Bundesliga - Machtkampf: Hoeneß demonstriert Stärke

Eurosport - Di 20.Nov. 15:44:00 2007

Bayern-Manager Uli Hoeneß hat in "Blickpunkt Sport" (BR) noch einmal klar unterstrichen, dass seine Verbal-Attacke bei der letzten Jahreshauptversammlung nicht den wahren FCB-Fans gegolten hat, sondern zwei Lagern, die sich nicht als Fanklubs organisiert haben und "die Macht übernehmen" wollen.

FOOTBALL 2007 FC Bayern Hoeneß II - 0

"Hierbei handelt es sich um die Gruppierungen Schickeria und Club Nr.12, welche die komplette Kontrolle in der Südkurve an sich reißen und darüber bestimmen wollen, wer die 5.000 Tickets bekommt", brüskierte sich Hoeneß.

Trotz mehrmaliger Gespräche mit beiden Lagern und der Erfüllung verschiedener Forderungen, meldeten sich die Fans dieser Verbindungen bei der Jahreshauptversammlung in München erneut zu Wort und kritisierten unter anderem die schlechte Stimmung und die teuren Logen im neuen Stadion des Rekordmeisters.

"Keine italienischen Verhältnisse"

Daraufhin platzte dem umtriebigen Manager komplett der Kragen. "Es kann nicht wahr sein, dass wir uns von diesen Leuten sagen lassen, wie wir unser Geld verdienen. Wir brauchen diese VIP-Logen, um die Allianz-Arena und die Mannschaft zu finanzieren. Das muss jedem klar sein", stellte der 55-Jährige klar.

Seine Verbal-Attacke richtete er nach eigenen Aussagen nicht gegen die 2.300 offiziellen Fan-Klubs des deutschen Rekordmeisters mit seinen über 165.000 Mitgliedern, sondern nur gegen gegen die von ihm genannten Lager. "Ich möchte noch einmal betonen, dass ich keinen von den Fan-Klubs gemeint habe", so Hoeneß, der lautstark forderte, keinen Keil zwischen die zahlungskräftigen Fans in der VIP-Loge und die "normalen" Anhänger auf der Tribüne zu treiben.

"Wenn wir uns das gefallen lassen, haben wir in wenigen Jahren italienische Verhältnisse in unseren Stadien. Davor möchte ich eindringlich warnen, denn einige Anhänger der Schickeria und von Club Nr.12 sind auch die Gruppierungen, die für Gewalt verantwortlich sind. So wie zuletzt bei den Auseinandersetzungen mit Nürnberger-Fans auf einer Autobahn-Raststätte und in Duisburg."

Gespräche zuerst mit Hitzfeld

Im Hinterkopf hat Hoeneß vor allem die chaotischen Verhältnisse im Land des Fußball-Weltmeisters, die in der letzten Woche in der Erschießung eines Lazio-Fans durch einen Polizisten gipfelten. Zudem dürften sich bei ihm die Nackenhaare aufstellen, wenn er daran denkt, welche Macht die italienischen Fans bei ihren Klubs mittlerweile besitzen.

So verhinderte vor einigen Jahren der Einspruch von "Irriducibili" (Lazio), einer der bedeutendsten italienischen Ultra-Gruppierungen mit größtenteils faschistisch orientierten Fans, die Verpflichtung des farbigen französischen Nationalspielers Lilian Thuram. "Ich habe schon vor langer Zeit mit einigen Managern in Italien gesprochen und sie gewarnt, dass sie ihre Macht aus den Händen geben", sagte Hoeneß, dem diese Vorstellung vollkommen zuwider ist.

Zur eigenen Zukunft seines Klubs angesprochen, äußerte er sich optimistisch. "Wir werden im Winter mit Trainer Ottmar Hitzfeld sprechen. Wenn er uns signalisiert, dass er weitermachen will, werden wir uns mit Sicherheit nicht nach einem anderen Coach umsehen." Außerdem glaubt Hoeneß persönlich nicht daran, dass Philipp Lahm zum FC Barcelona wechselt.

"Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass er hinter unserem Rücken verhandelt." Bei Lukas Podolski sieht er den lang ersehnten Formanstieg, weil dieser endlich begriffen hat, sich in einem Weltklasse-Team durchzubeißen. "In Köln musste er das nie machen, da war er der Star. Aber wenn er so weiter macht, steht ihm eine glänzende Zukunft bevor", so Hoeneß, der "seinen" FC Bayern für alle Zeiten mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen wird.

Dirk Adam / Eurosport