Bundesliga - Calmund - "Rehhagel brennt wie eine Fackel"

Di 21.Feb. 10:10:00 2012

Obwohl er es nicht gerne zugibt: Manager-Legende Reiner Calmund war maßgeblich an der Verpflichtung von Otto Rehhagel beteiligt. Im gemeinsamen Gespräch mit Hertha-Manager Michael Preetz gab "Calli" den entscheidenden Tipp und brachte den 73 Jahre alten Rehhagel wieder in Lohn und Brot.

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Das Interview führte Dirk Adam

Wie kam's zu der Empfehlung von Trainer Otto Rehhagel für Hertha BSC?

Reiner Calmund: Ich war nicht entscheidend beteiligt. Es ist natürlich richtig, wenn man einen neuen Trainer sucht, dass man ein gewisses Netzwerk braucht. Ich habe am vergangenen Montag sowohl mit Manager Michael Preetz als auch mit dem Berliner Vorstand gesprochen. Da gab's die Frage: Was würdest Du in unserer Situation machen?

Was haben Sie geantwortet?

Calmund: Ich habe lediglich gesagt, dass ich für junge Trainer bin, aber nicht jetzt. Das ist zu risikovoll. Die Mannschaft hat in ihren Heimspielen in den letzten Monaten nur zwei mickrige Pünktchen geholt, weil es bei vielen Spielern im Kopf nicht stimmt. Da ist natürlich ein erfahrener, alter Fuchs gefragt.

Wie muss man sich einen Trainer-Fuchs vorstellen?

Calmund: Es gibt zwei Gruppierungen von erfahrenen Trainern. Wie Guus Hiddink, den man nicht verpflichten kann, weil er zu teuer ist und nicht nach Berlin wechseln würde, weil Hertha nicht zur "Crème de la Crème" im Fußball gehört. Aber für zweieinhalb Monate - so lange geht die Saison noch - wäre so etwas vielleicht machbar. Oder Otto Rehhagel, mit dem ich in den letzten Wochen zwei Mal zusammengesessen und Fußball geschaut habe.

Hatte Rehhagel Ihnen gegenüber bekundet, dass er ins Trainergeschäft zurückkehren will?

Calmund: Otto brennt noch wie eine Fackel, der ist jung wie ein 60-Jähriger oder noch jünger. Er ist aktiv, schaut sich alle Spiele an und ist im Grunde noch mit jedem Macher in Kontakt. Er weiß genau, was in der Bundesliga läuft. Ich habe zu Michael Preetz gesagt, schaut Euch den Rehhagel an. Der ist zwar älter, aber immer noch aktiv. Er wird das schaffen, diese letzten zwölf Spiele.

Was zeichnet den 73 Jahre alten Rehhagel aus?

Calmund: Otto ist immer noch eine Autorität und eine Persönlichkeit, der trotz aller Strenge auch ein väterlicher Freund sein kann. Das ist besonders wichtig für Berlin, denn alle im Verein müssen an einem Strang ziehen. Und wenn der Otto jetzt anfängt, können Sie sicher sein, dass sich nicht ein Spieler aus der Bahn bewegt. Das kann man nur mit einer großen Autorität erzielen. Diese Aufgabe kann ein junger - wenn auch noch so guter Trainer - nicht lösen.

Hinzu kommt die unglaublich große Erfahrung...

Calmund: Richtig! Wenn das Schiff in Seenot ist, dann muss man einen erfahrenen Kapitän an Bord lassen. Das ist einfach so. Und Hertha hat nun eine Mischung mit einem alten Hasen wie Rehhagel und zwei jungen Trainern an seiner Seite mit Fachkompetenz, Leidenschaft und der nötigen Identifikation mit Berlin. Ich denke, dass das eine günstige Situation ist, um ein bisschen Druck von der Mannschaft zu nehmen.

Wie hat Michael Preetz reagiert, als Sie den Namen von Rehhagel in den Ring geworfen haben?

