Bundesliga - FC Bayern 2012: Triple oder Trauer?
Fr 20.Jan. 11:48:00 2012
Für den FC Bayern kann das Jahr historisch werden. Aber ist die Qualität wirklich groß genug? Ist wirklich alles so harmonisch? Bei eurosport.yahoo.de antworten die, die es wissen müssen: eurosport.yahoo.de hat bei den Bayern-Reportern wichtiger deutscher Sport-Medien nachgefragt.
Julien Wolff (Die Welt und Welt am Sonntag): Philipp Lahm stemmt den Pokal in die Luft. Konfetti fliegen. Jubel. Der Traum des FC Bayern vom Gewinn der Champions League wird am 19. Mai wahr, wenn: 1. Kein Leistungsträger sich verletzt. Die Bank der Münchner ist nicht herausragend. 2. Arjen Robben seine Bestform erreicht. 3. Der FC Barcelona tatsächlich etwas "erfolgssatt" ist. 4. Trainer Jupp Heynckes Rechtsverteidiger Rafinha besser macht. Die Bayern haben eine historische Chance. Meine Prognose: Sie packen's. Weil Heynckes perfekt zur Mannschaft passt, und weil Schweinsteiger, Holger Badstuber, Franck Ribery und Mario Gomez in Titelform sind.
Michael Knippenkötter (tz München): Der FC Bayern steht vor einem ganz großen Jahr, keine Frage! Die Konstellation für den Triple-Triumph ist wohl so gut wie schon lange nicht mehr, insbesondere die Chance, ein Champions-League-Finale im eigenen Stadion spielen zu können, ist sensationell.
Und genau da wird das Problem liegen: Mit jeder weiteren Runde in der Königsklasse wird nur noch der 19. Mai in den Köpfen der Spieler spuken. Und während man früher eher im Vorbeigehen noch schnell die Meisterschale eingesteckt hat, ist nun mit Borussia Dortmund ein echter Rivale mit an der Spitze - also ein Titelverteidiger ohne Dreifachbelastung, die süße Verlockung des Europacups wurde ja schon in der Hinrunde weggenascht. Bedeutet: Dieses Jahr wird groß, aber leider nicht ganz groß für den FC Bayern.
Tobias Altschäffl (SPORT-BILD): Alle Stars fit, alle Tests gewonnen: Die Bayern scheinen gerüstet zu sein für das Unternehmen Triplegewinn. In den nächsten Monaten kann der deutsche Rekordmeister alles gewinnen - aber auch sehr viel verlieren. Aber Vorsicht: Im Moment herrscht in München eine Ruhe, der selbst die Verantwortlichen nicht trauen. Zu viel Harmonie sei nicht förderlich, der Verein brauche Reibung und Konflikte, mahnt deshalb Philipp Lahm intern vor dem Rückrundenstart.
Verpatzt der FC Bayern den Rückrundenstart, könnten schnell einige Brandherde wieder Thema werden: Was passiert mit Thomas Müller, wenn alle Spieler fit sind? Lässt Heynckes seinen Lieblingsspieler Toni Kroos weiter auf der Zehn spielen? Halten Anatoli Timoschtschuk und Luiz Gustavo still, wenn sie auf die Bank müssen? Und wie lange akzeptiert Jerome Boateng klaglos die ungeliebte Rolle des Rechtsverteidigers? Zudem liegt über der gesamten Rückrunde der Druck des Champions-League-Finals in München. So lange die Bayern in der Königsklasse dabei sind, kann diese Aussicht leistungssteigernd wirken. Aber wehe, der Traum vom 19. Mai 2012 platzt irgendwann...
Keine Frage: Kein Verein der Bundesliga hat so viel Qualität wie die Bayern, auch nicht Hauptkonkurrent Dortmund. Dreimal in Folge wurde zuletzt gegen den BVB verloren, der Stachel sitzt tief in München. In der Liga wird keine Mannschaft die Bayern aufhalten. Und in der Champions League? Basel ist im Achtelfinale so etwas wie ein Freilos, danach sind es nur noch zwei Runden bis zum großen Finale von München. Gehen die Bayern in Viertel- und Halbfinale Barcelona aus dem Weg, ist das Endspiel durchaus realistisch.
In der Offensive sind die Bayern dabei schon fast auf Barcelona-Niveau: Wie Robben, Ribéry, Gomez & Co. können jedem Gegner in Europa Probleme bereiten. Apropos Robben: Der Holländer quälte sich in der Vorbereitung wie kein anderer Bayern-Spieler, legte regelmäßig Extra-Schichten ein. Der Mittelfeldstar brennt auf die Rückrunde. Er will allen beweisen, dass er noch genauso stark wie in seiner ersten Saison ist. Die baldige Vertragsverlängerung sollte ihn dabei noch mehr stärken.
Triple oder Trauer: Die Bayern stehen vor den aufregendsten Monaten der jüngeren Vereinsgeschichte. Und egal wie die ausgehen, eines ist in München definitiv ausgeschlossen: Langeweile!
Christian Ortlepp (Chefreporter SPORT1): Die Chance auf das Triple ist riesig - und wenn nicht allzu viel schief läuft, wird der FC Bayern drei Mal auf dem Balkon am Marienplatz stehen - obwohl: Für den Gewinn des DFB-Pokals wird es dort bestimmt keine Extra-Feier geben. Ein großes Problem entsteht nur dann, wenn sich einer der großen Vier - Robben, Ribery, Schweinsteiger, Gomez - verletzt. Logisch, in der Champions League braucht man zwei Mal etwas Losglück, vielleicht sollte nicht schon im Viertelfinale der FC Barcelona kommen. Aber wenn der FC Bayern ins Finale im eigenen Stadion einzieht, wird er sich den der Sieg nicht nehmen lassen!
Uli Köhler (Sky Sport News HD): Der FC Bayern hat das Potenzial zum Triple, aber nur mit ganz viel Glück. Real Madrid und der FC Barcelona spielen einfach in einer anderen Liga. Doch außer diesen beiden absoluten Topklubs können die Münchner alle schlagen. Je weiter die Elf von Trainer Jupp Heynckes in der Champions League kommt desto schwieriger wird die Bundesliga.
Daniel Rathjen (Fußballressortleiter Eurosport): Die Champions League schwebt über allem. Wie sich ein Finale in Europas Elite anfühlt, wissen viele der Bayern schon. Und im Vergleich zu 2010 ist der Mannschaftskern weiter gereift. Gehen die Münchner nach Basel dem FC Barcelona bis zum Endspiel aus dem Weg, ist die Chance auf den Henkelpott enorm groß.
Für das Triple muss allerdings alles perfekt laufen. Das heißt: Robben und Ribery dürfen sich nicht verletzen - auch ein erneutes langes Fehlen von Schweinsteiger wäre fatal. Der Garant für den Erfolg in allen Wettbewerben ist jedoch Trainer Jupp Heynckes. Mit seiner Ruhe, Zielstrebigkeit und Autorität hat er das Team im Griff. Allein, dass es tatsächlich keine größeren Problemfelder beim FC Bayern gibt, ist historisch.
Video: Vorschau zum Kracher M'gladbach-FC Bayern
Eurogoals: FCB vs. BMG
TV-Tipp:
Der African Cup of Nations - vom 21. Januar bis 12. Februar. Eurosport und Eurosport2 zeigen alle 32 Spiele live und berichten ausführlich aus Äquatorialguinea und Gabun. Mehr als 200 Stunden Berichterstattung lassen für Fußballfans keine Wünsche offen.
Eurosport
Bemerkung
Kommentarfunktion ist für diesen Artikel nicht verfügbar.