Düsseldorf (dpa) - Der juristische Rückzug von Vipa Bernhardt hat im Deutschen Schwimm-Verband (DSV) und bei Anne Poleska für große Erleichterung gesorgt: Der Peking-Start der Olympia-Dritten von Athen ist endgültig gesichert.
«Die Gegenseite hat ihren Antrag zurückgezogen», sagte DSV-Präsidentin Christa Thiel (Wiesbaden) der Deutschen Presse-Agentur dpa. Konkurrentin Vipa Bernhardt hatte mittels einer Einstweiligen Verfügung die nachträgliche Olympia-Nominierung angestrebt und damit kurz vor den Spielen für große Unruhe im Lager der deutschen Olympia-Schwimmer gesorgt.
Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), reagierte ebenfalls mit Genugtuung: «Ich begrüße, dass dieses Verfahren ein Ende hat und es nicht möglich war, sich auf diese unfaire Weise in die Mannschaft zu schmuggeln», sagte er. Anne Poleska war zutiefst erleichtert. «Ich bin schon froh», kommentierte sie die Wende. «Jetzt darf ich durchatmen und mich auf das Wesentliche konzentrieren. Ich hatte es nicht wirklich anders erwartet.»
Michael Ulmer, bei Bernhardts Verein SG Frankfurt/Main als Sportdirektor verantwortlich, sagte der dpa, neue eidesstattliche Erklärungen der Gegenseite hätten den Rückzug bewirkt. Vipa Bernhardt hatte Startrechts-Probleme bei Anne Poleska geltend gemacht, die nach Auffassung Bernhardts und der SG Frankfurt für den Coral Springs Swim Club in den USA aktiv gewesen sei. Damit hätte sie ihr Startrecht bei der Olympia-Qualifikation verwirkt. Neue Unterlagen hätten dies nicht bestätigt, räumte Ulmer ein.
Anne Poleska hatte bei den deutschen Meisterschaften im April in Berlin über 200 Meter Brust als Zweite vor Bernhardt angeschlagen und sich damit qualifiziert. «Man muss das jetzt so hinnehmen. Wir wünschen Anne und dem DSV alles Gute und viel Erfolg in Peking», sagte Ulmer, der telefonischen Kontakt mit Vipa Bernhardt in den USA hatte: «Sie ist natürlich überrascht über die Wende, aber sie akzeptiert es.» Ulmer betonte, er habe nie gegen Poleska, sondern immer nur für seine Athletin gekämpft. Die SG Frankfurt hatte dem DSV geraten, es beim Einzel-Start der Krefelderin zu belassen und Vipa Bernhardt im Vorlauf der Lagen-Staffel einzusetzen.
«Das ist richtig und gut», kommentierte Christa Thiel den nun abgeschlossenen juristischen Vorgang. Auch DSV-Sportdirektor Örjan Madsen gab sich erleichtert. «Das ist eine gute Entscheidung, sportlich fair. Die Bessere, nämlich Anne Poleska, darf jetzt bei den Spielen starten», sagte der Norweger. Der Bernhardt-Rückzug sei «gut für die Mannschaft. Das Team hat sich zu 100 Prozent hinter Anne gestellt», erläuterte er. Jetzt sei «die Sache gegessen, wir können uns ganz in Ruhe auf Peking vorbereiten». Für Anne Poleska sei «die Sache eine große Belastung gewesen».
DOSB-Präsident Thomas Bach hatte Bernhardts Vorstoß scharf kritisiert. Er habe es noch nie erlebt, dass ein Athlet unter Angaben von Formfehlern versucht, «einen Konkurrenten aus dem Wettbewerb zu boxen». Olympia-Schwimmer Lars Conrad (Hannover) warf Bernhardt sogar «unsportliches Verhalten» vor. Ihre Rivalin Poleska hatte während des schwebenden Verfahrens stets betont, sie habe sich nichts zuschulden kommen lassen.



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