Berlin (dpa) - Beim Test gegen den FC Liverpool schickt Hertha BSC mit dem 23-jährigen Cicero den fünften Brasilianer im aktuellen Kader auf die deutsche Fußball-Bühne.
Die 800 000-Euro-Leihgabe von Fluminense Rio de Janeiro soll vor mehr als 40 000 Fans gegen den Premier-League-Club, der in Berlin allerdings ohne den spanischen Europameister Fernando Torres und auch ohne den verletzten Kapitän Steven Gerard antritt, sein Debüt im Hertha-Trikot geben. Cicero, der als Verteidiger, im Mittelfeld und sogar im Angriff eingesetzt werden kann, passt genau ins Anforderungs-Profil von Lucien Favre. «Er ist sehr polyvalent», erklärte der Schweizer - und genau das ist einer der Hauptansprüche des Chefcoachs an sein Profis.
Favre hat schon vor der vergangenen Saison das Bild des deutschen Hauptstadt-Clubs stark verändert, 15 Spieler kamen zu Hertha, ebenso viele gingen. In der Saison-Vorbereitung präsentierte der Coach erneut zehn neue Gesichter - und die Zuckerhut-Fraktion ist groß wie nie. Hertha hat sich ein engmaschiges Beobachter-Netz in Brasilien aufgebaut. «Der Markt dort ist sehr interessant. In Brasilien sind noch viele hochklassige Spieler zu einigermaßen vernünftigen Konditionen zu bekommen», zeichnete Lizenzspieler-Chef Michael Preetz eine wichtige Komponente für Herthas Brasilien-Freundlichkeit auf.
Mit Alex Alves hat 2000 alles angefangen. Von Marcelinho über Nene bis Luizao und Gilberto - die Liste der Ballzauberer in Diensten der Berliner ist lang. Glücklich und erfolgreich waren bei weitem nicht alle. Alves, mit 7,6 Millionen Euro noch immer der Rekord-Einkauf, erwies sich vor allem von der Persönlichkeit her als Pflegefall. Auch an Marcelinhos Extravaganzen außerhalb des Platzes verzweifelte vor allem Manager Dieter Hoeneß ein ums andere Mal. Und zuletzt erfüllte der für 3,5 Millionen Euro geholte André Lima nicht die sportlichen Erwartungen und wurde im Sommer an den FC Sao Paulo ausgeliehen.
Dennoch setzt Hertha auf eine große Brasilien-Fraktion: Kaka, Rodnei und Cicero wurden für insgesamt knapp drei Millionen Euro geholt; Favres Lieblingsspieler Raffael war schon Anfang 2008 vom FC Zürich gekommen. Lucio kuriert eine schwere Knieverletzung aus. In Gilberto und Mineiro mussten zuletzt zwei ältere Brasilien-Profis gehen, die noch immer zum Kreis der «Selecao» zählen. Schon zwölf brasilianische Profis haben seit 2000 den Weg nach Berlin gefunden. «Viele Brasilianer, die bei Hertha spielten, haben in meiner Heimat noch einen großen Namen», berichtete der neue Abwehrmann Kaka.
Dass der 27-Jährige mit viel Selbstvertrauen ausgestattet ist, bewies er bei der Nachfrage nach seinem prominenten Namensvetter, der beim AC Mailand unter Vertrag ist. «Kaka ist einer der größten Fußballer der Welt», sagte Herthas Kaka. Aber falls er ihm erstmals auf dem Feld gegenüberstehen sollte, wolle er auch seine Klasse beweisen, ergänzte «Kaka II». Mit den Brasilianern will Hertha auch den Erfolgshunger ins Team holen. So verkündete Kaka: «Der UEFA-Cup ist schön. Aber noch schöner wäre die Champions League.»


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Kommentare 1 - 1 of 1
Habe ich richtig gelesen? Ballzauberer Luizao und Nene? Wow. Eine Meisterleisung des deutschen Sportjournalismus! Weiter so dpa..
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