Eurosport - Mo 21.Jan. 08:32:00 2008
Philipp Kohlschreiber hat das Viertelfinale der Australian Open verpasst. Der Augsburger verlor in einer spannenden Partie mit 6:3, 6:7 (7:9), 6:7 (9:11), 3:6 gegen Jarkko Nieminen aus Finnland. Somit musste sich der letzte deutsche Starter vorzeitig aus dem Turniergeschen verabschieden.
"Ich versuche, so schnell wie möglich hier wegzukommen", sagte der 24-Jährige nach dem Aus. Der Zielort: "Irgendwo, wo mich keiner findet." Die Enttäuschung stand Kohlschreiber ins Gesicht geschrieben. "Seine Chancen nicht zu nutzen, ist manchmal tödlich", sagte der Weltranglisten-27., "ich habe ein Match aus der Hand gegeben, das ich hätte gewinnen müssen."
Kohlschreiber startete sehr unkonzentriert in das Match. Die Nummer 29 der Setzliste hatte sofort drei Breakbälle gegen sich, wehrte diese aber ab. Auch in der Folgezeit konnten beide Spieler nicht ihr ganzes Potenzial abrufen. Nutznießer war allerdings zunächst Kohlschreiber, der beim Stand von 4:3 ein Break schaffte und anschließend den Satz für sich entschied.
Im zweiten Durchgang sahen die Zuschauer in der Margaret Court Arena ein ausgeglichenes Match. Kohlschreiber erspielte sich unglaubliche acht Satzbälle, konnte aber keinen nutzen. Dagegen blieb der Finne bei seinem zweiten Satzball cool und entschied den hart umkämpften Tiebreak mit 9:7 für sich. Im dritten Durchgang ging es erneut in die Verlängerung, und wieder verpasste Kohlschreiber einige gute Gelegenheiten, den Satz zu seinen Gunsten zu beenden. Schließlich war es Nieminen, der die Nerven behielt und den Tiebreak mit 11:9 gewann.
Ein Breakfestival entwickelte sich dann im vierten Satz. Leider zu Ungunsten des Deutschen, der in dieser Phase dem Kraftakt gegen Andy Roddick Tribut zollen musste. "Kohli" wirkte nun ausgelaugt und ideenlos, auch seine gefürchtete Rückhand fand nur noch selten das Ziel. Diese Schwäche nutzte Nieminen eiskalt aus. Letztendlich verwandelte der 26. der Weltrangliste nach drei Stunden und 32 Minuten den vierten Matchball.
Halbleer im Match
"Ich hätte das Match gewinnen müssen. Ich hatte mir sehr viel vorgenommen und hab gekämpft, aber zu viele Fehler gemacht und zu viele Chancen ausgelassen. Schon von Beginn an lief es nicht, es war alles ein bisschen träge, irgendwie bin ich halbleer in dieses Match gegangen. Mir fehlte die Kraft.
Ich habe mich eigentlich besser gesehen als ihn, ich bin nach Breaks oft wieder zurückgekommen, obwohl meine Leistung nicht optimal war. Daher ist es schon bitter so zu verlieren. Aber es ist keine Katastrophe für mich, vielleicht war ich einfach doch noch nicht bereit für ein Grand-Slam-Viertelfinale. Es sollte wohl einfach nicht sein" , sagte ein erschöpfter Kohlschreiber nach dem Match. Auch Daviscup-Teamchef Patrik Kühnen zeigte sich enttäuscht, vor allem mit dem Gesamtabschneiden der deutschen Spielerinnen und Spieler. "Dass keiner mehr in der zweiten Woche dabei ist, ist schon etwas enttäuschend", sagte Kühnen. "Ich fand's bitter, dass Philipp seine Chancen nicht genutzt hat."
Armin Schlicht / Eurosport