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Edberg taucht aus Versenkung auf

Di 22 Jan, 14:21 Uhr


Talheim (dpa) - Vierzehn Jahre lang war Stefan Edberg ein umjubelter Weltstar - dann verabschiedete sich die frühere Nummer eins der Weltrangliste 1996 aus dem Tenniszirkus und entzog sich beinahe komplett der Öffentlichkeit.

Im beschaulichen baden-württembergischen Talheim tauchte die schwedische Tennislegende nun für einen Abend aus der selbst gewählten Versenkung wieder auf. Während seine Nachfolger bei den Australian Open spielen, griff Edberg zusammen mit seinen ehemaligen Weggefährten Carl-Uwe Steeb, Henri Leconte und Goran Ivanisevic anlässlich des 25. Geburtstag des Challenger Turniers «Heilbronner Open» zum Schläger.

«Tennis hat lange mein Leben bestimmt. Ich hatte fast nie frei. Darum war es schön für mich, Abstand zu gewinnen» sagt der heute 42-Jährige besonnen. Anders als viele seiner früheren Gegner spielt Edberg nicht auf der Seniorentour. Auch bei Showeinlagen tritt der sympathische «Gentleman» nur äußert selten auf. Stattdessen genießt der langjährige Konkurrent von Boris Becker seine Ruhe. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt er in der südschwedischen Kleinstadt Växjö, wo er Wälder und eine Investmentfirma besitzt.

59 Wochen stand der Schwede an der Spitze der Tenniswelt, gewann je zweimal die Australian Open, die US Open und Wimbledon. Siebenmal in Serie stand er in den 1980er Jahren im Davis-Cup-Finale. «Ich genieße Tennis immer noch und spiele zweimal in der Woche. Aber ich genieße es zu trainieren, wenn keiner zuguckt», erklärt der Rechtshänder jetzt. Als er die Halle im klassischen weißen Outfit betritt, in der mit rund 1700 Zuschauern eine vergleichsweise familiäre Atmosphäre herrscht, erscheint Edberg fit - kein Bauchansatz ist zu sehen, dafür durchtrainierte Waden- und Oberschenkel.

Seine Schläge wirken noch immer elegant. Auf dem schnellen Belag sucht der Serve-and-Volley-Spezialist wie früher häufig den Weg ans Netz. Verbissen ist der Schwede dagegen nicht mehr - auffallend oft huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Doch während der geniale Tennisclown Leconte den Tennisplatz in eine Showbühne verwandelt und mit dem Publikum, den Ballmädchen und den Linienrichtern scherzt, gibt sich Edberg natürlich, ohne zu übertreiben.

Auch im Doppel lässt der 42-fache Turniersieger immer wieder seine Klasse am Netz aufblitzen, lässt sich aber auch von seinem Partner Leconte mitreißen und treibt Späßchen mit Steeb und dem kroatischen Wimbledonsieger Ivanisevic. «Es ist super, sie wieder zu treffen. Auf der Tour ist man fast wie eine Familie. Für mich ist es schön, von ihnen zu hören, was so los ist», sagt Edberg. Der beliebte Schwede hatte sichtlich Spaß bei seinem Auftritt außerhalb seiner Heimat. «Ich genieße es für kurze Zeit, aber dann muss ich wieder zurück.»