Frauen-WM - Schröder: "Haben die Geister ja gerufen!"

Mi 20.Jul. 08:52:00 2011

Im Eurosport-Interview spricht Bernd Schröder über die Konsequenzen aus der Frauen-WM. Dabei bezieht der Meister-Trainer von Turbine Potsdam klar Stellung zur Diskussion um Silvia Neid, kontert die Kritik von DFB-Präsident Zwanziger und fordert eine intensive Aufarbeitung. Ein ungeschminktes Fazit.

Frauen-WM - Interview Bernd Schröder

Das Interview führte Michael Wollny

Herr Schröder, haben Sie Ihrer Spielerin Yuki Nagasato schon eine Glückwunsch-SMS geschickt?

Bernd Schröder: Ja, wir haben telefoniert. Ich musste sie erst mal zusammenscheißen, weil sie ihren Elfmeter verschossen hat (lacht). Sie ist im siebten Himmel, sie ist glücklich. Wir haben ja auch Kontakt zur japanischen Nationalmannschaft und ich habe dem Trainer schon gratuliert. Aber wir haben auch großen Respekt vor den Amerikanern. Man muss schon sagen, das Endspiel war der Wahnsinn.

Japans Titelgewinn wird als große Sensation bezeichnet. Ist es nicht eher "nur" eine Überraschung?

Schröder: Sie haben Recht, dass bei Japan Potenzial vorhanden ist. Wir haben mit Nagasato ja auch keine Spielerin nach Kaffeesatzleserei zu uns geholt, sondern haben die positive Entwicklung im japanischen Fußball schon seit längerem beobachtet. Wer aber gesagt hätte, dass sie Weltmeister werden, der hätte keine Ahnung von Fußball gehabt. Bei der Nummer Vier der Welt kann man nicht von einer völligen Überraschung sprechen. Aber durch das Fehlen der optimalen Vorbereitung aufgrund der Katastrophe hatte man schon das Gefühl, dass es schief gehen könnte. Wir hatten ihnen schon vorgeschlagen, sich hier in Potsdam vorzubereiten. Beim ersten Spiel habe ich aber gleich an den Gesichtern gesehen, dass sie emotional total aufgeladen waren und voll für ihr Land spielten. Zudem haben sie die Solidarität der Menschen gespürt.

Mit Sicherheit also auch ein symbolischer Sieg. Was meinen Sie, ist das eine Momentaufnahme, oder ist mit Japan zukünftig in der Weltspitze zu rechnen?

Schröder: Man muss da vorsichtig sein, denn es war auch ein schmaler Grat. Wenn die USA konzentrierter gespielt und das nötige Glück gehabt hätten, wie gegen Brasilien, als ja der liebe Herrgott das Füllhorn über ihnen ausgeschüttet hat, dann hätten sie das Spiel gewinnen können, denn sie hatten es ja eigentlich in der Hand. Die Japanerinnen sind in dem Finale nicht so zur Geltung gekommen, wie sie es sich wohl gewünscht haben. Aber man hat ihnen den Triumph gegönnt.

Man hätte es auch den USA gegönnt, die im Finale einen tollen Fußball gespielt haben.

Schröder: Das war eine sehr positive Überraschung. Sie haben konstruktiv mit hoher Struktur gespielt. Deshalb konnten sich die Japaner auch nicht so entfalten wie in den Spielen zuvor. Aber wenn man das gesamte Turnier sieht, in dem die USA auch zwei Mal knapp von der Schippe gesprungen sind, dann ist Japan schon ein verdienter Weltmeister. Bei ihnen hat in diesem Turnier einfach alles gestimmt. Diese Leistung nachhaltig zu bestätigen wird aber schwer. Eine Symbiose aus der japanischen Unaufgeregtheit im Spiel und der technischen Qualität, zusammen mit dem athletischen Spiel der USA, damit könne man gut leben. Und der deutsche Fußball hat eigentlich diese Symbiose.

Eigentlich?

Schröder: Ja, wir haben sehr gute technische Spielerinnen, haben ein hohes athletisches Niveau. Das ist eine gute Mischung, bei der uns nicht bange sein muss. Aber wenn man jetzt wieder alles in Frage stellt, dann funktioniert das ebenso wenig, wie wenn man sich hinstellt und sagt: 'Wir haben alles richtig gemacht.'

