Eurosport - Di 20.Nov. 08:56:00 2007
Deutschlands Tennis-Legende Boris Becker wird in dieser Woche 40. Im Interview blickt der dreifache Wimbledon-Sieger auf seine einzigartige Karriere zurück und nimmt Stellung zu den jüngsten Tennis-Skandalen.
Sie werden am 22. November 40 Jahre alt. Schockt Sie die Zahl?
Boris Becker: "Nein, überhaupt nicht. Aber ich muss zugeben, dass ich erstmals mehr über einen Geburtstag nachdenke. 40 ist zwar auch nur eine Zahl, aber es bedeutet mir schon etwas mehr."
Würden Sie alles nochmal genauso machen, wenn Sie auf Ihr bisheriges Leben zurückblicken?
Becker: "Es ist Halbzeit, das stimmt. Und jetzt ist mir mehr denn je bewusst, was für ein Leben ich bislang leben durfte. Die Höhepunkte, in privater und beruflicher Hinsicht. Natürlich auch die Tiefen, die ich meistern musste. Die gehören genauso dazu. Aber wenn ich das Ganze zusammenfasse, dann bin ich dankbar für dieses Leben. Das hat mir mit 15 keiner vorausgesagt, dass es so spannend wird."
Und mit 17 in Wimbledon wahrscheinlich auch nicht?
Becker: "Nein, da auch nicht. Aber mit dem Wimbledonsieg ist man natürlich gebrandmarkt fürs Leben."
Vermissen Sie das Leben eines Tennisprofis?
Becker: "Ich bin dankbar, dass ich diesen Beruf habe ausüben dürfen. Ich bin aber genauso dankbar, dass ich es heute nicht mehr tun muss. Alles zu seiner Zeit. Aber ich bleibe natürlich am Ball, habe mir im Fernsehen auch den Masters Cup angesehen."
Ihre persönliche Mondlandung - wie oft denken Sie noch an Wimbledon 1985 und die Jahre danach?
Becker: "Ich werde fast täglich daran erinnert. Aber ich habe mir bis heute nie wieder das ganze Spiel angeschaut. Wenn ich Werbung mache oder durch die Welt reise, sehe ich den Matchball. Ich sehe mich als jungen Mann und muss schmunzeln, wie ich mich verändert habe."
Doping, illegale Wetten und ein angeblicher Giftanschlag auf Tommy Haas. Was ist los mit dem Tennis?
Becker: "Wir haben uns in Deutschland darüber beschwert, nichts mehr über den Tennissport zu lesen. Jetzt tun wir das - leider aus den falschen Gründen. Aber man muss unterscheiden: Martina Hingis ist positiv auf Kokain getestet worden. Sie kannte die Regeln und Gesetze - womöglich hat sie einen Fehler gemacht; auf jeden Fall ist sie zurückgetreten."
Und was ist dran am Wettskandal?
Becker: "Mir fehlt noch ein bisschen Fleisch. Da fehlen Namen, große Namen. Wenn ein Di Mauro, der auf Platz 150 der Weltrangliste steht, gesperrt wird, dann ist das schlimm, aber kein Skandal. Wenn wir beweisen könnten, dass ein Spieler aus den Top Ten oder Top Twenty häufig seine Spiele verkauft hat, dann hätten wir einen Fall. Bis jetzt gibt es nur Gerüchte - und auf Gerüchte setze ich nicht. Den Giftanschlag auf Haas glaube ich nicht. Grundsätzlich jedoch bin ich froh, dass in Deutschland wieder über Tennis gesprochen wird."
dpa / Eurosport