Eurosport - So 20.Apr. 19:38:00 2008
Am Ende blieben nur Frust, Enttäuschung - und der schwache Trost, dass Fußball-Deutschland die ansehnliche Leistung von Borussia Dortmund im DFB-Pokal-Finale gegen Bayern München mit einem gönnerhaften Nicken quittierte. Den Schmerz über das 1:2 nach Verlängerung konnte das aber nicht lindern.
Ganz im Gegenteil: Möglicherweise gerade aufgrund des Zustandekommens taten sich die BVB-Spieler und - Akteure schwer, das Scheitern im Pokal-Finale richtig zu verdauen. Denn ein von Luca Toni abgefälschter Schuss Lukas Podolskis brachte die Entscheidung zugunsten der Bayern.
Da halfen auch die lobenden Worte von Bayern-Manager Uli Hoeneß ("Dortmund hat sehr gut gespielt") direkt nach der Partie und die späteren Standing Ovations der knapp 500 Bankett-Gäste beim mitternächtlichen Empfang im Ballsaal des noblen Hotels Ritz-Carlton nichts - das Gelb in den Vereinsfarben der Borussen musste für den Rest des Abends dem tiefen Schwarz weichen.
Doll auf dem Kriegspfad
Hans-Joachim Watzke unternahm dennoch einen Versuch, die Stimmung ein wenig aufzuhellen. "Ihr habt zwar keinen Pokal, aber jede Menge Sympathien gewonnen", rief der Geschäftsführer den müden, aber stolzen Profis zu. Geholfen hat es kaum. An diesem Abend hätten seine Angestellten gerne den freundlichen Zuspruch gegen den Pokal eingetauscht.
Die Miene von Thomas Doll war ohnehin nicht aufzuhellen. Nach der Meldung eines TV-Senders am Samstag, der Mainzer Jürgen Klopp stehe bereits als Doll-Nachfolger fest, stand der BVB-Coach nicht nur mit der Sport-, sondern auch mit der Medienwelt auf Kriegsfuß. "Ich finde es einfach respektlos, dass man sich in der heutigen Medienlandschaft selbst an einem Finaltag Gedanken über einen Trainer macht", klagte der 42-Jährige. "Keine Ahnung, woher solche Dinge kommen."
Zorc: "Keine Trainerdiskussion"
Dass "solche Dinge" nicht hausgemacht sind, wollte Watzke bekunden, indem er Doll während der Siegerehrung auf dem Rasen vor laufenden Kameras in den Arm nahm und energisch bestritt, dass der Revier-Klub auf der Suche nach einem neuen Übungsleiter sei. "Da ist absolut nichts dran. Wir haben weder mit Klopp noch mit irgendeinem anderen Trainer gesprochen." Und Sportdirektor Michael Zorc stimmte in den Chor ein: "Bei uns gibt es keine Trainerdiskussion - weder intern, noch extern. Thomas hat Vertrag bis 2010. Schluss, aus."
Trotzdem: Vieles wird davon abhängen, wie sich die Mannschaft in den kommenden Wochen präsentiert. Das Endspiel gegen München war aus Borussen-Sicht ein Schritt in die richtige Richtung, denn: Das Team zeigte sich als Einheit. Doch das allein dürfte nicht reichen, um in der Bundesliga den Hebel umzulegen. "Wir wissen, dass wir noch mal Gas geben müssen. Diese Vorstellung könnte eine Initialzündung gewesen sein", sagte Kapitän Christian Wörns angesichts der nur sieben Punkte Abstand zu den Abstiegsrängen.