DEL - Busch: Erst Buhmann, dann Meistermacher

Eurosport - Mo 21.Apr. 19:47:00 2008

Vom Buhmann in Rekordzeit zum Meistermacher - Florian Busch hat alle Höhen und Tiefen eines Sportlers in nur einer Woche erlebt. Am vergangenen Dienstag sorgte Buschs verweigerte Dopingprobe vom 6. März und das milde Geldstrafen-Urteil des Deutschen Eishockey- Bund (DEB) für Aufregung.

ICE HOCKEY 2006-2007 German Ice Hockey League Eisbären Berlin Busch - 0

Am Sonntag schoss der 23 Jahre alte Stürmer der Eisbären Berlin seinen Club bei den Kölner Haien zum dritten Meistertitel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nach 2005 und 2006. Die Affäre ist damit möglicherweise jedoch noch nicht beendet: Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) wird den Fall nun der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) melden. Der DEB fürchtet aber keine Konsequenzen für Spieler und Verein.

Der Nationalspieler war nach seinem zweiten Titelgewinn mit den Eisbären nur glücklich. "Das waren unglaubliche Tage. Das hat mich sehr geprägt", sagte Busch nach seinem Tor zum 2:1 in der achten Minute der Verlängerung, das die Eisbären in ihrer erfolgreichsten Saison der Clubgeschichte nach dem Pokalsieg auch zum Meister machte.

"Ich habe ihm das sehr gegönnt, er hat es sich verdient und wird noch viele wichtige Tore für uns machen", sagte Detlef Kornett. Der Europa-Chef der Anschutz-Gruppe als Betreiber der Eisbären zog jedoch auch Konsequenzen aus dem Fall. "Wir und der DEB müssen in Sachen Disziplin noch mehr tun, damit junge Spieler auf diese Situationen besser vorbereitet werden." Da der DEB von einer Sperre absah, wurde Busch durch seinen Siegtreffer zum mit sechs Toren erfolgreichsten Berliner Stürmer in den Playoffs. "Er ist ein großartiger Spieler", sagte Eisbären-Coach Don Jackson über den 23-Jährigen.

"Will nichts mehr davon hören"

Bundestrainer Uwe Krupp äußerte sich wesentlich zurückhaltender, auch wenn er die Qualitäten von Busch lobte. "Florian Busch hat sich unklug verhalten. Seine Aufgewühltheit ist selbst verschuldet", sagte Krupp vor dem WM-Testspiel gegen Weißrussland in Dresden. Krupp will den Angreifer mit zur WM nehmen, fürchtet aber noch Ungemach durch die NADA, die den Fall nun an die WADA weiterleiten will. "Wir wollen einfach nicht mehr warten", sagte NADA-Sprecherin Ulrike Spitz. Obwohl die NADA das DEB-Urteil in der vergangenen Woche angefordert habe, sei es bislang noch nicht zugestellt worden.

Dass die WADA den Fall vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne bringen könnte, bereitet dem DEB keine Sorgen. "Für den Fall, dass es soweit kommt, rechne ich damit, dass unsere Entscheidung bestätigt wird", sagte der DEB-Präsident Hans-Ulrich Esken. Konsequenzen für die Eisbären schloss Esken ohnehin aus: "Wir hätten Busch sowieso nur für die Nationalmannschaft sperren können." Doch auch der Weltverband IIHF hat das Urteil bereits akzeptiert.

Thomas Eichin, Geschäftsführer der Kölner Haie, hat seine Kritik am DEB im Fall Busch bekräftigt. "Die haben das Thema völlig unterschätzt und gedacht, es regelt sich irgendwie. Es war sehr naiv gedacht. Man musste kein Prophet sein, um zu wissen, dass es mit einer Geldstrafe für den Spieler nicht erledigt ist", sagte der 41-Jährige dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Für Eichin ist der Fall noch nicht ausgestanden: "Die NADA wird sich wehren. Deren Kernpunkt sind nun mal unangemeldete Doping-Kontrollen.

Wowereit empfängt Eisbären

Busch selbst wollte nach seiner zweiten Meisterschaft mit den Eisbären seinen Fall nicht weiter kommentieren. "Ich hab das hinter mir und will nichts mehr davon hören", sagte er, als seine Mitspieler schon zu lauter Rockmusik und reichlich Kölsch in den Katakomben der Kölnarena den Partymarathon einleiteten. "Das hat sich jeder verdient", sagte Jackson, der vor der Saison von den DEG Metro Stars gekommen war und als erster Coach der Berliner in seiner Premieren- Spielzeit auf Anhieb Meister wurde.

Nach einem bierseligen Rückflug in die Hauptstadt wurde das Team am Flughafen Tegel von 500 Fans empfangen. An der fünf Jahrzehnte alten, maroden Eisbären-Heimstätte "Wellblechpalast" ging die Feier mit über 1.000 Anhängern bis in die Morgenstunden weiter. Am Donnerstag wird das Team vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit empfangen, dann mit einem Autokorso und einer Party am "Wellblechpalast" gefeiert.

"Nächstes Jahr wieder Meister"

Zur neuen Spielzeit zieht der Meister in die neue, 14.200 Zuschauer fassende "O2"-World um. Kornett verspricht sich vom Umzug endlich ein lohnendes Geschäft. "Wir haben in jeder Saison immer was beigeben müssen", bekannte er. Für eine schwarze Null ist ein Schnitt von 10.000 Fans nötig. Damit aus der Null ein wirtschaftlicher Erfolg wird, sollen die Eisbären nun in Europa angreifen. Durch die Meisterschaft sind sie für die neue Champions League qualifiziert, was bereits 300.000 Euro in die Kassen spült.

Während die Eisbären noch auf dem Eis tanzten, blieb den Haien nur Frust. "Wenn der Meisterpokal so an einem vorbei getragen wird, ist das schon deprimierend", sagte Eichin, der weiter auf den neunten Titel warten muss. "Nächstes Jahr werden wir nach 1995 und 2002 wieder Meister, denn die Haie holen alle sieben Jahre den Titel", prophezeite Haie-Gesellschafter Heinz- Hermann Göttsch.

dpa / Eurosport