WM in Berlin - "Doping-Freigabe wäre das Ende"

Eurosport - Mi 19.Aug. 20:18:00 2009

Tim Lobinger steht Eurosport im "Interview der Woche" Rede und Antwort zur momentanen Situation in der deutschen Leichtathletik, der WM 2009 in Berlin und der aktuellen Dopingproblematik. Dabei nimmt der 36-Jährige wie immer kein Blatt vor den Mund und nennt alle Dinge beim Namen.

ATHLETICS 2009 Lobinger exklusiv - 0

Mit Tim Lobinger fehlt der wohl bekannteste deutsche Name bei der WM 2009 in Berlin. Wie tief sitzt der Stachel, dass Sie nicht beim Saisonhöhepunkt dabei sind?

Tim Lobinger: Der größte Schmerz ist bereits verarbeitet. Es hat aber schon einige Wochen gekostet, um damit umzugehen und täglich damit zu trainieren. Aber ich bin ein Kämpfer und stecke mir bereits wieder neue Ziele.

Was waren die wesentlichen Gründe, warum es mit der Qualifikation nicht geklappt hat?

Lobinger: Mit meinem großen Ehrgeiz und meinem Perfektionismus stand ich mir diesmal selber im Weg. Ich wollte nicht nur neue Wege gehen, sondern die Dinge auch zu 110 Prozent richtig machen. Damit habe ich mich einfach ausgebrannt. Insgesamt hatte ich zu viele Baustellen und wollte es mir zu sehr beweisen, dass ich der beste deutsche Stabhochspringer bin.

Gab's tröstende Worte vom Verband?

Lobinger: Das hat der Verband eigentlich noch nie geschafft und das wird es auch in den nächsten Jahren nicht geben, wenn der DLV nicht anerkennt, dass man erfahrenen Athleten im entscheidenden Augenblick auch mal im zwischenmenschlichen Bereich aushelfen sollte. Ich bin nicht einmal darüber informiert worden, dass ich nicht für die WM in Berlin nominiert wurde. Nicht einmal als Ersatzmann. Da gab es wieder mal eine absolute Nullkommunikation. Völlig unprofessionell.

Somit haben Sie sicherlichauch keine offizielle Einladung zur WM im eigenen Land erhalten?

Lobinger: Ich habe weder eine Einladung noch habe ich die Möglichkeit bekommen, mit einer Eintrittskarte für Berlin versorgt zu werden. Obwohl man schon wusste, dass der Samstag mit der Entscheidung im Stabhochspringen bereits ausverkauft ist. Da müssen viele noch nachsitzen, die im Verband arbeiten.

Ihre erste WM hatten Sie 1993 in Stuttgart. Welche Erinnerungen verbinden Sie noch an diesem Wettkampf vor 16 Jahren?

Lobinger: Die Stimmung war gigantisch. Wenn ich aber in diesen Tagen auf die Zuschauerränge in Berlin blicke, bin ich schon ein bisschen enttäuscht. In Stuttgart war das Stadion immer ausverkauft. Um 09:30 Uhr waren schon 50.000 Zuschauer da, um die deutschen Zehnkämpfer anzufeuern, die um eine Medaille mitgekämpft haben. Berlin ist ein großes Stadion, aber es war an den ersten Tagen nicht einmal zu 80 Prozent ausverkauft. Das finde ich schade, denn ich hatte mir eigentlich ein volles Stadion gewünscht.

Kurz vor der WM in Berlin wurde immer wieder Stimmen laut, dass die Veranstaltung nicht professionell genug vermarktet wurde. Sehen Sie das genauso?

Lobinger: Man hat mit Michael Mronz eigentlich einen der besten Vermarkter gehabt. Er ist ein Profi durch und durch, mit dem wir auch zusammenarbeiten. Im Rahmen seiner Möglichkeiten hat er mit Sicherheit alles getan, um die WM zu pushen. Er war schon vor zwei Jahren bei der WM in Osaka und hat sich Tipps abgeholt. Der Verband hätte in der Hallensaison anfangen müssen, diesen Höhepunkt medial zu verbreiten. Dabei denke ich an Medienpartner wie die Bild-Zeitung oder Eurosport. Dafür hätte man natürlich etwas Geld in die Hand nehmen und vielleicht auch die DLV-Gala absagen müssen.

