Eurosport - Do 20.Aug. 14:19:00 2009
Die deutschen Stabhochspringer Alexander Straub und Malte Mohr haben das WM-Finale erreicht. Beide übersprangen im Olympiastadion 5,65 Meter. Ausgeschieden ist Björn Otto, der über 5,55 Meter nicht hinauskam. Pech hatte Robin Schembera im 800- Meter-Vorlauf, der nach einem Sturz ausschied.
"Wenn's wenigstens im Ausland gewesen wäre...", meinte der Leverkusener nach seinem verpatzten Vorlauf und raufte sich die Haare. "Da schmeiße ich mich vor der Familie und allen Freunden auf die Bahn, das ist schon unglaublich scheiße."
Auf der Mittelstrecke sucht der DLV schon lange einen Läufer, der in die großen Fußstapfen von Nils Schumann, dem Olympiasieger von Sydney 2000, treten kann. Der 20-jährige Schembera gilt als großes Talent, war U20-Europameister und zuletzt zweimal deutscher Meister. Bei der WM sollte er vor allem Erfahrung sammeln - aber nicht so.
Wie er zu Beginn der zweiten Runde zu Fall gekommen war, konnte Kommissar-Anwärter Schembera kurz nach dem Rennen nicht aufklären. "Keine Ahnung. Das muss ich mir erst mal auf Video anschauen", sagte er. Jedenfalls hatte es ihm ein Bein weggezogen und er purzelte auf die Bahn. "Wer ist denn hinter mir gerannt?", fragte er die Journalisten. Seit sechs Jahren sei er nicht mehr gestürzt und betonte: "Ich falle ja nicht über meine eigenen Beine. Höchstens, wenn die Schnürsenkel auf sind - aber das war nicht der Fall."
Auftrieb durch Berliner Luft
Den WM-Debütanten Malte Mohr und Alexander Straub hat die berühmte Berliner Luft Auftrieb gegeben. "Es war überraschend kurz", freute sich der 25-jährige Straub über seine "Kurzarbeit" im Olympiastadion. 5,55 und 5,65 Meter meisterte er jeweils im ersten Versuch. "Ich freue mich, dass ich meine Form so gut rüber bringen konnte." Dies gelang dagegen Björn Otto nicht: Der 31 Jahre alte WM-Fünfte von 2007 blieb bei 5,55 Meter hängen.
Spannend machte es Mohr, der die 5,65 erst im dritten Versuch überquerte. "Das war eine riesige Erleichterung, als ich drüber war", meinte der 23-jährige Benjamin des fliegenden Trios, das im Athletenhotel im Dreierzimmer eine WG bildet. "Beim dritten Versuch habe ich während des Anlaufs nichts im Kopf gehabt", berichtete der Leverkusener, den das heimische Publikum dabei beflügelt hat: "Ich habe mich einfach von der tollen Atmosphäre tragen lassen."
"Bin immer sehr relaxed"
Entspannt hat sich nach überstandener Pflicht Alexander Straub. "Ich war am Vorabend sehr nervös und konnte nicht gut schlafen", sagte der Hobby-Angler. Dennoch änderte er sein Qualifikations- Konzept und stieg nicht bei 5,40, sondern erst bei 5,55 Meter ein: "Ich fühlte mich so sicher, weil ich beim Aufwärmen schon zweimal 5,55 Meter gesprungen war." Im Finale möchte er nun eine neue persönliche Bestleistung (bisher 5,81 Meter) ins Visier nehmen. "Eine Höhe zwischen 5,80 und 5,85 Meter wäre klasse", sagte Straub. Angst vor einem Absturz hat er nicht: "Ich bin ja kein Favorit."
Im Finale am Samstag (18:15 Uhr im Live-Ticker) würden Mohr und Straub ihre WM- Premiere gern veredeln. "Alles ist möglich. Mit 5,80 Meter stehe ich auf Platz fünf der Weltbestenliste. Und ich weiß, dass ich mehr kann", sagte der schlaksige Mohr selbstbewusst, der seinem ersten großen Medaillenkampf gelassen entgegenblickt: "Ich bin vorher immer sehr relaxed."
Walker muss passen, Hooker angeschlagen
Die Chancen für die beiden deutschen Überflieger, im Finale in Medaillennähe zu kommen, sind durch den Ausfall von Weltmeister Brad Walker (USA) gestiegen. Offen ist zudem, ob Olympiasieger Steven Hooker aus Australien antreten kann. In der Qualifikation beschränkte er sich wegen einer Oberschenkelverletzung auf einen Sprung über 5,65 Meter. "Ich bin gespannt, was er macht. Vielleicht versucht er ja gleich, über 5,90 zu springen", sagte Straub.
Dass mit ihrer WM-Teilnahme eine neue Ära im deutschen Stabhochsprung begonnen hat, wollen Mohr und Straub nicht recht glauben. "Ich weiß nicht, ob es einen Wachwechsel gibt. Die Alten sind nicht abzuschreiben", meinte Straub. Altmeister Tim Lobinger (36), der WM-Dritte Danny Ecker (32) und auch Otto (31) würden weiter machen. Allerdings würde es in Zukunft schwerer für sie werden: "Wir sammeln bei jedem Wettkampf mehr Erfahrungen, da wird es für die Älteren nicht einfacher werden."
TV-Tipp:
Verfolgen Sie die Leichtathletik-WM in Berlin (15. bis 23. August) täglich LIVE bei Eurosport, Eurosport 2 und Eurosport HD. Alle News und Ergebnisse finden Sie wie immer auf eurosport.yahoo.de.
Kommentare 1 - 4 of 4
@windshieldbob
"dem wurde NICHT in die hacken getreten, der ist über die eigenen füße gestolpert..."
Ist so etwas bei Läufern üblich? Ist die blaue Bahn gar eine Stolperbahn, da sie die Läufer leicht blau macht?
Muss ich mir Sorgen machen, dass Usain Bolt heute abend über seine eigenen Füße stolpern könnte? Oder stolpern Läufer nur dann über die eigenen Füße, wenn sie im Pulk laufen und wenn ja: warum?
Ich halte die Stolper-Theorie für absurd. Meines Erachtens hat ihn der hinter ihm laufende Teilnehmer erwischt.
dem wurde NICHT in die hacken getreten, der ist über die eigenen füße gestolpert...
Wann schickt Eurosport Thiele und Heinrich endlich in Rente - ich frag mich immer warum die noch mit Preisen überhäuft werden.
Die Berichterstattung zum 800m Lauf von Robin Schembera war ein Skandal. Dem wurde in die Hacken getreten und daraufhin ist er gestürzt. Danach hatte er natürlich keine Chance mehr.
Bislang dachte ich, die Eurosport-Moderatoren würden bei der Moderation das Geschehen im Kopf haben. Doch weit gefehlt. Minutenlang äußerte der Moderator seine Enttäuschung über die schwache Leistung Schemberas. Er hatte überhaupt nicht mitbekommen, dass der einzige deutsche Teilnehmer, über den er vorher ausführlich berichtete, schwer gestürzt war. Selbst als mehrfache Wiederholungen den Ablauf genau zeigten, folgte noch immer kein ausdrückliches Bedauern über die peinliche Moderation. Schlimm!
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