Eurosport - Fr 21.Mrz. 16:31:00 2008
Neue Erkenntnisse im Doping-Skandal um Telekom und dessen Nachfolge-Team T-Mobile: Laut der Doping-Untersuchungskommission der Uni-Klinik Freiburg sollen deren Profis jahrelang gedopt haben. Während der Tour de France 2006 sollen neben Patrik Sinkewitz zwei weitere Fahrer Doping praktiziert haben.
"Angesichts der bislang vorliegenden Informationen erscheint es der Kommission schlüssig, dass von 1993 bis 2006 Fahrer des 'Team Telekom' bzw. das 'T-Mobile Team' von Ärzten der Abteilung Sportmedizin gedopt worden sind", heißt es in einem Zwischenbericht der Untersuchungskommission. "Auch wenn bislang keine Aussagen von Radrennfahrern für den Zeitraum 2001 bis 2005 vorliegen, hält es die Kommission für wahrscheinlich, dass auch in dieser Zeit gedopt wurde." Dafür sprächen die zusätzliche Vergütung von Ärzten durch die Rennställe, sowie die Anfang Dezember 2007 aufgedeckten Datenmanipulationen durch Anlage "fiktiver Patienten".
Nicht nur der geständige Patrik Sinkewitz soll während der Tour de France 2006 in der Uni-Klinik Freiburg mit Blutdoping behandelt worden sein. "Das Ergebnis bislang ist, dass es noch zwei weitere Fahrer waren", teilte der Kommissionsvorsitzende Hans Joachim Schäfer mit.
Medikamentenlieferung an Klödens Freundin
Zu dem aktuellen Astana-Fahrer Andreas Klöden teilte Schäfer mit: "Im Jahre 2000 hat es eine Medikamentenlieferung an die Freundin von Andreas Klöden gegeben - eilig, über Nacht. Die Frachtkosten wurden gebucht über das Konto 'Dopingfreier Sport'."
Veröffentlicht wurde auch, dass Erik Zabel im Jahr 1996 während der Tour de Suisse eine dreiwöchige EPO-Kur begonnen habe. Vor einem Jahr hatte Zabel gestanden, "kurz vor der Tour de France 1996" EPO benutzt zu haben. Die nunmehrigen Erkenntnisse ergäben laut Schäfer aber keinen Widerspruch mit Zabels Aussagen bei seinem Doping-Geständnis. "Das deckt sich absolut", so Schäfer.
Zwei weitere Ärzte beschuldigt
Indes wurden die Namen zwei weiterer Mediziner genannt, die in die Doping-Praktiken an der Universitätsklinik Freiburg verwickelt gewesen sein sollen. Wie es heißt, sollen die beiden ehemaligen T-Mobile-Teamärzte Andreas Blum und Stefan Vogt Zahlungen im Zusammenhang mit unerlaubten Doping-Praktiken erhalten haben. "Das waren namhafte Beträge", sagte Schäfer.
Blum war bis Dezember 2006 an der Uni-Klinik beschäftigt. "Das Arbeitsverhältnis mit Dr. Vogt wurde nach Bekanntwerden solcher Zahlungen sofort fristlos gekündigt", heißt es im Zwischenbericht. Die beiden Mediziner bestreiten die Vorwürfe.
Bereits im Mai 2007 hatten die früheren T-Mobile-Teamärzte Andreas Schmid und Lothar Heinrich gestanden, sich aktiv am Doping beteiligt zu haben. Neben den vier genannten Freiburger Uni-Medizinern gebe es für die Verwicklung weiterer Ärzte keine Erkenntnisse.
Die externe Doping-Untersuchungskommission der Uni-Klinik Freiburg wurde nach Heinrichs Geständnis Ende Mai 2007 eingerichtet. Sie soll die Verwicklung von Ärzten der Klinik in die Doping-Skandale im Radsport klären.
Birgit Riezinger / Eurosport