Essen (dpa) - Achteinhalb Monate vor den Olympischen Spielen in Peking wird der Druck auf Deutschlands Schwimmer immer größer. Der Weltcup in Berlin mit vier Weltrekorden der Konkurrenz hat den Abstand zur Weltelite in vielen Disziplinen deutlich gemacht.
Die Stars des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) haben dabei jedoch Hoffnungen auf bessere Zeiten geweckt. Vor den nationalen Kurzbahn-Meisterschaften vom 22. bis 25. November machte Cheftrainer Örjan Madsen denn auch deutlich: «Ich erwarte in dieser Woche in Essen eine Fortsetzung dieses Aufwärtstrends.»
Die Qualifikation für die Kurzbahn-Europameisterschaften im Dezember im ungarischen Debrecen gerät dabei zur Nebensache. Entscheidend ist die Frage: Stimmt der eingeschlagene Kurs Richtung Peking oder sind Änderungen in der systematischen Vorbereitung notwendig? Einen Reinfall wie in Athen 2004, als die deutschen Schwimmer nach hoffnungsvoller Vorbereitung untergingen, soll es nicht wieder geben.
Für Superstar Britta Steffen steht dabei fest: «Ich bin im Plan.» Die Weltrekordlerin auf der Langbahn über 100 Meter Freistil unterzieht sich nach ihrem mit deutschem Rekord abgeschlossenen Weltcup-Kurzauftritt über 100 m nun in Essen einem echten Härtetest. Die 24 Jahre alte Berlinerin hat Starts über 50, 100 und 200 m Freistil sowie 100 m Lagen angekündigt. Sie will sich die Müdigkeit aus dem Körper schwimmen. Zum großen Duell über 200 m Freistil mit Vize-Weltmeisterin Annika Lurz wird es dabei aber nicht kommen, weil die Würzburgerin wegen eines Ermüdungsbruchs im vierten Lendenwirbel nur für die «Nebenstrecke» 800 m gemeldet hat. «Annika darf keine allzu intensiven Bewegungen machen», sagt Ehemann und Trainer Stefan Lurz.
Um die Olympia-Hoffnungen nicht zu gefährden, verzichtet Annika Lurz in Absprache mit Madsen auf einen EM-Start in Debrecen. Dies gilt auch für Rücken-Spezialistin Antje Buschschulte. Die Magdeburgerin hat sich sich zwei Tage nach ihrem Europarekord von Berlin am Montag in Düsseldorf einer Schulteroperation unterzogen. Für Buschschulte war es «die letzte Möglichkeit vor Peking».
Die Vorbereitung auf Olympia 2008 diktiert alles. Weltcup, jetzt die Kurzbahn-DM, danach die EM und im kommenden Frühjahr die Europameisterschaften auf der Langbahn und die Olympia-Qualifikation: Alles nur Etappen nach Peking. Paul Biedermann (Halle/Saale), der in Berlin den fast 20 Jahre alten deutschen Rekord von Michael Groß über 200 m Freistil geknackt hat, will in Essen wieder angreifen. Am Europarekord des Niederländers Peter van den Hoogenband fehlt ihm noch eine halbe Sekunde. 744 Athleten haben für Essen gemeldet - wer in Peking dabei sein will, muss jetzt in die Spur kommen.


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