dabei wie ein kleines Kind am Weihnachtsabend. "Andy hatte mir vorher gesagt, dass er früh angreifen will, damit die anderen arbeiten müssen. Wenn wir ihn eingeholt hätten, dann hätte ich es probiert." Doch das war nicht mehr nötig.

Contador bricht am Ende völlig ein

Der dritte große Sieger des 18. Tour-Tages war neben den Schleck-Brüdern der Gesamtführende Voeckler. Er konnte den Kontakt zum Tagesdritten Evans sowie zu Ivan Basso und Fränk Schleck bis 600 Meter vor dem Ziel halten, und verlor erst auf den letzten Metern einige Sekunden. "600 Meter vor dem Ziel habe ich keine Luft mehr gekriegt", beschrieb er selbst den Moment, als er nicht mehr mithalten konnte. 2:21 Minuten nach Andy Schleck überquerte der völlig entkräftete Franzose den 2.645 Meter hoch gelegenen Zielstrich. Er liegt im Gesamtklassement dadurch nun 15 Sekunden vor Andy Schleck in Front und wird am Freitag auf dem Weg nach L'Alpe d'Huez seinen zehnten Tag im Gelben Trikot bei dieser Tour erleben.

Titelverteidiger Contador, der sich beinahe über die gesamte Distanz weit hinten im Feld aufgehalten hatte und sich bis drei Kilometer vor dem Ziel noch in der Favoritengruppe befand, erreichte das Tagesziel mit 3:50 Minuten Rückstand auf Rang 15. Sein Landsmann Samuel Sanchez verlor 4:42 Minuten.

Jury drückt ein Auge zu

Jens Voigt erreichte das Ziel als bester Deutscher mit 31:17 Minuten Rückstand auf Rang 64. und rettete sich damit gerade noch innerhalb der Karenzzeit ins Ziel. Alle anderen Deutschen folgten 4:23 Minuten später an der Seite der Sprinter im Gruppetto und verpassten somit das Zeitlimit.

Weil das Gruppetto allerdings mit 88 Fahrern mehr als die Hälfte des Pelotons ausmachte, drückte die Jury ein Auge zu und verzichtete auf den Ausschluss, der auch Mark Cavendish das Grüne Trikot gekostet hätte. Stattdessen wurden die betroffenen 88 Fahrer mit einer Strafe von 20 Punkten belegt, so dass Cavendishs Vorsprung auf den Spanier Jose Joaquin Rojas im Kampf um das Grüne Trikot auf 15 Zähler schrumpfte. Rojas erreichte in der Gruppe von Voigt den Gipfel des Galibier.

Das Finale der 18. Etappe

TV-Tipp:

Mehr Live geht nicht: Eurosport präsentiert die Tour de France wie gewohnt in ausführlichen Live-Übertragungen. Verfolgen Sie die große Schleife im TV, über den Eurosport Player oder im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de!

Felix Mattis / Eurosport

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