Pro Tour - Milram: Alles neu, alles anders

Eurosport - Fr 20.Mrz. 18:08:00 2009

Eurosport-Experte Ulli Jansch präsentiert hier exklusiv seine ganz persönliche Eindrücke von der Präsentation des deutschen Topteams Milram:

CYCLING 2009 Milram feature - 0

Eine Teamvorstellung ist kein Comedyclub. Viel zu lachen gab es nicht. Nur einmal ging eine Schmunzel-Staffette hörbar durch den Saal, als Gerald Ciolek auf dem Podium den Ortsnamen Sölden erwähnte. Heiterkeits-Reaktion bei 24 Milram-Fahrern, die gleichmäßig verteilt im Publikum saßen.

Beim (Be)Schnuppertreffen des umstrukturierten und personell neu formierten Rennstalls auf der Ski-Alm in Österreich hatten sie vom Posieren vor der Foto-Kamera auch Durst bekommen. Und dann an der Bar gesessen. Ausdauernd. Über den Jagertee-Teamrekord und den Inhaber der Bestleistung wollte keiner Auskunft geben. Aber jeder griente hintergründig.

Es menschelte. Tautropfen der Fröhlichkeit. Sie gefroren schnell wieder. Frost draußen vor den Fenstern im Schneefall von Dortmund, Unterkühlung drinnen im Saal des Pullmann-Hotels, wo der Rennstall Milram sein Team für 2009 vorstellte. 25 Rennfahrer, die in der Weltspitze mitmischen wollen.

Frühe Siege sind gefragt

Die Hälfte von ihnen ist froh, überhaupt einen Vertrag bekommen zu haben, zwei Drittel sind glücklich, weil sie in einem deutschen Rennstall unterkamen. Dem einzigen in der Eliteklasse ProTour. Diese Chance wollen die Fahrer nutzen. Ihre Motivation hat einen trotzigen Unterton: He, wir sind nicht die Konkursmasse des deutschen Profiradsports, wir sind ein Team aus selbstbewussten, konkurrenzfähigen Rennern.

Dieser Schwung machte den Manager Gerry van Gerwen übermütig: 25 Siege schrieb er in den Kampfauftrag. Erfolge gleich zu Saisonbeginn sind bei Sponsoren besonders begehrt, das wissen seine Jungs. Sie haben sich intensiv auf die ersten Einsätze vorbereitet, jeder für sich und alle zusammen im Team-Trainingslager auf Mallorca.

Und einige haben schon kleine persönliche Erfolgserlebnisse registriert: Björn Schröder hat seine Härteverträglichkeit beim Eishockey ausgeprägt, Fabian Wegmann stand kürzlich ein sechsstündiges Dauerskating auf Langlaufski im Schwarzwald durch und Robert Förster hatte gerade am Tag zuvor einen Belastungstest auf dem Ergometer absolviert mit Werten, die dem Besten entsprachen, was er je zu diesem Zeitpunkt erreicht hatte.

Generalverdacht oder Unschuldsvermutung

Diese Auskünfte gab es nicht während der routiniert aber glanzlos ablaufenden Präsentation. Sie bot viele Parolen und wenig Information, so als habe der Veranstalter die Zeichen der Zeit verstanden: Fragen zu Form oder Trainingsmethodik stellen Journalisten einem Radrennfahrer gewiss nicht. Und aus den nachdenklichen Gesichtern der Fahrer war abzulesen: Für Euch sind positive Testmeldungen doch nur dann interessant, wenn sie von der NADA kommen. Ihre Körpersprache war deutlich.

Sie fühlten sich belauert von einer Journalistenschar, die massenhaft gute Gründe und stichhaltige Beweise liefert für den ewigen Zweifel - man kann Radrennfahrern nicht trauen! Die permanente Verbreitung dieser Erfahrung in den Medien führt zu einer fatalen Konsequenz: Radrennfahrer werden von der Öffentlichkeit pauschal ausgegrenzt. Jeder meint von ihnen verlangen zu dürfen, dass sie demütig eine Schulter entblößen und sich ein Brandmal aufdrücken lassen, so wie man das im Frankreich der Ludwig-Könige mit den Dirnen tat.

Sippenhaft bei Dopingfällen

Diese Diskriminierung durch die Gesellschaft empört die Rennfahrer. Sie können Doping nur bei sich selbst verhindern, aber nicht beim Teamkollegen, nicht mal bei dem, der mit ihnen das Zimmer teilt. Aber sie werden für dessen Verhalten in Sippenhaft genommen. Natürlich haben auch sie sich ihre Gedanken über die Leistungssprünge von Schumacher und Kohl gemacht. Aber sie seien, so sagte Robert Förster, vor Beginn der Tour teamintern so hart in die Mangel genommen und vergattert worden, dass ein begründeter Zweifel unmöglich schien.

Fabian Wegmann wehrte sich gegen den Automatismus, unerwartete Resultate mit Doping zu erklären, weil er ja schließlich auch mal auf den Tag hofft, an dem er über sich hinaus wächst, ein Rennen gut für ihn läuft und ihm das große Ding gelingt.

Die beiden ehemaligen Gerolsteiner haben für Doping der anderen schon gezahlt: Es gab keine Prämie für die Tour. Sie wäre ohne die positiven Befunde erklecklich ausgefallen.

"Ablösesumme" für Gerdemann?

Einen hübschen Bonus mag es das Team gekostet haben, seinen jetzigen Kapitän Linus Gerdemann aus dem Vertrag bei Columbia herauszubekommen. Er dürfe darüber nicht sprechen, sagte van Gerwen, es sei eine Schweigeklausel mit Bob Stapleton vereinbart und eine astronomisch hohe Strafe im Falle ihrer Verletzung.

Kurz zuvor hatte er den Journalisten unbegrenzte Transparenz zugesichert. Das größte Problem im Berufsfahrer-Milieu ist nicht Doping, sondern der Mangel an Glaubwürdigkeit in allen Bereichen.

Sponsor Nordmilch trat gar nicht in Erscheinung. Kein Bekenntnis zum Team bei dessen Präsentation, keine Botschaft an die Medien. Beim Trainingslager auf Mallorca habe der Vorstandschef des Molkerei-Konzerns das Team besucht, sagte Manager van Gerwen. Eine Pressmitteilung darüber gab es nicht. Entweder war die Presseabteilung schon in den Weihnachtsferien oder der Sponsor hatte kein Interesse an der Veröffentlichung. Ungewöhnlich. Wie das Milram-Motto für 2009: Alles neu, alles anders.

Ulli Jansch / Eurosport

Kommentare 1 - 2 of 2

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  1. Mein lieber Ulli Jansch. Mit Deiner Schreibe haettest­ Du in meinem Deutsch LK mit viel keine 3 Punkte­ bekommen, aber das ist auch schon (fast) 30 Jahre her,­ mittlerweile kann wohl jeder ein paar Buchstaben­ zusammenbasteln und fuer Eurosport den Experten­ spielen. Neben schwachem Stil bringt der Artikel­ zumindest auch inhaltlich nichts und bleibt damit­ zumindest konstant. 3 Punkte, nochmal versuchen.

    Von Morski, am Do 15.Jan. 1:23
  2. Also etwas selbstbewusster sollten die Fahrer aber­ sein, oder nicht? Ich meine, wenn die von Astana doch­ auch selbstbewusst sind, dann sollen sich unsere mal­ auch nicht verstecken. Sie sollen ehrlich und ungedopt­ und eben so gut wie möglich fahren und wir wünschen­ ihnen auch alles Gute, aber sie sollen nicht in Sack­ und Asche gehen und sich immer wieder grämen. neues­ Jahr: neues Spiel und neues Glück.Sie sollen sich mal­ an Lance ein Beispiel nehmen. Kennt er Zweifel? Wenn­ ja, dann trägt er sie nie nach außen und macht doch­ immer das Beste aus allem. Er hätte jetzt Grund zur­ Angst, Grund zu der Befüchtung zu stürzen oder nicht­ mehr der Beste zu sein und er macht sich aber auch­ nicht verrückt und so sollen sich unsere Milrams auch­ mal nicht verrückt machen, nur einfach gut weiter­ trainieren undimmer das Beste geben. Kopf hoch Mann.­ Und die Journalisten sollen auch mal wieder mehr Freude­ und Optimismus verbreiten. Ich meine, Horrormeldungen­ über Krieg im Gaza usw haben wir genug und dann will­ ich im Radsport was Schönes sehen...mal Nichts Böses,­ nur guten Sport.

    Von Livestrong, am Mi 14.Jan. 18:40
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