Nennen wir’s beim Namen, Sie sprechen von Silvia Neid.

Schröder: Ja, ich habe ja momentan nur Ärger. Es ist ja immer das gleiche. Man muss aber einfach mal begreifen, dass wir unsere Möglichkeiten nicht genutzt haben. Das Schlimme ist auch nicht das Ausscheiden bei der WM, denn das ist Fußball, das ist im Sport nun mal so. Das Schlimme ist, dass wir nicht an Olympia teilnehmen. Wir haben jahrelang dafür gekämpft, dass der Frauenfußball olympisch wird! Ich habe immer gesagt, wenn das geschieht, wird der Frauenfußball geadelt, dann sind wir in der großen olympischen Familie angekommen. Eine Teilnahme bei Olympia wünscht sich jeder Sportler. Fußball ist ja nicht alles, man kann bei Olympia andere große Sportler sehen und kennenlernen. Und wenn man das jetzt mit einer Handbewegung wegwischt und sagt: 'Ach, wir haben in anderthalb Jahren mit der EM doch wieder ein großes Erlebnis', dann kann ich das nicht verstehen.

Diese Kritik haben Sie klar artikuliert, was aber beim DFB nicht sonderlich gut ankam. Präsident Theo Zwanziger fordert jetzt eine Entschuldigung. Kommt die?

Schröder: Ja, ja (lacht). Theo ist ein Freund von mir. Ich habe immer das Gefühl, dass er ein bisschen schlecht beraten ist. Ich habe so viele Mails und Schreiben bekommen. Mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung ohne Not hat sich Theo ein bisschen festgefahren. Und jetzt muss man das ja auch irgendwie bestätigen, dass das richtig war. Die Gefahr ist, dass wir uns nun alle zerrütten. Aber für die Bundesliga ist es das Beste, wenn man mit Konflikten umgehen kann und vor allem auch den Wert des Widerspruchs erkennt. Das ist aber leider unser gesellschaftliches Problem, dass der Wert der Kritik nicht mehr erkannt wird. Da wird es dann ziemlich schnell persönlich.

Also keine Entschuldigung.

Schröder: Ach wissen Sie, was ist denn heute schon noch eine Entschuldigung wert? Wenn ich jemandem bewusst so richtig in den Arsch trete und mich dann am nächsten Tag entschuldige, dann wäre das doch scheinheilig und aufgesetzt.

So kann man das auch sehen. Ist Silvia Neid noch die richtige Wahl fürs Amt der Bundestrainerin?

Schröder: Ich habe ja schon den Ehrenkodex verletzt (lacht). Es gibt Leute die sagen, dass man da nix sagen darf. Aber das Ausscheiden hat ja Gründe. Und dann muss man über alles nachdenken. Es geht ja schließlich auch um die Liga. Da muss man Fragen: Was ist wichtiger, die Henne, oder das Ei? Die Liga, das ist die Henne! Wenn die Liga nicht funktioniert, dann gibt’s auch keine Eier. Die Bundestrainerin ist da in einer Dienstleistungsfunktion. Sie muss mit ihrem Stab dafür sorgen, dass sie das weiter verarbeitet, was wir ihr aus der Liga anbieten.

Und trauen Sie Neid diese Weiterverarbeitung zu?

Schröder: Für mich ist es schwer, ja oder nein zu sagen. Wissen Sie warum?

Verraten Sie es mir.

Schröder: Die Bundestrainerin steht an der Spitze und sie hat ein Team um sich herum. Ich kann nicht immer nur alles dem Trainer oder der Trainerin in die Schuhe schieben. Aber man muss Neid nun die Möglichkeit geben, sich so zu verhalten, wie wir das von ihr erwarten. Wenn aber eine Trainerin sagt, dass sie sich nichts vorzuwerfen hat, dann bedeutet das, dass sie keine Fehler gemacht hat. Das ist dann schwer nachzuvollziehen. Denn wer soll denn dann die Fehler gemacht haben? Die Diskussion um Neid hat eigentlich nur den einen Zweck, dass man grundsätzlich die Relation im deutschen Frauenfußball hinterfragt. Das Wohl oder Wehe des deutschen Frauen-Fußballs steht und fällt nicht mit dem Kopf im Bundestrainer-Amt.

