Dortmund (dpa) - Die Profis sind von der Trainerdiskussion genervt, doch der VfL Bochum spielt bei der Suche nach einem möglichen Nachfolger für Interimscoach Frank Heinemann weiter auf Zeit.
«Wir haben den Kreis eingeengt und werden das weiter tun. Dann werden wir irgendwann zu einer Entscheidung kommen. Ich kann das nicht in Prozent beziffern, aber ich gehe davon aus, dass Frank Heinemann auch im nächsten Spiel noch auf der Bank sitzt», sagte VfL- Sportvorstand Thomas Ernst nach dem 0:2 (0:1) in der Bundesliga- Partie bei Borussia Dortmund. Er forderte nicht nur von der Mannschaft eine Reaktion: «Jetzt ist eine Situation, wo er zeigen kann, wie sehr er den Laden im Griff hat.»
Am Tag nach dem Spiel folgte eine deutliche Ansprache von Ernst und Heinemann an die Mannschaft. Auch nach dem mutlosen Auftritt seiner Elf, die zahlreiche Fehler beging, darf sich die Übergangslösung offiziell weiter Hoffnung machen, dauerhaft die Chefrolle zu übernehmen. «Wir haben Frank Heinemann nie ausgeschlossen und werden das auch weiterhin nicht machen», sagte Ernst, der die Mannschaft «in guten Händen» weiß. Diese Woche soll ein Gespräch zwischen Vereinsführung und Heinemann anstehen. Finanzvorstand Ansgar Schwenken und der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Altegoer sind vor kurzem aus einem zehntägigen Urlaub zurückgekehrt. «Wir haben keine Eile, einen Schnellschuss zu machen», erklärte Ernst.
Damit erinnert das langwierige Chefcoach-Casting vier Wochen nach der Entlassung von Marcel Koller an eine unendliche Geschichte, auf die die Spieler mittlerweile dünnhäutig reagieren. «Es nervt langsam, wenn man immer wieder darauf angesprochen wird. Man muss es einfach hinnehmen, dass die beiden nun unsere Trainer sind. Ich denke, dass diese Woche eine Entscheidung getroffen wird», vermutet Kapitän Marcel Maltritz ein Votum für Heinemann und Assistent Dariusz Wosz. «Die Jungs sollen sich auf ihren Job konzentrieren und Fußball spielen. Sie sollen keine Ausflüchte suchen», konterte Ernst.
Zwei couragierte Arbeitsproben mit vier Punkten und ein Rückfall in alte Auswärts-Zeiten - so lautet die Zwischenbilanz unter Heinemann. «Ich bin maßlos enttäuscht, wie wir hier aufgetreten sind», sagte der 44-Jährige. In der Halbzeitpause habe er auf alles hingewiesen, «was man mitbringen muss, um Profi zu sein». Doch besonders Christian Fuchs schien dieses Wissen in der Kabine vergessen zu haben. Der österreichische Linksverteidiger wirkte komplett indisponiert und vertändelte vor dem Führungstreffer durch Lucas Barrios (20. Minute) den Ball. Fünf Minuten später nahm Heinemann ihn vom Feld. «Ich wollte damit ein Zeichen setzen und durch den Wechsel wachrütteln», begründete der Coach die Maßnahme.
Doch auch nach der Pause machten die Bochumer einen schläfrigen Eindruck und kassierten durch Neven Subotic (51.) prompt den zweiten Treffer. «Wir haben diese Fehler auch provoziert», freute sich BVB- Coach Jürgen Klopp über den zweiten Erfolg in Serie. Besonders der Argentinier Barrios deutete mit Laufstärke und feiner Ballbehandlung an, dass er sich das Prädikat Welttorjäger in Chile wohl nicht ganz zu Unrecht erarbeitet hat. Erst kurz vor Schluss kam die Borussia noch etwas in Bedrängnis, doch auch dafür hatte Klopp eine augenzwinkernde Erklärung: «Wir haben den (Torwart) Roman (Weidenfeller) noch ein bisschen ins Boot genommen, dass er auch seinen Anteil am Sieg hat.»


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