Bundesliga - Bayern holt das Fernglas raus

Eurosport - So 23.Mrz. 00:03:00 2008

Der FC Bayern München hat mit Bayer Leverkusen einen direkten Konkurrenten um den Meistertitel ausgeschaltet. Nach der Krisenwoche mit Niederlagen gegen Anderlecht und Cottbus räumten sich die Münchner mit dem 2:0 (1:0)-Sieg im Spitzenspiel den Weg zur 21. Meisterschaft frei.

FOOTBALL 2007-2008 Bundesliga Bayern-Leverkusen Toni - 0

So wie die Sonnenstrahlen pünktlich zu Spielbeginn die dunklen Wolken über der Münchner Arena durchbrachen, marschierte der FC Bayern vom Anpfiff weg durch die Leverkusener Reihen. "Die Klasse der Bayern ist uns von der ersten Minute an entgegen geschlagen. Wir sind in erster Linie an der Qualität des Gegners gescheitert", musste Bayer-Trainer Michael Skibbe zugeben.

Sein Versuch, Kapitän Bernd Schneider neben Simon Rolfes im defensiven Mittelfeld agieren zu lassen, schlug fehl. Der Nationalspieler bot eine schwache Vorstellung, mied Zweikämpfe und ließ sich das eine oder andere Mal von den Bayern-Spielern vorführen. "Wir sind nur hinterher gelaufen", analysierte Schneider.

Dabei mussten die Münchner nicht einmal in die Trickkiste greifen, um den Tabellendritten deutlich in die Schranken zu weisen. Mit einfachen Doppelpässen und steilen Anspielen in die Spitze hebelte der Rekordmeister die Abwehr um Manuel Friedrich und Karim Haggui gleich reihenweise aus. "Wenn Franck Ribery mit 180 km/h an einem vorbeigeschossen kommt, gibt es Wenige, die ihn stoppen können", brachte Manuel Friedrich das Gefühl des Überrolltwerdens in eine greifbare Form.

Klose arbeitet, Toni trifft

Der Franzose war es auch, der nach einer guten Viertelstunde die schon zu diesem Zeitpunkt überfällige Bayern-Führung einleitete. Der 23-Jährige schickte Miroslav Klose in den Strafraum, der mit viel Übersicht Sturmpartner Luca Toni dessen 15. Saisontreffer auf dem Silbertablett servierte. Ohnehin stellte sich Klose immer wieder in den Dienst der Mannschaft. Der Nationalstürmer ackerte nach hinten, holte sich die Bälle in der eigenen Hälfte ab und war nicht selten Ideengeber im Offensivspiel der Münchner.

Einzig mit der Chancenverwertung steht der Ex-Bremer weiter auf Kriegsfuß. Nicht weniger als dreimal stand der Angreifer frei vor dem Gehäuse von Rene Adler, konnte das Leder aber weder aus drei, noch aus vier oder sieben Metern in Tor unterbringen (40./43./50.).

Toni sprang jedoch für seinen Kollegen in die Bresche. Nach Flanke des soliden Philipp Lahm markierte der Italiener per Kopf aus kurzer Distanz das 2:0 (59.). "Er hat einen unheimlichen Torriecher, ist brandgefährlich und sehr wertvoll für uns", lobte Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld seinen Torgaranten, der jedoch gewohnt gelassen auf sein drittes Doppelpack der Saison reagierte: "Es ist mein Job, der Mannschaft zu helfen, die Meisterschaft zu gewinnen und noch so manchen Pokal." Achtmal schoss der Weltmeister an diesem Nachmittag auf das Leverkusener Tor und damit doppelt sooft wie das gesamte Gästeteam.

"Das war Rasenschach"

Dass die Münchner doch noch einmal zittern mussten, lag an ihrer Nachlässigkeit im Abschluss. "Wir hatten drei, vier Mal die Chance, das dritte Tor zu machen. Sind da aber - ich möchte nicht sagen kläglich - aber doch leichtfertig gescheitert. Das darf uns in Zukunft nicht mehr passieren", bemängelte Hitzfeld, der mitansehen musste, wie zunächst Toni (66.) und dann der eingewechselte Lukas Podolski innerhalb von 60 Sekunden gleich zweimal an Adler scheiterten (78./79.).

Doch selbst der Anschlusstreffer von Dimitri Bulykin (82.) trübte die Stimmung beim Tabellenführer nicht. "Das war ein großer Schritt in Richtung Meisterschaft", freute sich Hitzfeld. "Die Mannschaftsleistung war heute überragend. Wir haben den Gegner immer beherrscht und sehr gut nach vorne gespielt." Auch Manager Uli Hoeneß konnte in seiner Spielbewertung über das Makel der Chancenauswertung hinwegsehen und attestierte dem Team "teilweise Fußball der Extra-Klasse" gespielt zu haben. "Das war Rasenschach", lobte Hoeneß das taktisch gute Auftreten des Rekordmeisters.

"Keine Konkurrenten mehr"

Oliver Kahn, Torwart-Titan auf Abschiedstournee, mahnte zwar den fehlenden "Killerinstinkt" an, sieht jedoch auf dem Weg zum Titel kaum noch Hindernisse. "Wir haben praktisch keine Konkurrenten mehr", sagte der Kapitän. Bei sieben Punkten Vorsprung wird es für Hoeneß Zeit, das vielzitierte Fernglas herauszuholen, um die Verfolger im Auge behalten zu können.

Ganz ohne Fernglas konnten die Zuschauer auf dem Weg nach Hause einen Blick auf die in der Ferne durch den Nebel schimmernde Zugspitze werfen. Völlig unverklärt ist hingegen der Blick der Münchner auf den obersten Platz in der Meisterschaft - oder um es mit den Worten des Bayern-Managers zu sagen: "Es schaut gut aus."

Aus München berichtet Fabian Kunze / Eurosport