Neben Neids Fehlern wurde auch der öffentlich Druck als Grund des Scheiterns angeführt. Aber der war doch hausgemacht.

Schröder: Das liegt ja eben an diesen Leuten im Umfeld. Nehmen wir mal Japan. Die hatten den größeren Druck, einen seelischen Druck. Das ist wesentlich schwieriger zu verkraften als unser Leistungsdruck. Wenn wir diesen Leistungsdruck nicht vertragen, dann haben wir es nicht verdient. Wenn ich immer höre, dass man da Psychologen braucht! Wenn man als Trainer selbst kein Psychologe ist, dann ist das ein Problem. Wir haben die ganze WM in ihrer Eigendynamik unterschätzt. Mit 'Wir' meine ich den deutschen Frauen-Fußball. Aber wir haben diese Geister ja auch gerufen, wir wollten doch, dass es in die breite Öffentlichkeit kommt, wir wollten doch, dass es die Medien nach oben pushen. Die Blase ist nun geplatzt.

Und darauf war man nicht vorbereitet.

Schröder: Korrekt, das ist der Punkt. Darauf war man nicht vorbereitet. Und da gebe ich vielen Leuten die Schuld. Das hätte man früher merken müssen. Sobald aber Siggi Dietrich (Manager FFC Frankfurt, Anm. d. Red.) oder ich etwas sagen, dann wird das gleich als Besserwisserei bezeichnet. Aber die Fakten sind doch nun mal so. Wir waren nicht vorbereitet. Wir wollten den großen Hype, man hat sich schon als Weltmeister gesehen. Und niemand hat den Spielern gesagt was passiert, wenn dieser Fall nicht eintritt. Das nächste Negativbeispiel war das Auftreten von Neid und ein paar Spielerinnen beim Finale.

Als sie auf der Haupttribüne Japan bejubelt haben?

Schröder: Ja, das hat für riesen Aufruhr gesorgt. Eine Frechheit, wie sie aufgetreten sind. Das zeigt nun wieder, dass sie auf so eine Situation überhaupt nicht vorbereitet waren. Als Nationalspieler muss man doch wissen, dass der Fokus der Aufmerksamkeit auf einen gerichtet ist. Ich habe unwahrscheinlich viele Briefe bekommen, in denen für diese Aktion eine Entschuldigung gefordert wird, für 'diesen peinlichen Auftritt von Frau Neid beim Endspiel', schreibt hier jemand. Das ist peinlich! Und das meine ich. Wir haben jahrelang eine gute Beziehung zu US-Trainerin Pia Sundhage gehabt. Und dann wird hämisch geklatscht, wenn die USA einen Elfmeter verschießen!

Gebotene Neutralität im Amt sieht anders aus, keine Frage.

Schröder: Und dann wird bei mir von Ehrenkodex gesprochen! Man darf Ursache und Wirkung nicht verwechseln. Das ist das Ärgerliche. Hier geht es auch um ein öffentliches Bild. In dieser öffentlichen Situation haben sich Neid und die Spielerinnen ganz schlecht verhalten. Auf diesen Auftritt beim Finale hätte sie das Umfeld vorbereiten müssen. Ich hätte die Einladung erst gar nicht ausgesprochen. Das war auch wieder ohne Plan und psychologisches Fingerspitzengefühl, die Spielerinnen da hinzuschleifen. Diese Demonstration, die sie damit zeigen wollten, die ist nach hinten losgegangen.

Kann man bei der Vorbereitung von Steffi Jones von Professionalität sprechen und bei der sportlichen Umsetzung von Naivität?

Schröder: Das Erste unterschreibe ich. Steffi und ihr Team haben das mit einer Akribie und Leidenschaft gemacht, wie man das für so eine WM erwartet. Aber wir haben eben auch die sportliche Seite. Und was da falsch gemacht werden konnte, wurde auch falsch gemacht. Wenn man Lotto spielt, dann ist man vor Gewinn nicht sicher. Aber wir waren eben auf die Eventualität des Scheiterns nicht vorbereitet.

