UEFA Cup - "So was von emotionslos"

Eurosport - Fr 22.Mai. 15:01:00 2009

Der Tag danach. Wie die Fußballfans Manuel und Wolfgang die Bremer Niederlage im UEFA-Cup-Finale verarbeiten.

FOOTBALL 2008-2009 UEFA Cup Bremen-Shakhtar Fans Manuel Wolfgang - 0

1:2 nach Verlängerung gegen Schachtjor Donezk. Die Enttäuschung auf Seiten der Bremer Anhänger ist auch einen Tag nach dem Finale immer noch groß. Dazu reicht ein Blick in die Gesichter. Schön wär's gewesen, ja, aber nicht verdient - das sieht auch Manuel so. "Mir war schon vorher klar, dass Werder es sehr, sehr schwer haben wird", sagt er. Ohne den verletzten Per Mertesacker und die gesperrten Diego und Hugo Almeida.

Überzeugt haben Manuel lediglich Naldo, Tim Wiese, Frank Baumann und Clemens Fritz - zu wenig für ein Finale. "Mir hat der Kampf gefehlt, im Finale musst du einfach draufgehen", ergänzt Wolfgang. Eigentlich denkt er schon nach dem 1:0 für Donezk, dass die Sache gelaufen ist. Nach dem 2:1 ist sie es dann wirklich. Im Falle eines Sieges, so Manuel, "hätten wir unseren Enkeln erzählen können, dass wir dabei waren".

Die beiden Fans machen sich am Dienstag auf den Weg nach Istanbul, um Werder die Daumen zu drücken. 240 Euro der Flug, 52 Euro das Ticket. Viel Zeit bleibt nicht, um neben dem Fußballspiel noch was von Istanbul zu sehen. Für Manuel geht am Donnerstag schließlich "eine tolle Reise" zu Ende. "Wir hatten einen Mordsspaß - nur der Pokal fehlt."

Wynton Rufer hat es ihm angetan

Manuel ist 26 und kommt aus der Nähe von München. Seit sein Onkel aus der Nähe von Bremen ihn als Kind das erste Mal mit ins Stadion nahm, ist er Werder-Fan. Wynton Rufer hatte es ihm damals angetan. Seit 2002 ist Manuel Mitglied beim SVW, sein Geld verdient er mittlerweile als Unternehmensberater in Mannheim.

Während des BWL-Studiums in Erlangen lernt er Wolfgang kennen. Der 28-Jährige hat es fast geschafft, und wenn er nicht gerade studiert, schaut er sich gerne Fußballspiele an. "Wolfi ist ein Groundhopper", sagt Manuel. Zudem Mitglied beim FC Bayern und bei Boca Juniors in Buenos Aires. In Argentinien hat Wolfgang während eines einjährigen Studienaufenthalts viele Spiele live gesehen und ist seitdem schon mehrmals zurückgekehrt. Der Vorteil: Die Mitgliedsgebühr bei Boca von jährlich rund 35 Euro beinhaltet eine Stehplatzkarte.

Als Manuel ihn vor dem UEFA-Cup-Finale fragt "Komm willste mit? Ich habe noch 'ne Karte", muss Wolfgang nicht lange überlegen. "Bei so was fahre ich schon mit. Tschechische Drittliga-Stadien sammle ich nicht, und ich fahre auch nicht wahllos durch Rumänien", sagt er. Dafür reist er mit dem FCB regelmäßig durch Deutschland und Europa, egal wohin.

20 Stunden mit dem Bus nach Barcelona

Nicht immer setzt er sich in den Flieger. Manchmal steigt er auch in einen Bus und fährt 20 Stunden nach Barcelona. Und zu allem Überfluss geht das Spiel dann 0:4 aus! Aber nach der Last-Minute-Niederlage der Bayern im Finale der Champions League gegen Manchester United schockt ihn nichts mehr. "Nach der Nummer 99 kann es nicht viel schlimmer kommen."

Wolfgang und Manuel gehören nicht zu den Fans, die ihren Frust in Alkohol ertränken. Und ihr Frust richtet sich nach dem Spiel auch nicht gegen den spanischen Unparteiischen Luis Medina Cantalejo. "Das war keine gute Schiedsrichterleistung", befindet Manuel. Die Antwort von Wolfgang lässt nicht lange auf sich warten. "Am Schiri allein liegt es nicht. Der letzte Biss hat Werder gefehlt." Und weiter: "Aus neutraler Sicht muss ich sagen: Er hat Bremen schon benachteiligt."

Was die beiden mehr schmerzt als das Schiedsrichter-Verhalten, ist das Verhalten der ukrainischen Fans nach dem Spiel. Von wegen Siegesfeier. Es ging alles ganz schnell. "Die sind mit Russen-Techno in die Kurve und haben nur einmal kurz den Pokal hochgehalten, das war's", betont Manuel. Unverständnis klingt in seiner Stimme mit. Kurz nach dem Abpfiff hätten die ersten gegnerischen Fans schon das Stadion verlassen. "So was von emotionslos." Er ist sich sicher: "Die Bremer hätten zwei Stunden später noch im Block gestanden und gefeiert."

Erst zum Finale nach Istanbul, jetzt nach Berlin

Überdies stört Manuel "dieses Bild, dass du hast". Es ist das Bild eines gekauften Vereins, eines Mäzens, der alles bezahlt. Vielleicht auch die Anreise der Fans? Wolfgang hat Donezk schon mal gesehen, 2007 war das in der Champions League bei Benfica Lissabon. Schon damals trugen sie alle die gleichen Mützen, die gleichen Schals, die gleichen Trikots und waren vor dem Spiel nicht zu sehen. Fans ohne Gesichter, wenn man so will. Ohne Herz. Manuel formuliert das so: "Donezk ist nichts, ein gekaufter Verein."

