Eurosport - Fr 19.Okt. 13:25:00 2007
Ein Klassiker des deutschen Fußballs zieht auch in der 2. Bundesliga die Massen in seinen Bann. Wenn die rheinischen Rivalen Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln aufeinandertreffen, lockt das Duell die Massen an. Der Borussia-Park ist seit Wochen mit 54.067 Zuschauern ausverkauft.
Die Anhänger beider Lager fiebern der Partie der Altmeister und finanzstärksten Vereine des Unterhauses entgegen. Zusammen errangen die Traditionsclubs acht deutsche Meistertitel, sieben DFB-Pokalsiege und zwei UEFA-Pokal-Erfolge (Mönchengladbach). "In diesem Spiel treffen Fußball-Religionen aufeinander", sagte FC- Manager Michael Meier.
Mit Etats von 40 Millionen Euro (Mönchengladbach) und 36 Millionen Euro (Köln) führen die ewigen Rivalen die Geldrangliste der 2. Liga an. Längst hat das Fieber im Rheinland auch die Profis erfasst. "Ich freue mich riesig auf das Derby. Die Hütte ist voll, Riesenstimmung und ganz Fußball-Deutschland guckt zu", sagte Borussias Sascha Rösler. "Ich glaube, man hätte 100.000 Tickets verkaufen können", meinte sein Teamkollege Eugen Polanski. Auch Kölns Trainer Christoph Daum ist sich der Dimension des Spiels bewusst. "Es wird die schwierigste Aufgabe des Jahres für uns."
Voraussetzungen könnten kaum unterschiedlicher sein
Vor dem 75. rheinischen Derby im Liga-Betrieb könnten die Voraussetzungen kaum unterschiedlicher sein. Während sich der fünfmalige deutsche Meister vom Niederrhein nach dem Abstieg im Sommer in der neuen Liga schnell akklimatisierte und nach zuletzt sechs Siegen in Serie den direkten Wiederaufstieg anpeilt, gleicht die Kölner Saison bislang einer Achterbahnfahrt. Das ständige Auf und Ab ist ein Spiegelbild der FC-Entwicklung seit dem ersten Bundesliga- Abstieg 1998.
Die Gastgeber schwimmen hingegen auf einer Euphoriewelle. Eine ähnliche Siegesserie gab es zuletzt unter Trainer Hans Meyer. In der Aufstiegssaison 2000/2001 gewann Borussia fünf Mal hintereinander. Auch die eklatante Auswärtsschwäche der vergangenen Jahre ist behoben: Bei den zurückliegenden drei Erfolgen auf fremden Plätzen schoss die Elf von Jos Luhukay elf Tore.
Von ähnlichen Erfolgen ist der FC Köln weit entfernt. Der unter der Regie von Daum im Sommer schon zum zweiten Mal umgekrempelte Kader hat noch immer nicht zueinander gefunden. Zwölf neue Spieler wurden geholt. Bislang hat sich der Aufwand aber noch nicht gelohnt.
Gladbacher Neuzugänge haben eingeschlagen
Obwohl der rheinische Rivale seinen Kader auch runderneuert hat, läuft es bei ihm deutlich besser. Von dem Dutzend neuer Profis, die im Sommer für rund 5,2 Millionen Euro kamen, erwiesen sich Marcel Ndjeng, Rob Friend, Sascha Rösler, Roel Brouwers, Patrick Paauwe und der ehemaliger Kölner Alexander Voigt allesamt als Verstärkungen. Zudem trat die Borussia bei gleichzeitig 15 Abgängen im Gegensatz zu den Kölnern stets kompakt auf.
Obwohl auch die Borussia noch immer von der erfolgreichen Vergangenheit zehrt und sich auf die große Tradition beruft, macht die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit den Kölnern mehr zu schaffen. "Der FC ist der gefühlte Dritte in der 1. Liga", beschwerte sich Meier über die Mentalität in der Domstadt. Viel Hoffnung auf schnellere Besserung der Kölner Situation hat er dabei nicht. "So lange du dieses Missverhältnis hast, wirst du immer wieder die Problematik haben, diese Diskrepanz zu überbrücken."
dpa / Eurosport