Mailand-San Remo - Wer triumphiert in San Remo?

Eurosport - Sa 22.Mrz. 14:12:00 2008

Fast 300 Kilometer, rund 200 Fahrer - aber wer jubelt am Ende der 99. Austragung von Mailand-San Remo? Ob Showdown im Sprint oder erfolgreiche Attacke - bei jedem Szenario machen sich fast ein Dutzend Asse berechtigte Hoffnungen auf den großen Triumph: eurosport.yahoo.de präsentiert die Favoriten.

CYCLING: Milan-Sanremo - 0

Sprinter stehen Schlange:

Seit Beginn der "Ära Zabel" im Jahr 1997 wurde nur drei Mal die Classicissima nicht im Massensprint entschieden - und auch diesmal spricht viel für eine Entscheidung aus einer großen Gruppe heraus: Zu viele Teams haben Topsprinter in ihren Reihen, zu gut sind diese Asse in Form und zu weit dürfte es vom letzten Anstieg, dem Poggio, bis ins verlegte Ziel sein.

Als der große Favorit gilt Titelverteidiger Oscar Freire: Der Spanier beeindruckte bei Tirreno-Adriatico mit zwei Siegen, darunter einem eindrucksvollen Sprint bergan. "Diese beiden Siege haben mir eine Menge Selbstvertrauen gegeben", kündigte Freire fast schon drohend an. Sein Rabobank-Team ist ganz auf ihn abgestellt, auch Grischa Niermann und Paul Martens werden mit aller Kraft Verfolgungsarbeit leisten, um dem dreifachen Weltmeister auch hier den dritten Sieg zu ermöglichen.

Ärgster Rivale ist im Normalfall Alessandro Petacchi, der nun endlich auch im Milram-Dress den wichtigsten italienischen Klassiker für sich entscheiden will. Für den Italiener spricht, dass er in zwei knappen Duellen mit Freire in der letzten Woche einmal knapp die Oberhand behielt. Im dritten gemeinsamen Anlauf steht ihm im Finale wieder Erik Zabel zur Seite, davor werden sich Christian Knees und Martin Müller für die Doppelspitze ins Zeug legen. "Das Rennen liegt mir. Erik und ich reisen mit einem starken Team an und wir werden gemeinsam um den Sieg fahren", erklärte Petacchi.

Neben den beiden heißesten Anwärtern lauern aber noch etliche weitere Top-Sprinter auf ihren ersten Sieg bei diesem Monument des Radsports: Thor Hushovd (Credit Agricole) konnte bei Paris-Nizza keinen Tageserfolg einfahren, beeindruckte aber mit Stärke am Berg, tollkühnen Abfahrten und Klasse im Zeitfahren. Tom Boonen (Quick Step) hielt sich bei Tirreno zwar im Hintergrund und sollte der Belgier tatsächlich nicht in Topform sein, könnte sein Teamkollege und Landsmann Gert Steegmans in die Bresche springen.

Nicht zu vergessen das deutsche Trio Gerald Ciolek (High Road), Danilo Hondo (Diquigiovanni) und Heinrich Haussler (Gerolsteiner), die zumindest das Zeug fürs Podium haben. Zum Kreis der aussichtsreichen Sprinter zählen ferner Robbie McEwen (Silence), Danilo Napolitano (Lampre), Jose Joaquin Rojas (Caisse d'Epargne) oder Robert Hunter (Barloworld).

Abteilung Attacke:

Bevor die Sprinter aber überhaupt zum Zuge kommen, müssen ihre Helfer erst einmal jene Topfahrer einfangen, die an den Anstiegen zu Cipressa und Poggio mit ihren Antritten für Furore sorgen dürften.

Ein ganz heißer Kandidat auf einen solchen Coup ist der frischgebackene Gesamtsieger von Paris-Nizza: Davide Rebellin jagt bei seiner 14. Teilnahme einen der wenigen Klassiker-Siege, die ihm in seiner Liste noch fehlen. "Wir müssen das Rennen hart machen - und ich werde die Unterstützung anderer Fahrer brauchen, die einen Sprint vermeiden wollen", beschrieb der Routinier in der "Gazzetta dello Sport" das Rezept.

An Verbündeten stehen dem 36-Jährigen dabei eine ganze Reihe erstklassiger Fahrer zur Verfügung - angefangen mit Philippe Gilbert (Francaise des Jeux): Der Belgier lag im Vorjahr bis 3000m vor dem Ziel in Front und strebt nach einem bereits äußerst erfolgreichen Frühjahr (fünf Siege) nun endlich den "Ritterschlag" auf allerhöchstem Niveau an. Allerdings hält er sich im Vorfeld hinsichtlich seiner Strategie noch bedeckt: "Ich kann mein Glück auch im Massensprint versuchen, ich muss nicht um jeden Preis attackieren."

Gleiches gilt für den Sieger von 2006: Filippo Pozzato (Liquigas) muss nach einem harten Rennen kaum einen Konkurrenten im Sprint fürchten - doch der Italiener setzt auf einen erfolgreichen Angriff: "Dieses Jahr gibt es viele kampflustige Fahrer wie mich, die den Sprintern die Suppe versalzen wollen. Ich bin stärker als je zuvor und topmotiviert", warnt er. Pozzato hofft, dass die Neuerungen im Kurs seine Pläne unterstützen: "Der neue Anstieg ist zwar weit vom Ziel entfernt, aber diese 4,7 Kilometer werden den Sprinter durchaus weh tun! Und im Finale gibt es zwei Kurven, durch die man aus dem Blickfeld der Verfolger entwischen kann", verrät er.

Davon träumen auch Stars wie der leicht angeschlagene Weltmeister Paolo Bettini (Quick Step), sein Zeitfahr-Pendant Fabian Cancellara (CSC) oder Alessandro Ballan (Lampre), Sieger von Flandern-Rundfahrt und Hamburger Cyclassics 2007. Unbedingt im Auge behalten müssen die Sprinter auch die glänzend aufgelegten Enrico Gasparotto (Barloworld), Rinaldo Nocentini (ag2r), Joaquin Rodriguez (Caisse d'Epargne) und Sylvain Chavanel (Cofidis), ebenso wie das Diquigiovanni-Duo Niklas Axelsson und Raffaele Illiano oder Emanuele Sella (CSF-Navigare).

Schließlich könnte auch Danilo di Luca (LPR) in seinem vielleicht letzten Klassiker vor einer Dopingsperre nochmals auftrumpfen. Nicht dabei sind hingegen seine italienischen Landsleute Riccardo Ricco (Saunier Duval) und Damiano Cunego (Lampre).

Die Aufgebote der deutschen Teams:

Gerolsteiner: Heinrich Haussler, Bernhard Kohl (Österreich), Andrea Moletta (Italien), Davide Rebellin (Italien), Stephan Schreck, Stefan Schumacher, Fabian Wegmann, Peter Wrolich (Österreich).

High Road: Gerald Ciolek, Bernhard Eisel (Österreich), Roger Hammond (Großbritannien), George Hincapie (USA), Kim Kirchen (Luxemburg), Andreas Klier, Thomas Lövkvist (Schweden), Vicente Reynes (Spanien).

Milram: Alberto Ongarato (Italien), Alessandro Petacchi (Italien), Christian Knees, Erik Zabel, Fabio Sabatini (Italien), Marco Velo (Italien), Martin Müller, Niki Terpstra (Niederlande).

Verfolgen Sie die 99. Auflage von Mailand-San Remo am Ostersamstag ab 14:00 Uhr im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de und ab 15:00 Uhr LIVE im TV bei Eurosport2!

Andreas Schulz / Eurosport