Welche Rolle spielt der Heimvorteil, wenn man bei einer WM im eigenen Land an den Start geht? Verleiht das wie beim 800m-Lauf von Siebenkämpferin Jennifer Oeser zusätzliche Flügel?

Lobinger: Mit Sicherheit. Der Großteil der deutschen Athleten weiß, dass diese WM genau das ist, was sie sich als Kind immer erträumt haben. Das beflügelt, das gibt Kraft. Das sind Träume, die sich verwirklichen und das beeinflusst Karrieren. Natürlich gibt es auch eine Minderheit, die genau an diesem Druck zerbrechen.

Welcher deutsche Athlet oder welche deutsche Athletin hat bei dieser WM das größte Potenzial zum internationalen Star?

Lobinger: Mit Ariane Friedrich haben wir momentan den Star, den der Verband eigentlich haben wollte und herbei gesehnt hat. Sebastian Bayer, mit dem ich übrigens lange zusammengewohnt habe, ist aber für mich auch ein, wenn nicht sogar das Gesicht der deutschen Leichtathletik in diesem Jahr. Nicht nur national, sondern auch international. Er ist dem Verband aber ein Dorn im Auge, weil er auch gerne mal Probleme anspricht und kritisiert.

Wie viele Medaillen trauen Sie dem DLV-Team zu?

Lobinger: Man muss mit Medaillenprognosen immer vorsichtig sein. Ich selbst war so oft Vierter oder Fünfter bei einer Weltmeisterschaft mit ein und derselben Höhe, dass ich sage, dass es sehr wenig ist, was es am Ende des Tages ausmacht. Ich denke, wir werden sehr, sehr viele Top-8-Platzierungen haben. Ich bin mir aber sicher, dass wir insgesamt fünf Medaillen machen.

Zu Beginn der WM gab's gleich einen echten Kracher mit der neuen 100m-Weltrekordzeit von Usain Bolt. Sind die 9,58 Sekunden in Zukunft noch zu knacken?

Lobinger: Wenn man jetzt anfängt, darüber zu philosophieren, dass 9,50 Sekunden die neue Schallmauer sind, dann ist das einfach unglaublich. Ich glaube, dass der Lauf in Berlin mit dem Start, dem Rückenwind und der Frequenz fast schon optimal war. Es war aber mit Sicherheit nicht der letzte Weltrekord von Bolt.

Sind solche Dimensionen überhaupt noch realistisch oder muss man die Leistung von Bolt und allen anderen Topsprintern kritisch hinterfragen?

Lobinger: Ich sage immer, wir haben damals Bob Beamon gehabt, der mit 8,90 Meter einen Fabelweltrekord gesprungen ist. Wenn er konstant um die 8,70 gesprungen wäre, wäre er der Carl Lewis der 60er Jahre gewesen. Wenn man sich die Karriere von Bolt anschaut, dann ist er im Alter von 15 Jahren bereits allen anderen davon gelaufen und bei den zwei Jahre älteren Athleten Weltmeister geworden. Er ist 20,25 Sekunden mit 16 über 200 Meter gelaufen. Das sind einfach Werte, die an Ikonen wie Sergej Bubka oder andere Sportgrößen erinnern. Vielleicht hat die Leichtathletik einfach Glück und ein Jahrhunderttalent bekommen.

Aber wie glaubwürdig ist die Leichtathletik nach den jüngsten Dopingfällen- auch in der Trainingsgruppe von Usain Bolt - überhaupt noch?

Lobinger: Ich denke, eine Sportart muss so lange glaubwürdig sein, so lange mehr Athleten negativ getestet werden als positiv. Dafür gibt es die Dopingkontrollen und dafür gibt es auch ein immer besser werdendes Kontrollsystem, dass die schwarzen Schafe ausgemerzt werden.

Sehen Sie in naher Zukunft einen Weg aus der " Dopingfalle" oder müssen alle Leichtathletik-Fans für immer mit diesem Problem leben?

