Löw zieht Tests durch - Zwanziger kontert Hoeneß

Di 20.Okt. 15:21:16 2009

Hamburg (dpa) - Für Bayern-Manager Uli Hoeneß sind die Testspiele «albern», für Joachim Löw ein unverzichtbarer Härtetest.

Mit dem Form-TÜV am 18. November gegen Ersatzgegner Elfenbeinküste zieht der Bundestrainer ungeachtet atmosphärischer Störungen mit dem deutschen Rekordmeister seine WM-Vorbereitung durch. Löw verspricht sich im letzten Länderspiel des Jahres 2009 von den starken Ivorern, die für den ursprünglich vorgesehenen Afrika-Meister Ägypten einspringen, erst recht wichtige Erkenntnisse. «Wir haben für den Termin im November gezielt einen afrikanischen Gegner gesucht, da für uns auf dem Weg zur WM in Südafrika ein Test gegen eine Mannschaft von diesem Kontinent wichtig ist», betonte der 49-Jährige.

Die überraschend harsche Hoeneß-Kritik rief bei Theo Zwanziger heftige Kritik hervor. «Die Freundschaftsspiele braucht der Trainer, um seine Mannschaft zu formieren, die für Deutschland und damit auch für die Bundesliga spielt. Ich denke, was den Begriff, alberne Länderspiele` angeht, hat sich Uli Hoeneß vergriffen», konterte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der «Bild-Zeitung» die Worte des Welt- und Europameisters Hoeneß. «Ich weiß, wie stolz er selbst auf seine Erfolge mit der Nationalmannschaft ist.» Zudem seien diese Partien «einvernehmlich mit der Liga vereinbart worden».

Am 14. November testet das DFB-Team in Köln gegen Chile, vier Tage später in Gelsenkirchen nun gegen die Elfenbeinküste. Superstar Didier Drogba und seine Mitstreiter springen für Ägypten ein, weil die Pharaonen eventuell noch in der WM-Ausscheidung ran müssen: Sollte Ägypten am 14. November gegen Algerien mit zwei Toren Vorsprung gewinnen, wäre am 18. November ein Entscheidungsspiel nötig. «Aufgrund dieser Sachlage gab es einfach zu viele Unsicherheiten bei der Planung der Partie in Gelsenkirchen, so dass wir in freundschaftlicher Absprache mit dem ägyptischen Verband entschieden haben, einen anderen Gegner für dieses Datum zu suchen», begründete DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach den Tausch.

Löw ist «froh», dass der DFB kurzfristig das Spiel gegen die starken Ivorer mit den Bundesliga-Profis Guy Demel (HSV), Arthur Boka (VfB Stuttgart) und Steve Gohouri (Mönchengladbach) möglich gemacht hat. «Die Partie wird ein echter Härtetest, denn das Team der Elfenbeinküste vereinigt alles, was der afrikanische Fußball zu bieten hat: Technik, Dynamik, Kreativität und Leidenschaft, aber auch gute Disziplin und taktische Organisation», sagte der Coach und widersprach damit auch indirekt der Hoeneß-Kritik.

Unterschiedlicher Auffassung sind die Verantwortlichen des DFB und FCB auch über die vorgesehene Nominierung von Bayern-Jungstar Thomas Müller gegen Chile und die Elfenbeinküste. «Der FC Bayern hat großes Interesse, dass Thomas Müller eine große Karriere hinlegt. Dabei sollte man step by step vorgehen und nicht gleich von der zweiten auf die fünfte Stufe springen», empfahl Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Abflug zum Champions-League-Spiel bei Girondins Bordeaux eindringlich. Wie Hoeneß will auch Ex- Nationalspieler Rummenigge verhindern, dass es mit einer Auswahl- Nominierung «zu schnell geht» für den gerade erst 20 Jahre alt und zur Stammkraft gewordenen Mittelfeld- und Angriffsspieler.

«Uli Hoeneß will nicht den Nationalspieler Thomas Müller verhindern», stellte Rummenigge klar und richtete eine Empfehlung an die Adresse des Bundestrainers. «Wir würden es für gut heißen, wenn Joachim Löw ihn nicht im November, sondern erst im März testet.» Müller selbst, der anders als die starke Offensiv-Konkurrenz im Bayern-Starensemble wie die Nationalspieler Miroslav Klose, Mario Gomez, Luca Toni oder Ivica Olic von Bayern-Coach Louis van Gaal stets aufgestellt wurde, ist selbst hin- und hergerissen. «Ich kann beide Seiten verstehen - Uli Hoeneß und Joachim Löw», sagte er. «Wenn ich berufen würde, käme das tatsächlich sehr früh für mich, aber ich nehme die Chance gerne an», betonte Müller. Zugleich gab er aber zu: «Der Druck wächst natürlich, aber ich kann damit umgehen.»

 

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