Das gilt wohl auch für die Personalie Birgit Prinz. Eine Großbaustelle mitten im Turnierverlauf. Die einen sprechen von Demontage, die anderen von natürlicher Wachablösung. Was sagt Bernd Schröder?

Schröder: Ich sage, dass Birgit Prinz bei mir gespielt hätte. Ich sehe das Problem schon in der Nominierung. Wenn ich sie mitnehme, zumal als Kapitän, dann spreche ich ihr damit Vertrauen aus, dann muss sie auch spielen. Denn sonst müsste ich sie ja nicht mitnehmen. Birgit Prinz hatte bis dahin alle Spiele durchgespielt, sie war auf diese Auswechslung bei der Heim-WM gar nicht vorbereitet. Wenn so eine Entwicklung erwogen wird, dann muss ich vorher auch mit der Spielerin sprechen. Aber das wurde nicht gemacht. Ich kann doch beim Stand von 0:0 gegen Nigeria nicht in der 53. Minute meinen Kapitän vom Feld nehmen. Damit dokumentiere ich doch, dass ich kein Vertrauen in ihn habe, dass er das Spiel noch umdrehen kann.

Ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, oder gibt’s noch die Chance auf einen ehrenhaften Abschied?

Schröder: Ich weiß gar nicht, ob sie das noch will. Die Art und Weise, wie mit ihr umgegangen wurde ist ärgerlich. Dabei stellt sich Theo Zwanziger hin und sagt, dass man eine große Familie sei, in der alles anders und harmonischer wäre als im Männerfußball. Man hat sich da ja sogar in den Vordergrund gespielt und hat den Männerfußball in einer Kampagne noch angegriffen.

Sie meinen die Parole "Dritte Plätze sind nur was für Männer"?

Schröder: Ja. Und da muss man natürlich auch wissen, was passieren kann. Die Leute, die auf diesen Zug aufgesprungen sind, sind ja alle schnell wieder abgesprungen. Ich habe gleich gesagt, dass wir vorsichtig sein müssen bei dieser WM. Da haben mich alle als Pessimisten und kontraproduktiv hingestellt. Und jetzt sagt der DFB-Präsident, wer denkt, es käme nach der WM ein Boom, der hätte vom Fußball keine Ahnung. Dabei sind das genau meine Worte, die ich schon vorsichtig vor zwei Jahren geäußert habe und dafür hart kritisiert worden bin. Der Frauen-Fußball ist beschädigt, beschädigt durch die Situation, in der wir uns gerade befinden. Wir in der Liga sind da jetzt aber nicht schuld. Wir haben diese Dinge nur angesprochen. Natürlich haben wir das über die Öffentlichkeit gemacht, aber wir hatten bislang auch keine andere Möglichkeit.

Erwarten Sie deshalb, dass Ihnen den DFB die Hand reicht und zur Manöverkritik mit ins Boot holt?

Schröder: Na klar erwarte ich das! Das ist ja eben der Punkt. Wir haben jetzt ja auch eine Chance. Denn wir haben eben nicht nur ein Spiel verloren, wir haben die WM verloren, wie haben die Qualifikation für Olympia verloren und wir haben Sympathien verloren. Und wir waren bei dieser WM nie in der Lage unsere Leistung abzurufen. Das ist das Entscheidende.

Wie schwerwiegend war die fehlende taktische Flexibilität? Bei der Ausrichtung in einem statisch wirkenden 4-2-3-1 agierte die deutsche Elf recht monothematisch.

Schröder: Ja. Wir haben seit Jahren in der Nationalelf dasselbe System. Das ist auch der Grund, warum wir als Deutscher Meister nur zwei Spielerinnen im WM-Kader hatten. Silvia Neid meinte immer, das läge daran, dass unser System ein völlig anderes wäre als das in der Nationalmannschaft. Das ist natürlich völlig sinnfrei, denn Systematik kann auch individuellen Esprit blockieren. Jetzt stellt man fest, dass das moderne System zwar stimmt, dass es aber nicht durch individuelle Klasse mit Leben gefüllt wurde. Gegen Japan wurden 25 Standards nach gleichem Muster ausgeführt und nichts wurde geändert. Da gab es überhaupt keine Kreativität. Aber wir haben diese Kreativität. Nur wurde sie in diesem System nicht ausgelebt.