Lobinger: Jede Sportart lebt mit dem Thema Doping. Die Leichtathletik und vielleicht auch Curling. Es ist einfach so, dass Menschen immer wieder probieren, sich durch verbotene Mittel besser zu machen. Das muss man natürlich verhindern. Eine Doping-Freigabe wäre das Ende jeder Sportart. Wenn meine Kinder professionellen Sport betreiben würden und Doping würde eines Tages frei gegeben, würde ich sie sofort aus jedem Verein der Welt abmelden. Dann ist der Sport kaputt.

Sie haben gesagt, dass Sie bis Olympia 2012 weiter springen wollen. Werden wir Sie noch einmal bei den Sommerspielen in London sehen?

Lobinger: Ich werde alles daran setzten, zum 100. Mal die Höhe von 5,80 Meter zu überqueren. Zudem werde ich probieren, so lange zu trainieren und mich fit zu halten, um weiter an der Spitze zu bleiben. In drei Jahren möchte ich ins Team springen, um noch einmal bei Olympia zu starten. Das motiviert mich. Daran denke ich und genau das werde ich in den nächsten Jahren auch in Angriff nehmen. Danach könnte ich mir schon vorstellen, dass ich anderen Athleten mit Rat und Tat zur Seite stehe.

Das Gespräch führte Dirk Adam / Eurosport

Kommentare 3 - 22 of 22

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  1. warum war er nicht nominiert worden?

    Von xznirpx, am Do 20.Aug. 21:44
  2. Seine Dopingäußerungen sind einfach lächerlich.Solange­ man negativ getestet wird ist man clean!
    Also wenn ich­ so einen Schwachsinn lese...Hat wirklich nichts mit der­ Realität zu tun!
    Vom guten Sportler zur Top 5 in der­ Welt geht ohne Doping absolut rein garnichts!!!

    Von Chang Noi, am Do 20.Aug. 2:10
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    Von Torsten, am Mi 19.Aug. 23:08
  4. ICH SAGE JAAAAAAAAAAAAAAAAA
    ZUM DEUTSCHEN­ WASSER!!!
    ABER DOPING SUCKS

    Von eurosportsuxx, am Mi 19.Aug. 20:12
  5. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

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    Von sjdklweisk2e9k, am Mi 19.Aug. 18:03
  6. Gab's tröstende Worte vom Verband?

    Lobinger: Das­ hat der Verband eigentlich noch nie geschafft und das­ wird es auch in den nächsten Jahren nicht geben, wenn­ der DLV nicht anerkennt, dass man erfahrenen Athleten­ im entscheidenden Augenblick auch mal im­ zwischenmenschlichen Bereich aushelfen sollte. Ich bin­ nicht einmal darüber informiert worden, dass ich nicht­ für die WM in Berlin nominiert wurde. Nicht einmal als­ Ersatzmann. Da gab es wieder mal eine absolute­ Nullkommunikation. Völlig unprofessionell.

    Wer immer­ nur ICH-Bezogen denkt, braucht sich nicht zu wundern,­ wer arogant rüber kommt, muss damit leben, dass er­ nicht überall beliebt ist. Und "Meriten - hatte­ er je welche, ausser seinem grossen Mund???" sind­ vergänglich. Es ist nicht schade, dass er nicht dabei­ ist. Kein Verlust für Deutschland.

    Von Katharina, am Mi 19.Aug. 17:01
  7. Tim Lobinger, ich war selb leistungsportler und kann­ dich sehr gut verstehen und unterstütze deine aussagen.­ Etwas respekt has du dich verdinnt. Andere die beniger­ erreicht haben sind dabei. Und endlich redet jemanden­ über die geschichte von Usain Bolt. Tobias Hunger muss­ seine aussagen von Pekin zurücknehmen und laufen­ lehrnen, fall er das kann.
    Schade Tim, dein voll und­ dein verband haben schon deine 6m vergesen.

    Von Cubano, am Mi 19.Aug. 17:01
  8. Sigi's Taktik flog auf , und Lobinger vergisst hier­ den Unterhaltungswert seiner Aktion !Sie können die­ Wahrheit noch gar nicht vertragen .Prohobition!

    Von Torsten, am Mi 19.Aug. 16:43
  9. Die Veröffentlichung von ICH wäre ein Skandal!?! Ich­ bin ein Hengst,...._(It's me!),?!?!...you and I­ should better get so awfully.

