Bundesliga - Knatsch und Tratsch bei Hertha

Eurosport - So 19.Apr. 13:50:00 2009

Vier Wochen ist es her, dass Hertha BSC mit vier Punkten die Bundesliga-Tabelle anführte und bereits als Meisterschaftskandidat Nummer eins gehandelt wurde. Drei Niederlagen später scheint alles verpufft. Aber nicht nur das: Vor dem Heimspiel gegen Bremen gibt es gewaltigen Knatsch unter den Bossen.

FOOTBALL 2008-2009 Bundesliga Berlin Hoeneß Hannover-Berlin - 0

Dass die kleinen Hertha-Fans vom Kids-Club ausgerechnet vor der Begegnung gegen Werder die Pressekonferenz besuchen durften, war eigentlich nicht so geschickt. Pressesprecher Hans-Georg Felder empfahl, "schön ruhig zu sein und gut zuzuhören". Und ruhig waren die Kleinen auch. Doch es darf bezweifelt werden, dass sie lange zugehört haben, denn ständig war von einem Brief, von Präsidium und Geschäftsstelle, Interna etc. die Rede. Von Dingen eben, welche für Sechs- bis 13-Jährige nicht sonderlich interessant sind. Vielleicht aber gähnte der ein oder andere unter ihnen auch deshalb, weil er sich an den bereits hinter ihm liegenden Alltag im Kindergarten erinnert fühlte.

Denn im Grunde geht es bei dem Zoff zwischen Geschäftsführung und Präsidium von Hertha darum, dass einer - nach dem Geschmack des anderen - zu viel Spielzeug besitzt. Manager Dieter Hoeneß durfte noch bis vor kurzem in seinem "Spielzeugladen Hertha" kramen, wie er wollte. Transfers, inhaltliche wie strukturelle Ausrichtung des Klubs - das alles lief jahrelang in erster Linie über den 56-Jährigen. Nun aber haben sich - auch vor dem Hintergrund seines geplanten Ausscheidens im Sommer 2010 - andere Spieler organisiert, die eigentlich keinen Alleinverwalter mehr dulden. Und so schwelt schon die ganze Saison über ein Konflikt in der Chefetage des Bundesligisten, der in dieser Woche einen neuen Höhepunkt erfuhr.

Hoeneß: "Unsägliche Diskussion"

Die dem Manager ergebene Geschäftsführung verfasste laut Hoeneß aus freien Stücken einen an das Präsidium gerichteten Brief, in dem sie ihm den Rücken stärkte und gleichermaßen das Präsidium kritisierte. "In einer Phase des sportlichen Erfolges ... laufen wir durch ... die derzeitige Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung und Präsidium Gefahr, dem inzwischen sehr guten Image von Hertha BSC unnötig Schaden zuzufügen", heißt es darin. Vorausgegangen war ein Artikel im "Tagesspiegel" vom 4. April.

Darin wurde ein anonymes Präsidiumsmitglied wie folgt zitiert: "Kann Hoeneß nicht einfach anerkennen, dass Favre einen super Job macht?" Dass die Retourkutsche der Geschäftsführung in Form des Briefes nun an die Öffentlichkeit gelangt war, ärgerte Hoeneß - zumindest nach außen hin - maßlos: "Es ist einfach unsäglich, dass so eine solche Diskussion in der Endphase einer Saison, die für uns bislang sehr erfolgreich war, hochkommt. Es ist gut, intern Dinge zu besprechen, aber es kann nicht sein, dass so etwas an die Öffentlichkeit kommt."

Woronin vor dem Absprung

Passiert ist es aber trotzdem - und das ausgerechnet in einer Phase, in der es bei den Berlinern ohnehin nicht rund läuft. