Eurosport - Do 20.Mrz. 15:45:00 2008
Der Traum des "Generals" von drei Titeln zum Abschied geht weiter. Beim 2:0-Erfolg im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg sah Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld die erwartete Trotzreaktion seines Star-Ensembles nach der peinlichen Pleite im Liga-Spiel gegen Energie Cottbus.
Solch ausgelassene Jubelszenen gab es zuletzt selten: Das Münchner Orchester reihte sich vor seinen Fans auf, ein paar Meter davor kniete Dirigent Franck Ribery auf dem Rasen und gab den Einsatz - dann sprangen alle auf, der Freuden-Tanz der Münchner konnte beginnen.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar - die Erleichterung nach der indiskutablen Vorstellung gegen den Tabellenletzten aus Cottbus (0:2) und dem unmotivierten Auftritt im UEFA-Cup-Rückspiel gegen den RSC Anderlecht (1:2) war riesig. Denn die dürftigen Leistungen zuletzt sorgten dafür, dass nicht nur Tief "Kirsten" in der Säbener Straße ordentlich Wirbel veranstaltete. Das trostlose Ballgeschiebe rief die obersten Wetter-Frösche Uli Hoeneß, Oliver Kahn und Hitzfeld sogleich auf den Plan. Die bayrischen Strömungsexperten schlugen Alarm und warnten vor den Ausläufern Arroganz, Hochmut und Leichtsinnigkeit. Mit Erfolg. "Es war wichtig, dass wir heute ein Zeichen gesetzt haben und ich hoffe, dass wir am Samstag da weitermachen, wo wir heute aufgehört haben", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.
Nach dem überzeugenden Sieg gegen den harmlosen VfL wird die Abschiedstour für den scheidenden Hitzfeld zu einer wahren Trophäenjagd. In der bayrischen Metropole sollen nach dieser Saison Meisterschaft, UEFA-Cup-Triumph und Pokal-Sieg gefeiert werden.
Wolfsburg versteckt sich
"Das ist natürlich ein Traumfinale für mich. Nach sieben Jahren Dortmund und sieben Jahren München nochmals gegen Dortmund in einem Finale in Berlin antreten zu können. Der Kreis schließt sich", freute sich Hitzfeld.
Der Auftritt gegen die Wolfsburger zeigte: Die Bayern sind sich nicht nur ihres fußballerischen Potenzials bewusst, sondern auch darüber, dass a) auch gegen einen spielerisch unterlegenen Gegner über die gesamte Spielzeit Vollgas gegeben werden muss und b) Lethargie und Geduld zwei verschiedene Paar Stiefel sind.
Vor allem Letzteres zeichnete die Münchner beim ungefährdeten Erfolg gegen die formstarke Werks-Elf aus. Trotz einiger Torchancen der Gäste dominierte der Tabellenführer die Partie und hatte das Geschehen jederzeit im Griff. Ganz im Gegensatz zu Trainer Felix Magaths Ankündigung "nach vorne" spielen zu wollen, versteckten sich die Wolfsburger über weite Strecken. Bayern rannte an - aber nicht kopflos. Druckvoll, aber geduldig beackerte der FCB das Abwehrbollwerk des VfL. In der 60. Minute tat sich dann der erste große Riss in der Festung Wolfsburg auf.
Wer dazugehören will, muss strampeln
"Rotationsweltmeister" Hitzfeld entschied sich für die sichere Variante - er begnadigte den aus dem Kader gestrichenen Martin Demichelis und führte wieder das Leistungsprinzip ein. Demichelis bewies, dass er auf der Position des Innenverteidigers momentan zu den Besten in Europa gehört, der Rest vom Schützenfest, dass die Bayern zwar über einen ausgeglichenen Kader, aber auch über eine klar umrissene Spitze verfügen. Wer dazugehören will, muss ordentlich strampeln.
Lukas Podolski tat es, ebenso Marcell Jansen auf der linken Außenverteidigerposition. Christian Lell zeigte, dass er auf der gegenüberliegenden Seite eine echte Alternative ist, Mirolsav Klose, dass er den Ausweg aus seinem kleinen Formtief gefunden hat. "Ich werde keine Zugeständnisse mehr machen und knallhart nach Leistung aufstellen", erklärte Hitzfeld noch vor wenigen Tagen. Zugeständnisse wird der 59-Jährige auch hinsichtlich der Saisonziele nicht mehr machen.
Stefan Zürn / Eurosport