"Ich bin absoluter Werder-Fan", betont er und fügt hinzu, "aber keiner, der jetzt eine Woche traurig ist." Die Niederlage gegen Donezk hat Manuel verdaut - aber dann das. Einen Tag nach dem Finale bekommt er eine E-Mail von Werder Bremen. "Da kam alles zusammen", sagt er. Nach einer kurzen Einleitung findet sich darin einer dieser Sätze, die mit leider anfangen. Manuel bekommt keine Karten fürs DFB-Pokalfinale in Berlin, heißt es dort. Wegen der großen Nachfrage. Leider. Den Zeitpunkt der E-Mail findet er ziemlich unpassend.

Der Verein müsste in dieser Situation etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen, fordert Manuel. "Jeder, der mit nach Istanbul will, will doch auch mit nach Berlin." Es hätte Sinn gemacht, die beiden Finalspiele im Paket zu verkaufen. Andere Vereine würden das schließlich auch so handhaben.

Ohne Karten fürs DFB-Pokal-Finale gegen Leverkusen will der Werder-Fan aus Mannheim trotzdem sein Glück in Berlin versuchen. Warum? Die Antwort ist ganz einfach. "Wenn die Bremer gewonnen hätten, hättest du dich geärgert, wenn du nicht dabei gewesen wärst", sagt Wolfgang. Deswegen ist Manuel ja auch schon nach Istanbul gefahren.

Aus Istanbul berichtet Jens Sitarek / Eurosport

Kommentare 1 - 8 of 8

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  1. @olafwuff
    das ist ja super von dir, dass du diese­ rückbesinnung auf alte werte vollziehen willst
    meine­ hochachtung. Ich persönlich würde mir niemals anmaßen­ so etwas grotesk zu finden.
    aber du hast die weisheit­ mit löffeln gefressen!! Warum du dann trotzdem dene­ meinung kund tun musst ist mir schleierhaft.

    Von theo_udo, am Fr 22.Mai. 18:06
  2. Es fehlte am Kampfgeist. Die dachten doch nicht­ wirklich dass sie so gewinnen könnten. - Kein Ball kam­ gefährlich aufs Tor. Kein Angriff!! Einfach Null!!
    Der­ Gegner war ja auch nicht so gut, doch die Bremer waren­ noch schlechter. Würden die Bremer zumindest 85% ihrer­ Topleistung zeigen, würden Sie mit Leichtigkeit­ gewinnen.
    Gegen Hamburg hatten Sie sehr gut gespielt.­ -- Es machte den Anschein, als würden Sie sich schon­ vor dem Spiel in die Hose gemacht zu haben. Außer Tim­ Wiese, hatten alle die Hosen voll. Nur er zeigte, dass­ er gewinnen will!!
    Verstehe nicht was da los war mit­ Ihnen?
    Da hätten Sie leichter Hamburg antreten­ lassen.
    In so entscheidende Momente ist keine­ Mannschaft, außer der FCB der Sache gewachsen.

    Von yoe3131, am Fr 22.Mai. 15:50
  3. @theo udo, wieso beleidigtst Du jemand der nichts­ schlimmes geschrieben hat. pisato girl hat lediglich­ gesagt, dass es schlimmere situationen gibt als mal ein­ ticket nicht zu bekommen. Ich erkenne da keinen­ asozialen Neid, sondern einfach nur mal wieder­ Rückbesinnung auf das wesentliche - Genauso finde ich­ es grotesk, wenn man wegen verlorener Spiele weint - es­ gibt ganz andere Gründe zu weinen, seid doch froh, wenn­ Ihr diese Gründe noch nicht erlebt habt. theo udo relax­ mal ein wenig, calm down

    Von olaf.wulf, am Fr 22.Mai. 15:15
  4. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    @pisato_girl-- du wiederlicher bastard!!
    deine familie­ stinkt! Du bist ein (a)sozialer Neidhammel.
    Die beiden­ arbeiten schließlich für ihr Geld mit dem sie machen­ können was sie wollen.
    Ich kann mich erinnern als 2­ Studenten in 5 Monate mit dem Fahrrad nach Peking­ gefahren sind
    hatten sie bei der Rückkehr einen­ Briefkasten voller Briefe von wegen "was für­ Sozialschmarotzer seid ihr denn".
    Widerlich,­ genauso wie du!!!

    Von theo_udo, am Fr 22.Mai. 14:45
  5. Absolute Klasse dieser Artikel. Mal ein ganz anderer­ Dreh, nicht die übliche 1:0-Berichterstattung wie auf­ den anderen Sportseiten . Bin begeistert!

    Von Oskar D, am Fr 22.Mai. 8:05
  6. die clubs verdienen ein schweine geld mit ihrencups­ warum zahlen die nich den fans eine entschädigung für­ ihre mistspiele gereht währe es ohne die fans würden­ die in ihren stadien verhungern

    Von astrid w, am Fr 22.Mai. 6:17
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    Hallo, Finaltickets buendeln??? Eher jedem eine Chance­ geben. Alle Fans traeumen davon mal ein Finale zu­ sehen. Mich wuerde als Fan viel mehr aufregen, wenn ich­ fuer ein Finale keine Tickets kriege und es dann­ heisst: Die die schon Karten haben kriegen noch mehr.­ Du nicht! Der Kerl soll froh sein, dass er bei einem­ Finale dabei sein konnte und nicht noch gierig werden.

    Von Alex, am Fr 22.Mai. 3:35
  8. 292 euro ausm fenster geworfen - wenn bremen wenigstens­ guten fußball gespielt hätten ...

    Von spack2k2004, am Fr 22.Mai. 0:40
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