Eurosport - Di 19.Mai. 12:34:00 2009
Handball-Bundestrainer Heiner Brand (56) spricht exklusiv bei eurosport.yahoo.de im Interview der Woche über Rücktrittsgedanken und seinen Umgang mit den Spielern. Der Weltmeister von 1978 und 2007 erläutert, warum ihn die berühmte "Faust-Szene" von der Europameisterschaft noch immer beschäftigt.
Sie sind seit 1997 Bundestrainer und haben noch Vertrag bis 2013. Ist das Amt des Bundestrainers Ihr Traumjob, mit dem Sie auch in Rente gehen wollen?
Heiner Brand: Das ist durchaus vorstellbar. Die Arbeit mit der Nationalmannschaft macht mir sehr viel Spaß. Es ist natürlich ein ganz anderer Job als der eines Vereinstrainers. Bei mir kommen sehr viele repräsentative Tätigkeiten hinzu. Aber ich kann in dieser Position für den Handball sehr viel bewegen.
Mit dem WM-Titel 2007 im eigenen Land haben Sie fast alles erreicht. Sie sind Weltmeister als Spieler und Trainer. Kam da nicht der Moment, in dem Sie gedacht haben, das Werk ist vollbracht, ich trete zurück?
Brand: Ja, kurzfristig war der Gedanke da. Das war noch auf dem Spielfeld. Da habe ich zu Christian Schwarzer gesagt, dass ich jetzt eigentlich aufhören müsste. Ich habe mir dann Zeit gelassen und mir überlegt: Was machst Du jetzt? Noch einmal als Vereinstrainer tätig werden, Bundestrainer bleiben oder doch was ganz Anderes. Ich bin dann aber zu der Überzeugung gelangt, dass meine Aufgabe beim Nationalteam absolut passt und mir auch am meisten Spaß macht.
Wäre denn auch eine Doppelrolle denkbar? Im internationalen Handball gibt es immer wieder Trainer, die gleichzeitig das Nationalteam und einen Klub betreuen.
Brand: Ich hätte das eine Zeit lang wirklich sehr gerne gemacht. Leider war das aber nicht möglich, denn mein Vetrag beim DHB untersagt das ausdrücklich - das gilt zumindest für einen Klub aus der 1. und 2. Bundesliga. Auch die Handball-Bundesliga (HBL) will das, aus welchen Gründen auch immer, nicht. Daher kam eine Doppelrolle nicht in Frage, aber wie gesagt: Ich hätte das schon gerne gemacht, obwohl mich das im Moment nicht mehr interessiert.
Interessant bei Länderspielen ist nicht nur das Geschehen auf dem Feld, sondern auch ihre wortgewaltigen und sehr emotionalen Ansprachen in den Auszeiten. Entspricht das einfach Ihrem Typ oder müssen Sie in erster Linie den Lärm in der Halle übertönen?
Brand: Nun, der Lärm ist sicher ein Grund, denn während der Auszeiten ist es meist sehr laut, oft wird auch noch Musik eingespielt. Da muss ich mich schon irgendwie stärker bemerkbar machen. Auf der anderen Seit bleibt mir aber nur eine knappe Minute - und in der muss ich versuchen, einige wenige, aber häufig entscheidende Dinge an meine Spieler heranzubringen. Das muss präzise sein und ich unterstreiche das daher oft mit Gesten.
Gab es denn den Fall, dass Sie gegenüber einem Spieler - sei es in der Auszeit oder später in der Kabine - übers Ziel hinausgeschossen sind und ihn zu unrecht "zusammengefaltet" haben?
Brand: Nein, es ist auch überhaupt nicht mein Stil, einen Spieler "zusammenzufalten". Während der Auszeiten steht sowieso im Vordergrund, spielerische oder taktische Dinge zu vermitteln. Aber auch in der Kabine bleibe ich fair. Wenn ich natürlich merke, dass es an Einstellung fehlt oder die kämpferische Moral nicht stimmt, dann wird es schon auch mal lauter. Ich muss dann versuchen, die Spieler aufzuwecken. Mein Grundsatz ist aber ganz klar, nicht beleidigend zu werden.
Bleiben wir bei den Emotionen. Werden Sie noch häufig auf die berühmte "Brand-Faust" nach dem EM-Spiel gegen Norwegen angesprochen?
