Afrika-Cup - Rohr: "Große Stars mit zu großen Egos"

Do 19.Jan. 22:08:00 2012

Gernot Rohr ist seit Februar 2012 Nationaltrainer Gabuns. Im Interview mit Eurosport spricht der 58-Jährige über die Erwartungen an den Co-Gastgeber des Afrika-Cups, das deutsche Ansehen im Ausland und was sich ändern muss, damit der nächste Weltmeister aus Afrika kommt.

Gernot Rohr exklusiv 2012 - 0

Das Interview führte Andreas Jörger

Was hat Sie an der Aufgabe als Gabuns Nationaltrainer gereizt?

Rohr: Die Herausforderung war es, ein Team aus jungen und unbekannten Spielern aufzubauen. Da wir als Co-Gastgeber bereits qualifiziert waren, konnte ich in ruhiger Atmosphäre arbeiten und hatte fast zwei Jahre Zeit für diesen Neuaufbau. Wir haben uns gut vorbereitet und werden dafür hoffentlich mit einem guten Resultat in den nächsten Wochen belohnt.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie in der Vorbereitung zu kämpfen?

Rohr: Die Infrastruktur war größtenteils noch nicht fertiggestellt. Wir haben nur einmal in Gabun gespielt und sind sonst nach Frankreich und in andere Länder ausgewichen. Obwohl es nicht immer leicht war, hatte es einen tollen Effekt: Es war gut für den Teamgeist. Diese schwierige Vorbereitung hat Trainer und Spieler einander näher gebracht.

Mit welchem Ziel fahren Sie zum Afrika-Cup?

Rohr: Wir müssen ein Beispiel für Fair Play sein. Dafür ist es wichtig, wie sich die Spieler verhalten und der Öffentlichkeit präsentieren. Von der sportlichen Seite müssen wir die Gruppenphase überstehen und ins Viertelfinale einziehen. Dann trennt uns nur noch ein Sieg vom Halbfinale, das wäre das beste Ergebnis Gabuns in der Geschichte des Afrika-Cups und für uns eine historische Leistung.

Neben Titelverteidiger Ägypten sind auch große Namen wie Nigeria und Südafrika nicht qualifiziert. Macht es dieser Umstand leichter, Ihr Ziel zu erreichen?

Rohr: Ich denke eher schwerer. Denn wir treffen auf die Mannschaften, die diese sogenannten "großen Teams" geschlagen haben. Der afrikanische Fußball hat sich weiter entwickelt, es wurde viel in die Nachwuchsarbeit investiert. Diese Früchte werden jetzt geerntet. Burkina Faso, Botswana und der Niger fallen mir da spontan ein. Sie haben auf diesem Gebiet großartige Arbeit geleistet. Zumal immer noch große Namen vertreten sind wie beispielsweise die Elfenbeinküste oder Ghana. Doch beim Afrika-Cup gab es immer wieder Überraschungen. Ich hoffe, wir können eine davon sein.

Der afrikanische Fußball hat viele große Spieler hervorgebracht, die aber selten als Team funktionieren. Woran liegt das?

Rohr: Die großen afrikanischen Stars haben oftmals zu große Egos. Sie sind nicht in der Lage, ihren Platz innerhalb eines Teams zu finden und sich einzuordnen. Schauen Sie sich nur die Ergebnisse der Qualifikation an: Die Mannschaften ohne Stars haben Mannschaften mit den großen Stars geschlagen. Das ist der neueste Trend.

Was muss sich ändern, damit ein Weltmeister aus Afrika kommt?

Rohr: Die Trainer müssen sich mehr auf die Qualität des Teams als Ganzes konzentrieren, als auf die Klasse einzelner Spieler. Das wurde über einen langen Zeitraum vergessen. Für den Sieg in einem großen Wettbewerb reichen einige Stars heutzutage nicht mehr aus. Die Mannschaft muss als Einheit funktionieren, Egos integriert werden. Das ist oftmals auch ein psychologisches Problem.

Hat man darum Sie als Trainer geholt, weil Sie als Deutscher Disziplin verkörpern?

Rohr: Das ist natürlich das Ansehen, das wir Deutsche im Ausland haben (lacht). Wir stehen für Disziplin, Ordnung und Autorität. Gabun hat in erster Linie aber nach einem Trainer mit einer Philosophie gesucht, die sich auf die kollektive Stärke des Teams konzentriert. Dabei spielt Disziplin natürlich eine große Rolle. Ohne sie wird sich im afrikanischen Fußball nichts ändern.

Video: Yaya Touré fordert den Sieg

Eurogoals : Yaya Toure

TV-Tipp:

Die schönsten Tore, die heißesten Duelle sowie Einschätzungen von Trainern und Spielern. Eurosport berichtet immer montags ab 17:30 Uhr in EUROGOALS über die aktuellsten Entwicklungen im Europapokal und den europäischen Top-Ligen.

Eurosport

Bemerkung

Kommentarfunktion ist für diesen Artikel nicht verfügbar.