Welsh Open - Ein Nervenstarker und ein Überflieger

Eurosport - Sa 21.Feb. 09:26:00 2009

Ein nervenstarker Joe Swail und Überflieger Ali Carter stehen im Halbfinale der Welsh Open in Newport. Swail rang in einem Thriller Stephen Maguire mit 5:4 nieder. Carter hatte Shaun Murphy beim 5:2 sicher im Griff. Überdies warf Titelverteidiger Anthony Hamilton mit 5:3 Mark Selby aus dem Rennen.

SNOOKER ali allister carter - 0

Carter steht damit bereits zum vierten Mal in dieser Saison in einem Halbfinale, hat es bisher aber noch nicht in ein Endspiel geschafft.

Was sich Joe Swail und Stephen Maguire geliefert haben, war an Spannung kaum zu überbieten. Hohe Breaks blieben zwar Mangelware, aber die hochklassigen Snooker der beiden waren fesselnd. Joe Swail war mit 2:0 und 4:2 in Führung gegangen. Dabei hatte Swail sogar Pech, dass er Frame fünf abgab. Beim Lochen von Pink fiel ihm nämlich auch der Spielball. Ball in Hand nutzte Maguire, um pink lang zu lochen und so den Frame zu gewinnen. Zudem zerrte sich Swail in Frame sechs den rechten Spielarm und wurde in der Folgezeit sichtlich durch Schmerzen gehandicapt.

Thriller geht an Swail

Doch Stephen Maguire schien wie in der Runde zuvor gegen Ding Junhui das 2:4 noch drehen zu können. Mit mehreren kleinen Breaks schloss er zum 3:4 auf. Doch in Frame acht stand Swail kurz vor dem Sieg, als er bei 18 Punkten auf dem Tisch schon mit 61:38 führte. Doch das Safety-Duell stand für Swail unter keinem guten Stern: Auf blau trieb Maguire ihn in ein Foul und lochte anschließend auch die letzten drei Bälle zum 61:61 - schwarz kam also zurück auf den Tisch. Swail hatte Anstoß, aber er legte schwarz nicht press an die Seitenbande. Maguire nutzte dies, lochte den Ball als Double und hatte damit wieder einen Entscheidungsframe erzwungen.

Im neunten Durchgang steigerten die beiden das Drama noch. Wieder ging Joe Swail in Führung, wieder kam Stephen Maguire zurück. Erneut fiel die Entscheidung in einem Safety-Duell auf die Farben. Blau lag beim Spiel auf braun direkt vor der gelben Tasche, so dass beide bemüht waren, braun dort sicher abzulegen. Nach einer Reihe von brillanten Safeties und nicht minder brillanten Antworten darauf passierte dann Maguire das Malheur: Er lochte blau. Swail bekam nicht nur die fünf Foulpunkte, sondern konnte auch braun bis pink lochen und stand nach fast vier Stunden reiner Spielzeit zum zehnten Mal in seiner Karriere in einem Halbfinale.

Carter macht kurzen Prozess

Die Begegnung zwischen Ali Carter und Shaun Murphy war das komplette Gegenteil. Schnelle Frames und Breaks kennzeichneten das Duell. Shaun Murphy hatte sich hauptsächlich dank eines 47er-Breaks den ersten Frame geholt, doch danach war Ali Carter nicht mehr zu stoppen: Mit Serien von 74, 73 und 62 Punkten stürmte er bis zur Pause auf 3:1 davon. Ein paar kleinere Breaks brachten ihm dann nach Wiederbeginn das 4:1.

In Frame sechs schien Ali Carter schon fast im Halbfinale zu stehen, als er ein Break von 56 Punkten vorlegte. Doch Shaun Murphy konterte mit einer 62er-Clearance und rettete sich damit in einen weiteren Frame. Da startete Carter mit einer 32, ehe er mit dem Hilfsqueue verschoss. Murphy antwortete mit einer 40, ehe er verschoss; bei seiner nächsten Chance setzte Murphy schon nach vier Punkten rot mit dem Hilfsqueue neben die Tasche. Carter nutzte die Gelegenheit zu 38 weiteren Punkten; mit 70:44 führte der Captain bei nur noch 18 Punkten auf dem Tisch. Murphy kam nicht in den Snooker und mit einem krachenden, langen blauen Ball machte Carter nach nur 1:45 Stunden alles klar.

Hamilton wirft den Titelverteidiger raus

Das Match zwischen Mark Selby und Anthony Hamilton war von ähnlicher Dramatik wie die Begegnung zwischen Swail und Maguire. Und auch hier setzte sich der Außenseiter durch: Anthony Hamilton warf den Titelverteidiger mit 5:3 aus dem Rennen und trifft nun auf Ali Carter. Bis es soweit war vergingen aber weit über vier Stunden reiner Spielzeit.

