Eurosport - Sa 22.Mrz. 18:32:00 2008
Vor dem Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg strotzt der Hamburger SV vor Selbstbewusstsein. Sogar über die Meisterschaft wird gesprochen. Den "Wölfen" bleibt nach dem Pokal-Aus gegen die Bayern die Hoffnung, sich noch über die Bundesliga für das internationale Geschäft zu qualifizieren.
Nicht einmal einen Monat ist es her, da trotteten die erschöpften HSV-Spieler mit gesenktem Kopf vom Feld der Wolfsburger Volkswagen-Arena. Die "Wölfe" dagegen feierten überschwänglich den 2:1-Sieg nach Verlängerung und damit den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals.
Vor dem dritten und letzten Duell der beiden Mannschaften in dieser Saison sind die Rollen vertauscht. Nun sind es die Wolfsburger, die nach der 0:2-Pleite bei Bayern München den K.o. im Pokal zu verdauen haben und die Hamburger fahren ausgeruht und selbstbewusst in die Auto-Stadt. Das Team lässt sich in seiner Vorbereitung auf die Pokal-Revanche vor ausverkauftem Haus auch nicht von der Absage des Wunschkandidaten Slaven Bilic für die Nachfolge des scheidenden Trainers Huub Stevens beeinflussen.
Offene Rechnung
"Natürlich ist da noch eine Rechnung offen. Wir sind gut vorbereitet und wollen dort drei Punkte holen", sagt Joris Mathijsen. Der holländische Nationalverteidiger trug maßgeblich dazu bei, dass der HSV in diesem Jahr noch kein Bundesliga-Spiel verloren und erst vier Gegentore kassiert hat. Damit stellen die Hamburger 2008 bislang die beste Abwehr der Liga. Torwart Frank Rost musste seit 200 Minuten keinen Ball mehr aus dem eigenen Netz holen.
Außerdem hat sich die Personalsituation bei den Hamburgern seit dem Pokal-Aus in Wolfsburg erheblich entspannt. Nur der am Knie operierte Romeo Castelen wird definitiv ausfallen. Selbst Juan Pablo Sorin könnte nach achtmonatiger Leidenszeit erstmals wieder zum Einsatz kommen, auch wenn er beim Training am Donnerstag wegen muskulärer Probleme kürzer treten musste.
Hoffen auf Stolper-Bayern
Wie groß das Selbstbewusstsein beim derzeitigen Tabellenzweiten geworden ist, beweist Sorins Zielsetzung. "Ich möchte Deutscher Meister werden", betont der argentinische Nationalspieler und fasst damit den großen Traum des gesamten Vereins in einfache Worte.
Angesichts der fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München weiß Mathijsen aber auch, dass der HSV nur noch eine reelle Chance auf die Meisterschaft hat, "wenn München noch mal stolpern würde" - und wenn sein Landsmann Rafael van der Vaart endlich wieder das Tor trifft, denn der Star der "Rothosen" wartet seit vier Liga-Spielen auf ein Erfolgserlebnis.
Wie spektakulär van der Vaart die Bälle ins Netz befördern kann, wissen sie in Wolfsburg nur zu gut. Wegen des Traumtors des Holländers zum Ausgleich mussten die "Wölfe" im DFB-Pokal-Viertelfinale noch eine Extra-Schicht einlegen. Dass es am Mittwoch nicht zum Einzug ins Endspiel in Berlin reichte, lag auch an der mangelnden Courage.
Hoffnung auf den UEFA-Cup
"Nach dem 0:1 hatten wir keine Moral, da kam keine Reaktion mehr", ärgerte sich Trainer Felix Magath über die ängstliche Vorstellung seines Teams in der Allianz Arena gegen die Bayern. Wie schon in der Vorsaison platzte damit erst im Halbfinale der Traum des Ex-Herthaners Marcelinho vom Endspiel in Berlin.
Vom internationalen Geschäft können sie in Wolfsburg dennoch träumen. Das beste Team der Rückrunde steht auf Platz acht der Tabelle und hat nur drei Punkte Rückstand auf den UI-Cup-Platz. Auch die direkte Qualifikation für den UEFA-Pokal ist nicht außer Reichweite. Nur fünf Zähler trennen die Wölfe von den fünftplatzierten Schalkern.
Tobias Wiltschek / Eurosport