Neuer Ärger für Ullrich

Eurosport - So 20.Apr. 15:40:00 2008

Neues Kapitel in der fast unendlichen Geschichte um Jan Ullrich: Der 34-Jährige soll an den einstigen Telekom-Masseur Jef d'Hont "Schadenersatz wegen Rufschädigung" und eine "Erstattung von Gerichtskosten" leisten. Beide streiten über die Behauptung d'Honts, er habe dem Ex-Profi einst EPO gespritzt.

CYCLING 2006 Jan Ullrich - 0

Damit droht Ullrich nach der Einstellung der Betrugs-Ermittlungen gegen ihn durch die Staatsanwaltschaft in Bonn laut "Focus" weiteres Ungemach.

Die Übereinkunft mit den Strafverfolgern soll ihn laut Informationen des Magazins insgesamt 1,5 Millionen Euro gekostet haben. Insgesamt 250 000 Euro überwies Ullrich als Geldbuße, die zu zwei Dritteln an gemeinnützige Vereine und im Rest an die Staatskasse geht. Den Löwenanteil der Gesamtsumme aber machte ein Verzicht auf offene Gehaltsforderungen aus Ullrichs kurzzeitigem Engagement im Coast-Rennstall aus: Dort hatte er nach seiner Trennung von Team Telekom Anfang 2003 sein Comeback nach Dopingsperre gegeben. Wenig später war die Mannschaft allerdings bankrott und Ullrich bestritt die Tour de France im Trikot des eilig auf die Beine gestellten Bianchi-Teams.

Verfahren en masse

Vom Tisch sind die Ansprüche an Coast-Chef Günther Dahms aber noch nicht: Ullrich fordert vor Gericht in Düsseldorf weiter die Auszahlung ihm angeblich zustehender Beträge. Zudem ist in Hamburg das Verfahren zwischen dem Wahl-Schweizer und "Dopingjäger" Werner Franke anhängig: Streitfall ist dort eine Behauptung des Heidelberger Forschers, Ullrich habe mindestens 35 000 Euro auf ein Konto des spanischen Doping-Arztes Eufemiano Fuentes überwiesen.

Schließlich ist sportrechtlich weiterhin eine Sperre des stets seine Unschuld in Dopingfragen beteuernden gebürtigen Rostockers möglich. Darüber hat der für ihn zuständige Schweizer Verband zu entscheiden.

Kronzeugen vor Comeback?

Derweil hoffen zwei einstige Teamkollegen Ullrichs nach ihren Geständnissen und der Anerkennung als Kronzeugen auf eine zweite Chance im internationalen Peloton. Die verkürzten Sperren von Jörg Jaksche und Patrik Sinkewitz laufen im Sommer ab, beide haben bereits Kontakte zu Teams aus der Eliteklasse der ProTour aufgenommen. "Ich habe schon Gespräche geführt und hoffe, dass es klappt", bestätigt Sinkewitz, der ab Mitte Juli wieder startberechtigt ist.

Sogar rechtzeitig vor dem Start der Tour de France Anfang Juli in Brest könnte Jaksche wieder ins Geschehen eingreifen. "Ich bin fit und sauber, bei mir kommt nichts mehr raus", betont er und findet: "Ein Team könnte sich mit mir schmücken." Sollte der 31-Jährige tatsächlich einen neuen Arbeitgeber finden, könnte er in die Fußstapfen von David Millar treten: Der Schotte feierte als überführter Doper nach Sperre 2006 sein Comeback bei der "grande boucle" ohne zuvor auch nur einen Renntag absolviert zu haben.

Andreas Schulz / Eurosport