Eurosport - So 19.Jul. 10:19:00 2009
Sergej Iwanow hat seinem Team Katusha auf der 14. Etappe der Tour de France über 199 Kilometer von Colmar nach Besancon den ersten Tagessieg bei der "Großen Schleife" beschert. Der Russe setzte sich wenige Kilometer vor dem Ziel aus einer zwölfköpfigen Fluchtgruppe ab. Gerald Ciolek wurde Zehnter.
Schon nach drei Kilometern konnte sich die erfolgreiche Gruppe vom Feld lösen. Aber erst nach über 50 Kilometern zähem Ringen ließ man die zwölf Fahrer schließlich von der Leine. Nach 185 Kilometern an der Spitze war es dann mit der Einigkeit der Ausreißer vorbei. 11.000 Meter vor dem Ziel setzte Iwanow die entscheidende Attacke. "Nach dem Amstel-Sieg ist dies der größte Tag meiner Karriere", freute sich der Russe.
Uneinig und kraftlos
Bei den restlichen Fahrern um Milram-Profi Ciolek dauerte es zu lang, bis man wieder gemeinsam die Verfolgung aufnahm. Es reichte nur, um das Duo Hayden Roulston (Cervélo/3.)/Albert Timmer (Skil-Shimano/11.), das sich zwischenzeitlich davon gestohlen hatte, noch zu stellen.
Auf den Sieger fehlten dem Zweiten Nicolas Roche (Ag2r), der sich die ganze Etappe über im Hintergrund gehalten hatte, aber 16 Sekunden. Ciolek fehlte im Finale die Kraft, und er kam weitere sechs Sekunden später auf Platz zehn ins Ziel. "Wegen der vielen Nachführarbeit haben mir am Ende die Körner gefehlt, um vielleicht noch um den zweiten Platz zu sprinten", sagte der 23-Jährige.
Vorentscheidung um Grün?
Für George Hincapie begann danach das bange Warten. Der Columbia-Profi kam zeitgleich mit dem Zweiten als Achter ins Ziel und hatte schon das "Maillot Jaune" vor Augen. Mit viel Einsatz in der Führungsarbeit fuhr der US-Amerikaner auf der Flucht schon im virtuellen Gelben Trikot. Am Ende fehlten Hincapie lediglich fünf Sekunden, um den Italiener Rinaldo Nocentini (Ag2r) von der Spitze des Gesamtklassements zu verdrängen.
Den Sprint des Hauptfeldes gewann zwar Mark Cavendish (Columbia) vor Thor Hushovd, doch der Brite wurde wegen Behinderung des Norwegers disqualifiziert und auf Platz 154 gewertet. Hushovd konnte somit als 13. seinen Vorsprung auf Cavendish in der Punktewertung um weitere 13 Punkte auf 18 Zähler ausbauen. Wenn der Brite nicht in den Alpen zuschlägt, kommt es zum Showdown auf den Champs-Elysées. Für das Weiße Trikot des Deutschen Tony Martin (Columbia) und das Bergtrikot von Franco Pellizotti (Liquigas) aus Italien bestand heute keine Gefahr.
Jens Voigt im Pech
Martijn Maaskant (Garmin) war der Initiator einer ursprünglichen 14-köpfigen Gruppe. Doch Cavendish musste sich dem Protest seiner Mitstreiter beugen, die den Erfolg der Gruppe durch die Anwesenheit des Seriensiegers gefährdet sahen. Dann mussten die Ausreißer über 50 Kilometer mit einem Vorsprung kämpfen, der um die 30 Sekunden schwankte, bis zwei Entscheidungen fielen eine gute und eine schlechte.
Die Gute: Im Feld gab man die Verfolgung auf und die Fluchtgruppe konnte sich endlich absetzen. Die Schlechte: Jens Voigt (Saxo Bank), der zu diesem Zeitpunkt noch an der Spitze mit dabei war, erlitt einen Defekt und musste die zwölf verbliebenen Fahrer ziehen lassen, als der Abstand gerade über die Zwei-Minuten-Marke gestiegen war. Besonders ärgerlich daran war, dass die "Behandlung" seines Arbeitsgerätes durch den neutralen Materialwagen nicht problemlos verlief - Gruppe weg und Chance auch. Das Teamfahrzeug von Saxo Bank hätte den Defekt mit der Routine durch die ständigen Quärelen mit dem Rad von Andy Schleck sicher schneller behoben.
Danach war das Rennen eigentlich gelaufen. Astana kontrollierte das Tempo im Feld und ließ die Ausreißer bis 60 Kilometer vor dem Ziel auf 8:40 Minuten ziehen. Ein wenig drückte die kasachische Mannschaft den Abstand noch herunter, dann übernahm Ag2r die Regie und rettete mit Maßarbeit das Gelbe Trikot. In der Spitzengruppe zog man bis Kilometer 15 vor dem Ziel an einem Strang, ehe die Spielereien begannen mit dem besten Ende für Iwanow.
Zuschauer-Drama bei Unfall
Eine Zuschauerin verstarb an den Folgen eines Unfalls. Ein Fahrer der Garde Républicaine verletzte bei dem Vorfall nach 38 Kilometern auch weitere Personen, darunter eine Mutter mit einem Kind auf dem Arm. Die weiteren Unfall-Opfer sowie der Polizist, der von seinem Motorraf stürzte, seien aber nur leichter verletzt worden, hieß es von Seiten der Tour-Veranstalter.
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