Die Mannschaft hatte eine zehnwöchige Vorbereitung. Wieso bildetet sich dabei keine kreativ-effektive Elf heraus?

Schröder: Ich habe mir das erste Spiel gegen Kanada angeschaut. Da wusste ich gleich: So kann man nicht Fußball spielen. Fußball ist Aktion und Reaktion. Man kann natürlich immer nur so gut spielen, wie es der Gegner auch zulässt. Aber man muss doch vor Kanada keine Angst haben! Und das Spiel gegen Nigeria war natürlich eine Katastrophe. Man wusste doch schon im Vorfeld, dass die auf den Mann gehen. Das Frankreichspiel war dann ein Trugschluss, weil die Französinnen an diesem Tag schlecht gespielt haben. Gegen Japan hatte man dann nach 20 Minuten sehen können, dass wir keine Ideen mehr hatten. Die Lehren daraus sind, dass wir auch in der Liga taktisch flexibler und kreativer spielen müssen.

Den kreativen Esprit hätte ja Lira Bajramaj liefern sollen. Vor der WM wurde sie aber schon als Werbe-Star gehypt. Ist sie an dieser Rolle zerbrochen?

Schröder: Ich habe sie ja nach dem zweiten Spiel kritisiert. Ich habe gesagt, dass sie nicht in die Mannschaft integriert sei. Da stellt sie sich in der Pressekonferenz hin und sagt: 'Was erzählt mein ehemaliger Trainer für einen Mist!' Das war für mich ein Zeichen dafür, dass sie eine völlig andere Wahrnehmung von ihrer Leistung hatte. Dabei ist sie bei dieser WM in der Mannschaft nie angekommen. Gegen Japan hätte ich sie gebracht. Vielleicht hat Neid sie aus persönlichen Gründen nicht gebracht. Das kann ich verstehen, wenn jemand schon so als Glamour-Girl gehypt wurde. Da sage ich auch, dass die Mannschaft der Star ist. Vielleicht kann man es in einem Freudschen Versprecher ausdrücken: Bei Neid kam Neid auf. Aber es bringt nichts, nun auf Einzelnen herumzuhacken.

Welche Lehren müssen nun gezogen werden?

Schröder: Wir müssen die Gesamtstruktur des deutschen Frauen-Fußballs überdenken, sonst sind wir ganz schnell weg vom Fenster. Es bringt nichts, wenn seit Jahren nur drei, vier Mannschaften oben stehen. Das Gesamtniveau der Liga muss gehoben werden. Das wird jedoch nach dieser WM schwieriger als davor. Es wäre aber tödlich, auch für das Bild in der Öffentlichkeit, wenn man nun keine Manöverkritik starten würde.

Und da will ein unbequemer Bernd Schröder seinen Teil beitragen, wenn man ihn denn nur lässt?

Schröder: Manche denken ja immer noch, ich würde Nationaltrainer werden wollen. Aber das ist natürlich Schwachsinn. Ich habe erst kürzlich das Bundesverdienstkreuz erhalten, ich muss mich nicht mehr produzieren. Welches Motiv habe ich denn, dass ich mich aufrege? Da muss man doch mal auf die Idee kommen, dass mein einziges Motiv der Frauen-Fußball ist. Es geht eben nicht um meine Person. Ich habe nicht 40 Jahre Frauenfußball gemacht, um festzustellen, dass wir nichts weiter erreicht haben, als ein dogmatisches System zu schaffen. Wir sind bei der WM ausgeschieden, wir haben Olympia in den Sand gesetzt - aber wir haben alles richtig gemacht und nur ein Spiel verloren? Wenn ich so etwas höre, dann muss ich ganz ehrlich sagen: Armes Deutschland!

Herr Schröder, danke für das Gespräch.

Eurosport

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