Schockemöhle: Personalabbau für Pferdekauf

Di 20.Okt. 15:03:41 2009

Hannover (dpa) - Besonders zimperlich war Paul Schockemöhle noch nie, doch jetzt hat er eine besonders provokante Forderung aufgestellt. Der ehemalige Weltklassereiter hat vom deutschen Verband FN den Abbau von Personal verlangt, um mit dem eingesparten Geld Beteiligungen an Toppferden zu kaufen.

Der Pferdehändler attackierte die FN in Hannover wegen ihres «schlechten Managements» im Spitzensport und kritisierte die zu hohe Zahl an Beschäftigten: «Da wurden in den letzten Jahren Leute eingestellt, ich weiß nicht wofür.» Der deutsche Pferdesport habe zuletzt seine Spitzenstellung nicht eingebüßt, weil es an talentierten Reitern mangele, sondern weil so viele Klasse-Pferde ins Ausland verkauft worden seien, sagte der Unternehmer aus Mühlen.

Stellenabbau ist nach Schockemöhles Ansicht «nicht ungewöhnlich, das müssen andere Unternehmen auch». Durch die Reduzierung der Angestelltenzahl gebe «es dann Mittel, um Pferde im Land zu halten». Die These des dreimaligen Europameisters ist auch deshalb brisant, weil er selber als Pferdehändler tätig ist und seinen Umsatz in diesem Bereich zu 95 Prozent im Ausland macht. Schockemöhle betreibt zudem eine Spedition.

In der Verbandszentrale in Warendorf sind bei der FN, dem Deutschen Olympiade Komitee für Reiterei (DOKR) und dem FN-Verlag derzeit 160 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit beschäftigt. Der Jahresumsatz beträgt rund 19 Millionen Euro. Schon jetzt besitzt das DOKR Anteile an 27 Pferden.

Schockemöhle macht sich Sorgen um den deutschen Springsport. «Wir müssen aufpassen, dass uns die anderen nicht überholen, vor allem die Holländer», sagte er über die Konkurrenz: «In der Dressur haben sie es schon getan.» In den Niederlanden sei «das gesamte Management besser. Da passt in Deutschland einiges nicht.» Das Team aus dem Nachbarland ist derzeit Mannschafts-Weltmeister. «Die versuchen die guten Pferde im Land zu halten und kaufen auch dazu», sagte Schockemöhle.

In Deutschland werden die beste Pferde verkauft. «Das geht seit Jahren so», erklärte der 64-Jährige, der auch als Turnierorganisator aktiv ist. «Die Züchter wollen Geld verdienen. Das ist verständlich, aber schwächt den Sport.» Allein in den vergangenen Wochen sind nach Schockemöhles Berechnungen rund 700 Fohlen bei Auktionen in Norddeutschland verkauft worden: «Von den 300 besseren Fohlen sind 80 Prozent ins Ausland verkauft worden.» Schockemöhle selber ist allerdings einer der größten Pferdehändler der Welt und verdient den größten Teil im Ausland: «Und dazu stehe ich.»

An talentiertem Nachwuchs mangele es in Deutschland nach wie vor nicht. «Ich kenne zehn, zwölf junge Reiter, die in den nächsten Jahren in die Top Ten kommen könnten, wenn sie die Pferde dazu haben», erklärte Schockemöhle. Als Beispiel für ein Pferd, an dem sich der Verband beteiligen könne, nannte Schockemöhle die neunjährige Stute No father's girl von Gilbert Böckmann. «Der will nicht verkaufen», sagte Schockemöhle: «Aber irgendwann kommt ein Verrückter, der bietet drei Millionen.»

 

Kommentare 1 - 1 of 1

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  1. das dieser typ über leichen geht ( siehe die ihm­ anvertrauten tiere ) wird aber bestimmt schon­ durchschaubar gewesen sein als man ihm noch in den­ allerwertesten kroch.

    Von Obamaderzweite, am Di 20.Okt. 16:27
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