    Von Torsten, am Mi 19.Aug. 16:36
  10. Hallo sebastian, du kannst dich bestimmt erinnern wie­ unser lieber Tim sich im Stadion die Hosen herunter­ zog, als ernst zunehmender Sportler oder Clown? Fandest­ du das normal ? Das meinte der timmy vielleicht. Alle­ anderen Verdrehungen denke ich sind Satire, jetzt­ geschnallt ? Zum Loben ist mir auch nicht beim­ Lobinger.

    Von martin0815, am Mi 19.Aug. 16:08
  11. @ Tommy U: da steht nicht Lobinger-Freigabe sondern­ Doping-Freigabe. Ich glaube Du hast die Überschrift­ nicht richtig gelesen. Hast schon recht viele Medallien­ hat er nicht bekommen, aber Vizeeuropameister und­ dritter war er auch bei Europameisterschaften udn er­ ist nach wie vor in freien der erste und einzige­ deutsche 6 m Springer, also ganz ohne Erfolg ist er­ nicht. Aber eigentlich ging es auch um Doping.

    Von Sebastian, am Mi 19.Aug. 15:34
  12. Lobingersfreigabe, ja zu was ? Im Stabhoch war er nicht­ der Zuverlässigste, zu was also ? Was kann er ? Dummes­ Zeug reden, nun das machen auch andere. Also, gebt ihn­ frei. Jetzt weiß ich zu was, auf Jahrmarkten als­ Entblößer. Den Allerwertesten dem staunenden Publikum­ offerieren. Dazu taugt er ! Im Sport weniger.

    Von Thorsten Frei, am Mi 19.Aug. 15:13
  13. @ kuriziwau:
    Charles Friedeck: Dreisprung-Weltmeister­ 1999 im Freien und in der Halle, Europameister und 12x­ deutscher Meister.
    Wenn du hier mitdiskutieren willst,­ solltest du dir erst Grundkenntnisse im Sport­ aneignen.
    Dumm quatschen können hier viele, u.a. du

    Von mike.schmidt, am Mi 19.Aug. 15:04
  14. doping-freigabe wäre das ende? das würde doch nur­ bedeuten, dass die 10% der sportler, die jetzt noch­ nicht dopen, dann auch noch dopen würden, sonst nichts.­ schätze ich ;-)

    Von Grauwolf, am Mi 19.Aug. 14:36
  15. Lobinger, .................arbeiten gehen.

    Von alfred s., am Mi 19.Aug. 14:05
  16. Der arme Tim - hat keine Einladung zm Kindergeburtstag­ bekommen.

    Nicht qualifiziert - nicht dabei !! Pech­ gehabt.

    So eine Mimose.

    Von Eu, am Mi 19.Aug. 13:19
  17. Hallo glaserjens
    WER IST BITTE FRIEDECK ???
    Der war­ wohl gerade als Pirat von der Arctic Sea gekommen und­ hatte noch etwas Seegang.

    Lobinger 2012 als­ 39-jähriger ist ja wohl auch nur ein Witz.

    Wenn wir­ bis dahin keine Besseren haben dann GUTE NACHT

    Von kuriziwau, am Mi 19.Aug. 1:33
  18. Dabei nimmt der 36-Jährige wie immer kein Blatt vor den­ Mund und nennt alle Dinge beim Namen.

    Er sollte mal­ lieber seine eigene Leistungen in den lezten Jahren­ analysieren. Das war ja nicht gerade berauschend.­ Gegenüber seinen Deutschen Gegnern konnte er sich auch­ nie richtig durchsetzen.

    Von einanderer, am Di 18.Aug. 23:27
  19. Weiß nicht, ob der Zug für Lobinger und Friedeck schon­ abgefahren ist. Seine Äußerungen über den Verband sind­ allerdings 100 Prozent richtig. Seit Jahren ein­ erbärmlicher Haufen, ohne den geringsten Anstand­ gegenüber den Sportlern. Der Verband glaubt, das die­ Sportler für sie da sind und nicht umgededreht.

    Von glaserjens, am Di 18.Aug. 17:03
  20. Sehe ich genauso!!! Schade, dass Tim nicht in Berlin­ dabei ist... Naja, beim nächsten Mal kämpfst Du wieder­ um die Medaillen... :-)

    Von Hans-Joachim Strutz, am Di 18.Aug. 16:50
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