Calmund: Der fand das auch in Ordnung. Man kann ja die Faktenlage nicht umgehen, dass man einen erfahrenen Mann braucht. Und Rehhagel ist ein Trainer, der Berlin nicht nur mal schnell am Wochenende besucht und sagt, das ist eine schöne Stadt. Für ihn ist eine große Chance, den Verein in der Liga zu halten. Luis Aragonés ist mit Spanien 2008 Europameister geworden. Da war er 70 Jahre alt. Und er hat es gepackt, die Querelen zwischen Barcelona und Real aus der Welt zu schaffen. Er hat alle Spieler auf Kurs gebracht. Ansonsten fallen mir noch Trainer wie Sir Alex Ferguson oder Giovanni Trapattoni ein, die im Alter erfolgreich sind. Oder in Deutschland Udo Lattek, Hans Meyer und als "Benjamin" der alten Säcke - Jupp Heynckes.

Bringt Otto Rehhagel die Mannschaft von Hertha wieder auf Kurs?

Calmund: Ich denke schon, denn seine Verpflichtung war ein kluger Schachzug. Man muss aber sagen - wie Rehhagel bei seiner Präsentation auf der Pressekonferenz bereits mitgeteilt hat - dass er selbst nicht spielt. Da sind vor allem die Profis gefordert, denn die aktuellen Misserfolge liegen nicht nur an den Trainern. Die Mannschaft kann sich nur mit Teamgeist, mit Biss und dem nötigen Quäntchen Glück aus dem Sumpf ziehen.

Hat sich Manager Preetz mit der Entscheidung für Rehhagel selbst aus der Schusslinie gebracht?

Calmund: Na gut, da wird sich natürlich alles auf Otto Rehhagel konzentrieren, denn er gibt als neuer Trainer in Berlin den Ton an. Und das ist auch richtig so. Michael Preetz hat genügend andere Aufgaben, was die Transferpolitik und viele andere Aufgaben angeht - das Ganze als Partner von Otto zu begleiten. Er wird sicherlich nach wie vor genügend Arbeit haben, aber Rehhagel ist jetzt nun mal der Boss im Laden. Und Otto ist es auch, der sagt, ob es links oder rechts herum geht.

Obwohl er es nicht gerne zugibt: Manager-Legende Reiner Calmund war maßgeblich an der Verpflichtung von Otto Rehhagel beteiligt. - 2 Gibt's bereits Überlegungen, wer den Verein im Sommer übernehmen kann?

Calmund: Natürlich gibt es da Überlegungen, aber ich will da nicht vorgreifen. Das ist nicht mein Thema. Das muss der Michael Preetz entscheiden, den ich natürlich seit vielen Jahren kenne, und der ab und zu einen Tipp von mir bekommt. Das habe ich früher auch so gemacht, wenn ich unter Druck war und nicht wusste, was ich am besten machen sollte. Dann ist es immer klug, wenn man sich mit dem einen oder anderen unterhält.

Kann man sagen, dass Sie ein Herz für angeschlagene Vereine haben?

Calmund: (lacht...) Nein, nein. Ich bin ein großer Berlin-Fan. Ich habe immer einen Koffer in der Hauptstadt und fahre so oft wie es geht nach Berlin - nicht nur zum Pokalfinale. Es ist schön, wenn die Stadt mit dieser Begeisterung und diesen Fans in der Bundesliga bleiben würde.

Wäre Ralf Rangnick ein Kandidat, der den Ansprüchen genügt?

Calmund: Ralf Rangnick ist für jeden Verein eine Überlegung wert. Er ist ein erfahrener Trainer, der nach seiner Auszeit wieder voll im Saft steht. Da werden sich viele Leute in den Vereinen ihre Gedanken machen, die Probleme haben. Das wäre natürlich auch eine Überlegung für Hertha, aber zunächst muss man sich mal retten. Das ist das Allerwichtigste.

Bleibt die "Alte Dame" in der Bundesliga?

Calmund: Ich hoffe es, obwohl es eine schwierige Nummer wird - auch wenn man das Trainertrio Klopp, Mourinho und Guardiola verpflichten würde. Aber ich drücke die Daumen und auch meine dicken Zehen, dass es klappt.

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