Eurosport - Mo 19.Nov. 12:56:00 2007
Kaum hatte sich Italien in Schottland zur EURO gezittert, spuckt der Fußball-Weltmeister auch schon wieder große Töne. Während WM-Erfolgscoach Marcello Lippi gleich den EM-Titel prophezeite, ließ sich Mittelfeld-"Terrier" Gennaro Gattuso zu derben Sprüchen über Frankreich hinreißen.
"Dass wir Frankreich zur EM geschossen haben, geht mir auf die Eier. Schottland hätte es mehr verdient", hetzte der Milan-Star in italienischen Medien und schickte noch einen Gruß an den französischen Nationaltrainer hinterher: "Domenech hat so viel Schwachsinn über uns erzählt, aber dafür wollen wir ihm bei der EM wieder eine Lektion erteilen."
Durch den glücklichen, aber nicht unverdienten 2:1 (1:0)-Erfolg bei den aufopferungsvoll kämpfenden "Bravehearts", ebneten die Italiener gleichzeitig dem Rivalen unfreiwillig den Weg zur EURO 2008 in Österreich und der Schweiz.
Lippi: "Italien wird Europameister"
Doch kaum war die sportliche Achterbahnfahrt beim "Endspiel" vor 51.301 ekstatischen Fans im Hampden Park schadlos überstanden, kündigte der Fußball-Weltmeister aus allen Richtungen schon wieder vollmundig neue Großtaten an: "Dieses Team wird Europameister", prophezeite WM-Trainer Marcello Lippi, die "Gazzetta dello Sport" warnte den Kontinent schon mal vor: "Europa, wir kommen! Es lebe Italien!"
Dabei hing der Sieg am seidenen Faden, was in erster Linie dem unterirdisch schlecht agierenden Schiedsrichtergespann um Manuel Mejuto Gonzalez geschuldet war.
Die spanischen Unparteiischen lagen bei fast allen umstrittenen Entscheidungen falsch. In der 16. Minute hätte der Referee auf Handelfmeter für die Schotten entscheiden können, als Gianluca Zambrotta einen satten Schuss von Lee McCulloch mit dem Arm abfälschte. Man muss Schiri Gonzalez zu Gute halten, dass auch zig Zeitlupen nicht endgültig den Beweis antraten, ob Gianluca Zambrotta mit dem angelegten Arm zum Ball ging oder eben nicht.
Fehlentscheidungen benachteiligen beide Teams
Unstrittig dagegen die Fehlentscheidungen: Antonio di Natales Tor zum 2:0 in der 31. Minute wegen angeblicher Abseitsstellung nicht anzuerkennen, dafür aber Barry Fergusons 1:1 trotz klarer Abseitsposition durchzuwinken. Ebenso falsch: Den Freistoß für Italien zu geben, der Christian Panucchis Siegtreffer vorausging. Der eingewechselte Giorgio Chiellini rammte Alain Hutton vor den Augen des Schiedsrichterassistenten an der schottischen Torauslinie um - ein klares Stürmerfoul. "Wir wurden vom Referee beraubt", schimpfte der völlig bediente Torjäger James McFadden.
Toni in überragender Form
Vielleicht wurden die Schotten teilweise vom Schiedsrichter-Trio um den verdienten Lohn gebracht, ganz sicher wurden die "Bravehearts" vom überragenden Luca Toni mitbesiegt.
Der Bayern-Torjäger unterstrich seine bestechende Form mit dem Blitzführungstor nach 70 Sekunden und einer bärenstarken Leistung. "Tuttosport" huldigte dem Sturm-Tank: "Toni hat gekämpft wie ein Löwe. Er war der Fixpunkt, an dem sich die Mannschaft aufgerichtet hat."
Alexander Beisse / Eurosport