Stuttgart (dpa) - Mit seinem ersten Fallschirmsprung hat sich Timo Scheider «zusätzliche positive Energie» für die greifbar nahe Titelverteidigung beim Deutschen Tourenwagen Masters geholt.
«Mein Ziel ist ganz klar: ich will gewinnen», sagte der Audi-Pilot vier Tage vor dem DTM-Finale auf dem Hockenheimring. Aber auch Verfolger Gary Paffett rechnet sich trotz sieben Punkten Rückstand noch Chancen im plötzlich wieder spannenden Meisterschaftsrennen aus. «Ich habe in dieser Saison die meisten Rennen gewonnen. Außerdem wird das andere Team nervöser sein, sie haben mehr zu verlieren», erklärte der britische Mercedes-Pilot in einer Telefonkonferenz.
Scheider geht entspannt ins Saisonfinale am 25. Oktober. Ihm reicht selbst im Fall eines Paffett-Sieges ein fünfter Platz zur Meisterschaft. «Wenn Gary gewinnen will, muss er ein höheres Risiko eingehen als ich», wies der 30 Jahre alte Hesse auf seine deutlich bessere Ausgangsposition hin. Der Spitzenreiter hat mit 56 Punkten nicht nur sieben Zähler Vorsprung auf Paffett (49), sondern auch das leichtere Auto, da der Brite wegen seines jüngsten Sieges in Dijon zehn Kilogramm Ballast mitschleppen muss. «Das gibt uns die Möglichkeit taktisch zu fahren», sagte Scheider. «Aber ich möchte mich nicht darauf einlassen.»
Der Audi-Pilot aus Altach setzt auf Angriff: «Es ist besser, weiter 100 Prozent zu geben und weiter zu attackieren.» Zudem hat er seinen Mercedes-Widersacher noch nicht abgeschrieben. «Es gibt durchaus noch eine Chance für Paffett», versicherte Scheider. Gewarnt durch das Debakel von Dijon, als Audi durch fünf Reifendefekte beim Fünffach-Triumph von Mercedes zum Hinterherfahren verdammt war, forderte der Favorit: «Wir dürfen uns keine Fehler leisten.» Das Risiko in Frankreich sei zu groß gewesen, was man auf dem Hockenheimring berücksichtigen werde. Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich versicherte, die Reifen sollten «kein Thema» sein.
Paffetts Hoffnung ruht darauf, dass er bei seinem Sieg beim vorletzten Saisonlauf sieben Punkte auf Scheider aufgeholt hat. «Wir hoffen jetzt, die Show von Dijon noch einmal wiederholen zu können», sagte der 28-Jährige. «Wir wollen das Rennen gewinnen, alles andere können wir nicht beeinflussen.» Audi habe beim Qualifying in Frankreich einen großen Fehler gemacht. «Vielleicht machen sie so etwas ja in Hockenheim noch einmal.» Das Zusatzgewicht sei zwar ein Handicap. «Aber ich habe mit diesen zehn Kilo auch schon in Zandvoort gewonnen. Das ist wieder möglich», sagte Paffett.
Für Norbert Haug ist die Meisterschaft dagegen schon zugunsten Scheiders entschieden. «Schön wär's, wenn wir noch einmal sieben Punkte wettmachen könnten. Ich glaube aber nicht, dass das ein realistisches Szenario ist», sagte der Mercedes-Motorsportchef.


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