Brand: Ja, egal wo ich auch hinkomme - irgendwann kommt das Gespräch auf diese eine Szene. Damit muss ich leben. Was mich aber überrascht hat, sind die Reaktionen der Leute. Die sind durchweg positiv, viele zeigen Verständnis und geben mir zu verstehen, dass ich in diesem Moment eben Emotionen gezeigt habe. Das finde ich schon erstaunlich, denn ich habe mich damals erschrocken, als ich die Bilder später gesehen habe und mir vorgenommen, dass so etwas nicht mehr vorkommt...
... zumal Sie ja stark im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Ihre Popularität geht seit längerer Zeit weiter über die Grenzen des Handballsport hinaus. Wie gehen Sie damit um?
Brand: Das gehört einfach dazu. Teilweise ist das schon anstrengend, denn es kommen insgesamt sehr viele Termine zusammen. Auf der anderen Seite bin ich aber stolz, dass ich das erreicht habe. Ich denke, es tut der Sportart gut, wenn es Personen gibt, die die öffentliche Aufmerksamkeit auf zich ziehen. Das ist letztlich ein Zeichen für die gestiegene Popularität des Handballs in Deutschland - und das war mein Ziel, als ich das Amt als Bundestrainer angetreten habe.
Sehen Sie es umgekehrt auch gerne, wenn die Spieler immer häufiger in den Medien auftauchen?
Brand: Ja, auch das bewerte ich positiv. Es ist sogar noch besser, als wenn immer nur ich da auftauchen würde. Natürlich muss aber sichergestellt sein, dass die Profis zunächst ihre sportlichen Aufgaben erfüllen. Wenn dann die Popularität steigt, kann uns das nur gut tun.
Die Schlagzeilen, die der Handball in den vergangenen Wochen produziert hat, sind aufgrund der Manipulations-Verdächtigungen zumeist negativer Art. Haben Sie das Gefühl, mit dem Nationalteam nun in besonderer Weise gefordert zu sein, um wieder für positive Nachrichten zu sorgen?
Brand: Wir sind in der Tat in der Lage und auch in der Pflicht, einiges zurechtzurücken. Wir müssen versuchen, wieder positive Schlagzeilen zu liefern. Der vermeintliche Skandal ist ja noch nicht bereinigt oder aufgeklärt. Ich hoffe da noch immer auf eine schnellstmögliche Aufklärung. Solange das aber nicht passiert ist, sind wir mit der Nationalmannschaft verstärkt gefordert. Denn man muss sich im klaren darüber sein, dass sich der Handball in Deutschland vor allem über das Nationalteam definiert, denn die Vereine gewinnen ihre Popularität eher auf regionaler Ebene. Die DHB-Auswahl repräsentiert ganz klar unsere Sportart...
...die auch internationale Erfolge braucht. Olympiagold fehlt noch in Ihrer Titel-Sammlung. Ist das Ihr großes Ziel?
Brand: Ich hätte nicht das Geringste dagegen einzuwenden, wenn wir diesen Titel holen würden. Das spukt mir schon im Hinterkopf herum und war ein Grund dafür, dass ich meinen Vertrag bis 2013 verlängert habe. Es muss natürlich vieles passen, die Mannschaft muss sich in den kommenden Jahren entsprechend entwickeln. Dann brauchst Du das nötige Glück zum richtigen Zeitpunkt. Aber die olympische Goldmedaille wäre natürlich ein sehr schöner Abschluss für mich.
TV-Tipp: Die Handball Champions League live bei Eurosport TV und im Eurosport Player auf eurosport.yahoo.de. Verfolgen Sie am 24. Mai (18:45 Uhr) und 31. Mai (18:00 Uhr) die Endspiele zwischen dem THW Kiel und Titelverteidiger BM Ciudad Real.
Kommentare 1 - 4 of 4
Heiner Du bist auch nur ein Mensch !!!
@Flower
Wenn du schon die Grammatik hier anprangerst, solltest Du auch die richtige Rechtschreibung verwenden,
nur so zur Kenntnis.
Ansonsten hast du wohl nichts zu kommentieren. Für mich ist Heiner Brand einer besten Handballtrainer
und -spieler, die es je gab.
naja, also ich glaub grammatikalisch gesehen, kann man das "einen" auch weg lassen...sofern du denn von dem ersten Satz des Interviews sprichst... Ansonsten konnte ich aber auch nichts weiter feststellen, was wie'n Fehler aussieht... da wirkt dann so ein Kommentar ganz schnell "unfassbar dämlich"... ;-)
HAllO!!!! Er hat EINEN Vertragm, wie unfassbar dämlich ist es denn einen Versprecher eines Fussballers auch noch zu übernehmen und zu verbreiten? Das ist wirklich der pure Hammer hier.
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