Tour de France - Tour-Teams: Alte Bekannte & Premiere

Eurosport - Sa 22.Mrz. 10:15:00 2008

Aufatmen bei den Wackelkandidaten: Die Organisatoren der Tour de France haben die Liste der teilnehmenden Teams für die 95. Auflage der Rundfahrt bekannt gegeben. Mit dabei sind trotz ihrer Skandale im Vorjahr auch Rabobank, Cofidis, Saunier Duval und High Road, der Nachfolger von T-Mobile.

CYCLING 2007 tour de france peloton - 0

Hingegen fehlt, wie schon vor Wochen angekündigt (eurosport.yahoo.de berichtete), das Astana-Team um Vorjahressieger Alberto Contador, den letztjährigen Gesamt-Dritten Levi Leipheimer sowie den zweifachen Tour-Zweiten Andreas Klöden: Zu tief sitzt das Misstrauen bei den Veranstaltern der ASO nach den Skandalen um die kasachische Truppe in den letzten beiden Jahren. Den proklamierten Neuanfang unter Johan Bruyneel möchte man lieber erst einmal eine Saison kritisch begutachten, anstelle bei erneutem Vertrauensvorschuss eventuell doch wieder bitter enttäuscht zu werden.

Einladungen unter Vorbehalt

Zuversichtlicher scheint man hingegen bezüglich der Umstrukturierungen bei Rabobank zu sein: Zwar erhielt Michael Rasmussen bei seinem Lügen-Marathon im Gelben Trikot lange Rückendeckung durch sein Team, doch wurden die Niederländer mit ihrer neuen Führungsspitze wieder eingeladen. Ohne Nachwirkungen bleibt auch die Affäre Sinkewitz für seinen einstigen Arbeitgeber High Road - die ASO sieht seinen Dopingfall nicht als direkt mit der Tour verbunden an, da die positive Probe vier Wochen vor der "grande boucle" genommen wurde und nur das Ergebnis während der Rundfahrt bekannt wurde. Im Fall Cofidis schließlich vertraut man Manager Eric Boyer, dass es sich bei Doper Cristian Moreni um einen Einzelfall in der ansonsten gut beleumundeten französischen Equipe gehandelt habe. Saunier Duval schließlich profitiert wohl auch davon, dass im Streit um die postiven EPO-Test von Kletter-Star Iban Mayo noch nicht letztinstanzlich geurteilt wurde.

Allerdings schwebt über allen Einladungen ein Damoklesschwert: Sollten neue Skandale oder weitere Enthüllungen in schwelenden Affären ans Licht kommen, behält sich die ASO Konsequenzen vor. "Die Auswahl wurde vorbehaltlich des Respekts jeder Mannschaft gegenüber der Ethik vorgenommen", unterstrichen die Tour-Chefs. Wenn sich etwa die bislang unbewiesenen Vorwürfe gegen Rabobank-Stars im Zuge der Ermittlungen bei einer Wiener Blutbank bestätigen oder High-Road-Kapitän Michael Rogers (Australien) nachweislich zu den Dopern bei T-Mobile während der Tour 2006 gehört haben sollte, würde die Luft plötzlich sehr schnell sehr dünn.

Premiere für "Saubermänner"

Am Start in Brest werden am 5. Juli voraussichtlich die Fahrer der 17 Topteams stehen, darunter auch die Vertreter der deutschen Spitzen-Teams von Milram und Gerolsteiner. Dazu kommen drei Mannschaften aus der "zweiten Liga", was für ein Feld von 180 Profis sorgen wird. Die Auswahl des Trios Agritubel, Slipstream und Barloworld kommt alles andere als überraschend:

Die Franzosen von Agritubel sind nicht nur der einzige einheimische Vertreter im Kreise der "Continental Professional Teams", sondern haben auch bei ihren ersten beiden Teilnahmen nicht enttäuscht. Zudem hat die Verpflichtung des französischen Meisters und Rundfahrt-Spezialisten Christophe Moreau sowie von Sprinter Jimmy Casper (Tour-Etappensieger 2006) die Klasse der Mannschaft weiter gestärkt, in der mit Romain Feillu die große französische Nachwuchshoffnung fährt.

Auch Barloworld, im Vorjahr erstmals in Frankreich dabei, kann auf eine Erfolgsbilanz und ein starkes Team verweisen: Etappensiege durch Sprinter Robert Hunter (Südafrika) und das neue Kletterass Mauricio Soler (Kolumbien) sorgten für ein tolles Debüt. Mit Spannung erwartet wird dabei, ob der Bergkönig der Tour 2007 an seine überraschenden Leistungen im Hochgebirge anknüpfen kann, die manche Zweifel hervorriefen. Verstärkt hat sich Barloworld u.a. mit Baden Cooke (Australien), im Jahr 2003 Gewinner es Grünen Trikots, und dem italienischen Ex-Meister Enrico Gasparotto.

Ihre Tour-Premiere feiert die US-Mannschaft Slipstream, die mit der Verpflichtung zahlreicher hochkarätiger Fahrer und einer entschiedenen Anti-Doping-Politik die Organisatoren überzeugen konnte. Im Juli will Teamchef Jonathan Vaughters aber nicht nur unter ethischen, sondern auch sportlichen Gesichtspunkten mit das Maß der Dinge sein: Asse wie David Zabriskie (USA), Magnus Backstedt (Schweden) und David Millar (Großbritannien) - allesamt bereits Tour-Etappensieger - stehen dazu bereit. In der Gesamtwertung ist Tom Danielson der Hoffnungsträger, der seine Top-Ten-Ergebnisse bei Spanien-Rundfahrten nun in Frankreich bestätigen soll.

Auf die mögliche Einladung einer 21. Mannschaft verzichtete die ASO - und tatsächlich drängt sich kein Team wirklich auf. Entsprechend gab es keinerlei Wehklagen aus dem Kreis der verbleibenden Continental Professional Teams. Selbst bei Skil-Shimano, das bei Paris-Nizza mit offensiver Fahrweise beeindruckte und mit Clement Lhotellerie eine neue französische Entdeckung präsentierte, war man mit der Entscheidung nicht unglücklich: Der Gewinner des Bergtrikots hatte bereits während Paris-Nizza erklärt, die Mannschaft habe "weder die logistischen Voraussetzungen noch den Kader, um schon in diesem Jahr die Tour zu bestreiten".

Die 20 Teams für die Tour 2008:

Gerolsteiner, Milram (Deutschland)

CSC (Dänemark)

Rabobank (Niederlande)

Silence-Lotto, Quick Step (Belgien)

High Road, Slipstream (USA)

Caisse d'Epargne, Euskaltel, Saunier Duval (Spanien)

Liquigas, Lampre (Italien)

Barloworld (Großbritannien)

Cofidis, ag2r, Francaise des Jeux, Crédit Agricole, Agritubel, Bouygues Telecom (Frankreich)

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