Sölden - Hölzls langer Weg in eine bessere Zukunft

Do 20.Okt. 14:51:00 2011

Einem Winter der Qualen folgte ein Sommer der Ungewissheit, der schließlich in einem Herbst der Hoffnung mündete. Mit einem neuen Gefühl und einer geänderten Einstellung hat für Kathrin Hölzl eine weitere Etappe auf dem langen Weg zurück in den Ski-Weltcup begonnen.

2009 Kathrin Hölzl - 0

Von Fabian Kunze

Alles auf Anfang bei Kathrin Hölzl. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht setzt sich die Riesenslalom-Weltmeisterin von 2009 an den kleinen Tisch im Sporthotel Mölltal in Kärnten. Die 27-Jährige strahlt Zuversicht aus. Nach dem bitteren Aus bei der Heim-WM im Februar und einem halben Jahr mit absolutem Sportverbot will Hölzl zurück auf die Ski. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg - und ein Weg der kleinen Schritte.

Schmal ist sie geworden, die "Katy" aus Bischofswiesen - kein Wunder, denn den Schmerzen, die sie vor nicht einmal neun Monaten zur Aufgabe in Garmisch-Partenkirchen zwangen, folgte nicht nur eine Odyssee durch die Arzt-Praxen im deutschsprachigen Raum, sondern auch das, was der quirligen und immer aktiven Hölzl am schwersten fällt: Ruhe - keine Bergtouren, kein Radfahren, kein Krafttraining und schon gar kein Skifahren.

Mehr auf den eigenen Körper hören

"Es ist schon brutal. Die anderen fahren nach Neuseeland ins Trainingslager, und du hockst daheim", sagt Hölzl und in ihrem Blick ist zu erkennen, dass sie wieder dahin zurück möchte. Doch obwohl sie selbst sagt, ihr gehe es "soweit ganz gut", möchte die fünfmalige Weltcupsiegerin keine Pläne für eine Rückkehr machen. "Ich habe von Plänen nämlich die Schnauze voll", sagt Hölzl. Sie will es langsam angehen lassen. Geht es zurück auf die Ski, dann zuerst völlig ohne Druck. "Dann fahre ich so wie ihr, einfach zum Spaß", erzählt die 27-Jährige im Gespräch mit den Journalisten. "Am Anfang vielleicht eine Stunde, dann immer ein bisschen mehr."

Hölzl hat in den vergangenen sechs Monaten gelernt, die Signale ihres Körpers über die Sturheit in ihrem Kopf zu stellen. "Wenn ich heute einen Infekt habe, mache ich eine Pause", sagt Hölzl. Ihre Ernährung hat sie bereits umgestellt, ihr Körper "wurde einmal gedreht", sagt sie selbst. Es ist die späte Reaktion auf jahrelangen Raubbau am eigenen Körper. Denn geschont hat sich Hölzl in ihrer Profikarriere nie. Schon 2007 stand sie 14 Tage nach einer Herzmuskelentzündung wieder auf den Brettern - eigentlich hätte sie einige Monate pausieren müssen.

"Ich war oft am Ende"

Infektionen, Muskelprobleme und schließlich der "Super-GAU" beim WM-Riesenslalom in Garmisch - die Folgen waren ebenso gewaltig, wie die anschließende Suche nach der Ursache. Wochenlang war sie ans Bett gefesselt, litt an "Ganzkörperschmerzen", hatte gar Probleme beim Treppensteigen. "Man kann sich eigentlich überhaupt nicht mehr normal im Alltag bewegen - da kriegt man echt Angst, ob irgendwas Schlimmes ist, wo man dann irgendwann im Rollstuhl sitzt. Man stellt sich ja dann die schlimmsten Sachen vor", gewährt Hölzl Einblicke in ihre Gefühlswelt.

Zwischen 50 und 60 Ärzte von "Berlin bis Wien" klapperte Hölzl ab, ließ sich Hunderte von Spritzen in den Rücken jagen, an den Zähnen operieren und nahm über Wochen Antibiotika - "und kein Mensch konnte mir helfen." Erst bei einer Komplementärmedizinerin in Ansbach fand sie den gesuchten Rat und eine Diagnose, auf der sich eine wirkungsvolle Therapie aufbauen ließ. Eine Stoffwechselstörung und ein genetischer Defekt machten Hölzl zuerst das sportliche, dann auch das private Leben schwer. "Ich war oft am Ende", gesteht sie.

"Dahin zurück, wo ich schon mal war"

Doch die lange Pause hat ihr gut getan. Seit ein paar Wochen trainiert Hölzl wieder - in reduziertem Umfang zwar und noch nicht immer komplett schmerzfrei, aber der erste Schritt in Richtung Comeback ist gemacht. "Wenn ich zurückkomme, dann möchte ich wieder dahin, wo ich schon mal war", sagt Hölzl und lässt sich den Satz noch einmal durch den Kopf gehen. "Naja, nicht dahin, wo ich in Garmisch war", schränkt sie ein und beim Hinweis, ein Anknüpfen an die WM-Leistung von Val d'Isère 2009 wäre doch ein gutes Ziel, wird das Lächeln breiter.

Wenn am Wochenende die alpine Ski-Saison in Sölden ihren traditionellen Anfang nimmt, wird Hölzl nicht an der Strecke stehen. "Was soll ich da?", fragt die Vorjahreszweite auf dem Rettenbachgletscher in die Runde. Gemeinsam mit Gina Stechert, die nach dem dritten Kreuzbandriss ihrer Karriere ebenfalls eine lange Pause einlegen muss, reist Hölzl nach Garmisch zu Susanne Riesch, die die Saison nach einem Trainingssturz und einer schweren Knieverletzung schon vor dem ersten Rennen komplett absagen musste. "Wir machen ein Invaliden-Public-Viewing", erzählt Hölzl. Denn geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.

Sölden: Raich mit Comeback

news Benjamin Raich

TV-Tipp:

Es geht wieder los: Die alpinen Skifahrer beginnen den Winter traditionell in Sölden. Den Riesenslalom der Damen (Samstag, 22. Oktober ab 09:30 Uhr) und den Riesenslalom der Herren (Sonntag, 23. Oktober ab 09:30 Uhr) erleben Sie LIVE bei Eurosport.

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