Eurosport - Mo 19.Mai. 13:18:00 2008
Mit gewohnt spitzer Feder nimmt Eurosport-Kolumnist Rudi Brückner die Bundesliga unter die Lupe - dieses Mal zieht der Eurosport-Kolumnist eine Bilanz der abgelaufenen Saison und macht sich Gedanken über den Abschied der Bundesliga-Größen Oliver Kahn, Ottmar Hitzfeld und Markus Merk.
Am Ende einer Bundesliga-Saison fragen wir uns immer: Was hat sie gebracht? Nicht nur eine Arminia aus Bielefeld, die meisterlich den Klassenerhalt feierte und doch mit 34 Punkten am Ende der schlechteste "Verbleiber" aller Zeiten ist. Nicht nur mit Nürnberg einen direkten Pokalsieger-Absteiger, nicht nur mit Hoffenheim einen Regionalliga-direkt-Durchstarter in die erste Klasse, und nicht nur mit dem FC Bayern einen Start-Ziel-Meister. Nein, am Ende dieser Saison ist uns auch einiges genommen worden!
Olli, Ottmar und Markus zum Beispiel. Alle drei gehörten jahrelang zum Inventar des Fußballzirkus Bundesliga und jetzt sind sie weg. Ohne die Leidenschaft, den Ehrgeiz, das Draufgängertum, ohne den Kahnsinn eines Torwarts wie Oliver Kahn sollen wir nun in Zukunft auskommen?
Ohne mathematische Genauigkeit in der Vorbereitung, ohne Sprechblasen in der TV-Analyse, aber mit Akribie hinter verschlossenen Türen, ohne den erfolgreichsten deutschen Trainer aller Zeiten, ohne Ottmar Hitzfeld, sollen wir nun die nächste Saison durchleben?
Der Wind hat sich gedreht
Ohne auffällige, aber immer mit einem Augenzwinkern beginnende Spielleitung, ohne den dreimaligen Weltschiedsrichter des Jahres, ohne Markus Merk, sollen wir nun demnächst das Pfeifkonzert seiner Kollegen ertragen? Wir würden uns vielleicht daran gewöhnen, wenn sich alle drei mit Durchschnitt am Geschehen beteiligt hätten. Haben sie aber nicht! Alle drei in ihrer Art waren und sind Typen. Sie haben uns Freude, Ärger und jede Menge Unterhaltung und zwar auch im Sinne von Gesprächsstoff geliefert. Dafür müssen wir ihnen besonders danken! Wir haben großen Respekt vor ihren Leistungen und jetzt lassen sie uns einfach alleine mit der nächsten Bundesliga.
Viele sagen an dieser Stelle immer: Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen Diese drei sind uns nun genommen und die werden uns in dieser Form nicht mehr gegeben, zumindest auf absehbare Zeit nicht. Die eckigen und die kantigen, Typen eben - sie gibt es nicht mehr. Der gesellschaftliche Wind hat sich vor Jahren gedreht, mit dem Strom, nicht gegen den Strom, lautet die Lebensdevise. Der Fußball kann da keine Ausnahme sein, er ist ein Abbild der Gesellschaft, leider.
Das Experiment TSG Hoffenheim
Und da passt es auch, sicher nicht zufällig, gut ins Bild, das das Hobby eines Milliardärs in der nächsten Saison erstklassig mitspielt. Die TSG Hoffenheim mit Trainer Ralf Rangnick mit viel Geld, guter Laune und am Ende genügend Punkten nach nur einer Saison in der zweiten Liga jetzt ganz oben. Mit diesem Durchmarsch wurde uns auch einwenig der Glaube genommen, das sportliche Entwicklung zum Aufstieg führt, nein, mit Geld geht's schneller, aber eben nicht nachhaltig. So wird keine Tradition entwickelt, die Scharen der Fans sind mit einem Absturz dieses TSG-Experiments auch sofort wieder verschwunden.
So ist es dann zumindest ein kleiner Trost, dass Altmeister Kaiserslautern am letzten Spieltag der zweiten Liga doch noch dem Profifußball erhalten bleibt. Dass die Hertha aus Berlin allerdings nun im UEFA-Pokal spielen darf, weil sie sich als fairste Profimannschaft dafür qualifiziert hat, soll an dieser Stelle lieber nicht kommentiert werden. Viel mehr soll der letzte Satz dieser Kolumnen-Saison ein MERKsatz sein: Auf ein HITZFELD gehört der KAHNsinn, sonst ist Fußball kein Fußball mehr!
Rudi Brückner / Eurosport