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Werder nach 3:3 gegen Dortmund im Mittelmaß

So 19 Okt, 09:55 Uhr


Bremen (dpa) - Werder Bremen bleibt die Torfabrik und Schießbude der Fußall-Bundesliga und ist nach einem neuen Stück aus dem Kuriositäten-Kabinett nur noch Mittelmaß.

Mit dem Schlusspfiff kassierten die als Titelaspirant gestarteten Hanseaten das 3:3 (0:0) gegen die unter Jürgen Klopp aufblühenden Dortmunder Borussen und vermasselten sich damit den durch Claudio Pizarros spektakulären Doppelpack (88./90.+1) sicher geglaubten Sieg. Die haarsträubende Sorglosigkeit der mit 19 Gegentoren in 8 Spielen schlechtesten Abwehr der Liga brachte die Bremer Verantwortlichen in Rage und provozierte vier Tage vor dem wichtigen Champions-League- Spiel bei Panathinaikos Athen ein gehöriges Donnerwetter.

«Manche lernen es nie. Ich hoffe nur, dass es nicht einer von uns ist», schimpfte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs nach dem Last- Minute-Gegentor des früheren Bremers Mohamed Zidan über seine «Schnarchnasen» und legte bissig nach: «Wir können ja 24 Stunden mit akustischen Signalen, Videoberieselung und Stromstößen arbeiten, aber das ist ja nicht erlaubt.» Zwar haben die Zuschauer im Bremer Weserstadion mit dem 5:4 gegen Hoffenheim nun 15 Tore in zwei Spielen gesehen, doch Feierstimmung kam nach dem fahrlässig vergebenen Sieg in der 1500. Bundesliga-Partie nicht auf. Nur einen positiven Effekt hatte das in der ersten Halbzeit langweilige und in der Schlussphase verrückte Spiel: Die Spekulationen um einen Rücktritt von Werder- Kapitän Torsten Frings aus der Nationalelf gerieten zur Nebensache.

«Wenn man die Tabelle anschaut, sind wir Mittelmaß», ärgerte sich Trainer Thomas Schaaf. «Und wenn man sieht, dass wir unsere Spiele nicht durchbringen, auch.» Zornig hatte er seine Spieler nach dem Schlusspfiff in die Kabine beordert und ihnen die Leviten gelesen. «Wenn man in der letzten Minute den Siegtreffer macht, muss man mit allem, was man hat, das Tor verteidigen», habe Schaaf ihnen klar gemacht, berichtete Kapitän Frank Baumann. Nach der Elfmeter-Führung der Dortmunder durch Alexander Frei (59.), der für den verletzten Tamas Hajnal ins Team gekommen war, hatte er seinen Fehler beim Foul im Strafraum gegen Sebastian Kehl korrigiert und das 1:1 (68.) markiert.

Der vor allem bei Kontern über den schnellen Jakub Blaszczykowski gefährliche BVB schlug allerdings schon vier Minuten später zurück und ging durch das erste Bundesliga-Tor des gerade eingewechselten Mats Hummels wiederum in Führung. «Zu dem Zeitpunkt wären wir mit einem Punkt sicherlich nicht zufrieden gewesen», meinte Klopp. Am Ende war er sogar erleichtert, dass Zidan wenigstens einen Zähler gerettet hatte: «Erst 2:1, dann 2:3 - wer sich da nicht über einen Punkt freut, muss geisteskrank sein.» Der in Bremen aussortierte Zidan erklärte - zurück von einem Besuch in der Werder-Kabine - mit Genugtuung: «Gegen die Ex-Mannschaft ist es immer etwas Besonderes.»

«Ich habe sehr deutliche Worte gefunden und erwarte eine Reaktion in der Mannschaft», sagte Schaaf nach seiner Gardinenpredigt, die am Mittwoch in Athen Wirkung zeigen muss. Während sich Keeper Tim Wiese den bohrenden Fragen nach seinem Patzer beim letzten Gegentor stellte («Wir müssen den Ball schon vorher klären»), verschwand Frings ohne ein Wort zu seinen Rücktrittsgedanken aus der Nationalmannschaft. «Er hat sehr engagiert gespielt - über alles andere haben wir uns schon geäußert», sagte Schaaf. Und Allofs ergänzte: «Es bringt nichts, wenn jetzt jeder seine Meinung dazu sagt. Wir als Werder Bremen wollen, dass Frings Nationalspieler bleibt.»

 

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