Die ersten vier Frames hatten sich die beiden geteilt. Die ersten beiden Durchgänge holte sich Anthony Hamilton mit Breaks von 53 und 72 Punkten, doch Mark Selby glich bis zur Pause dank Breaks von 59 und 54 Zählern aus. Neben diesen Breaks gab es aber auch in dieser Phase schon lange Phasen, in denen beide mit großartigem taktischen Spiel brillierten.

Ein Durchgang - eine Stunde, zehn Minuten

Nach der Pause stieg die Spannung immer weiter an. Auch die nächsten beiden Frames teilten sich die beiden. Der siebte Durchgang dann aber setzte allem die Krone auf: 1:10 Stunden dauerte es, bis sich Anthony Hamilton mit 4:3 die Führung zurückerobert hatte. Über lange Strecken wurde kein einziger Ball gelocht - aber nicht, weil beide die Taschen nicht trafen, sondern weil beide so perfekte und hochklassige Safeties spielten, dass ans Lochen gar nicht zu denken war. Beide boten hier eine atemberaubende Leistung.

Im achten Frame wollte Anthony Hamilton dann bei seiner ersten Chance die Entscheidung herbeiführen und öffnete die roten. Doch er verstellte sich und Mark Selby bekam die Chance zum Comeback. Nach einer schweren gelben im Endspiel und einer schweren grünen verstellte er sich aber endgültig auf braun und setzte den Ball knapp neben die Tasche. Erleichtert lochte Hamilton braun und blau, ehe Mark Selby Frame und Match aufgab.

Rolf Kalb / Eurosport

Kommentare 1 - 4 of 4

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  1. Im Artikel steht, das Antony Hamilton Titelverteidiger­ ist. Oben fettgedruckt steht "Überdies warf­ Titelverteidiger Anthony Hamilton mit 5:3 Mark Selby­ aus dem Rennen." Vielleicht sollte das umgeändert­ werden.

    Von mobbydick123, am So 22.Feb. 1:04
  2. Habe selten so ein spannendes und hochklassiges Match­ gesehen.Über eine so lange Zeit die Safetys so gut zu­ spielen das keiner die Möglichkeit hat zu lochen ist­ gigantisch.

    Von Schlawiner, am Sa 21.Feb. 20:02
  3. Ich fine, der Sieg von Hamilton (der bei diesem Turnier­ vielleicht so gut spielt wie noch nie?) ist­ hochverdient und spiegelt den Verlauf der Begegnung.­ Mark Selby zeigte keine schlechte Leistung, aber er­ spielte auch nicht so zwingend, wie man es von ihm­ kennt, weder was die Safeties noch was das Lochen­ anging. Die hohen Breaks kamen einfach nicht. Außerdem­ musste er ständig einem Rückstand hinterherlaufen, was­ für ihn zwar keine unbekannte Situation darstellt, aber­ es kostete ihn, wie ich meine, doch Kraft. Und trotz­ der für ein Best of 9 gewaltigen Match-Dauer hatte ich­ - außer vielleicht beim Ausgleich zum 3:3 - niemals das­ Gefühl, dass Mark bei sich und seiner Normalfom­ angekommen wäre.
    Vor allem aber fand Hamilton immer die­ richtigen Mittel. Ich glaube, das Geschick, mit dem er­ auf die Snooker von Selby reagierte, trug maßgeblich zu­ seinem Sieg bei. Zudem zeigte er nicht eine Spur von­ Nervosität; es schien ihm überhaupt nichts auszumachen,­ gegen den Titelverteidiger zu spielen! Selbst als er im­ siebten Frame nach mehreren Fouls sichtlich genervt­ war, hatte er sich schnell wieder im Griff. Und Marks­ wiederholte Weigerung, einen Frame trotz 9, 10 oder gar­ 11 Punkten Rückstand aufzugeben, strapazierte nur die­ Nerven der Zuschauer (oder zumindest meine) - Anthony­ ließ sich davon kein bisschen aus der Ruhe bringen.

    Von Laura, am Sa 21.Feb. 19:55
  4. Das Match Selby vs Hamilton war einfach der Hammer.­ Nicht nur Spannung sondern zuweilen auch Kurioses hielt­ einen wie festgenagelt vor dem TV. Trotz der­ unglaublichen Länge einzelner Frames kam irgendwie nie­ Langeweile auf. Es war ein rundum gelungener­ Snookerabend.

    Von Ronnia, am Sa 21.Feb. 17:55
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