Eurosport - Di 22.Apr. 00:17:00 2008
Gut eine Woche nach seiner Entlassung als Trainer von Schalke 04 hat Mirko Slomka mit seinem Ex-Klub abgerechnet. Der 40-Jährige zeigte sich enttäuscht von den Aussagen des Schalke-Präsidenten Schnusenberg und seines Kapitäns Marcelo Bordon.
Der Brasilianer hatte seinen Ex-Coach nach dem Cottbus-Spiel unverhohlen kritisiert und meinte, die Mannschaft hätte ohne Slomka "endlich richtig Fußball spielen" dürfen. "Die Spieler müssen jetzt einerseits natürlich die Linie des Vereins stützen. Aber von Marcelo, den ich zum Kapitän gemacht habe, hätte ich mir mehr Respekt und Anstand erwartet", sagte Slomka in einem "kicker"-Interview.
Champions League weiter möglich
Über seine Entlassung sei er ebenso überrascht gewesen wie Teile der Öffentlichkeit. Der Fußball-Lehrer betonte jedoch, dass der Rauswurf nichts an seinem freundschaftlichen Verhältnis zu Manager Andreas Müller und Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies ändern wird. "Unserer Freundschaft wird die Trennung nichts anhaben. Vielleicht war ja das genaue Vorgehen bis zuletzt nicht ganz klar. Sonst hätte Andi die Sache sicher stilvoller abgewickelt", erklärte Slomka, der über den Ablauf seines letzten Arbeitstages auf Schalke enttäuscht war. "Man hätte mich beurlauben können, ohne mich vorher noch auf den Trainingsplatz zu schicken und in der Kabine schon über Cottbus reden zu lassen", kritisierte der 40-Jährige das Vorgehen der Klub-Verantwortlichen.
Seinem alten Klub traut er weiterhin die Qualifikation für die Champions League zu. "Ich hatte keine Zweifel, dass man es mit mir geschafft hätte. Und ich gehe auch jetzt noch davon aus. Trotz des Risikos, kurz vor Ende zwei Trainer einzusetzen, die das Team nicht ganz genau kennen." Obwohl es Slomkas Ansicht nach also Informationslücken beim Interims-Duo Büskens/Mulder gibt, hätten sich die beiden "zumindest bisher nicht" bei ihm gemeldet.
Enttäuschung über Schnusenberg-Aussage
Enttäuscht war der Coach, der Schalke erstmals ins Viertelfinale der Champions League führte, über die Aussage von S04-Präsident Josef Schnusenberg, unter ihm hätte sich kein einziger Spieler verbessert. "Das war das schlimmste Zitat dieser Tage", gab Slomka zu. "Westermann wurde Nationalspieler. Jones haben wir mit Bedacht aufgebaut, auch er zählt zum Kreis der Nationalelf. Kuranyi haben wir nach einer für ihn chaotischen Saison nach vorne gebracht, von eigenen Talenten wie Neuer und Pander ganz zu schweigen", rückte Slomka seine Leistung ins rechte Licht.
Der einzige Kritikpunkt, den er sich gefallen lassen müsse, sei die verpasste Meisterschaft 2007. "Wäre das gelungen, hätte man mir wohl eine Bronzestatue vors Stadion gebaut. So sitze ich zuhause." Besonders für die Fans wäre dieser Erfolg wichtig gewesen. "Ich verstehe, welche Bedeutung die Meisterschaft für Schalke hat. Über Platz zwei oder drei freut man sich, aber man feiert das doch nicht."
Kein Kontakt zum HSV
Am liebsten würde der 40-Jährige so schnell wie möglich wieder auf die Trainer-Bank zurückkehren - am liebsten zu einem Verein mit Champions-League-Ambitionen. "Ich habe an der Champions League geschnuppert. Der nächste Verein sollte dieselben Ambitionen haben oder die Möglichkeit, in diese Richtung zu gehen. Ich will eigentlich nicht lange warten, denn ich stecke voller Erfahrungen und Ideen", so Slomka, der jedoch einschränkte: "Alle Klubs haben schon sehr gute Trainer."
Mit dem HSV, der derzeit auf der Suche nach einem Ersatz für den scheidenden Huub Stevens ist, habe er keinen Kontakt. Allerdings hätten schon "mehr als zwei" Klubs bei ihm angefragt. Auch ein Wechsel zu Borussia Dortmund ist für Slomka kein Thema. "Dortmund, das ginge zum jetzigen Zeitpunkt emotional nicht", schloss er ein Engagement beim Schalker Erzrivalen aus.
Fabian Kunze / Eurosport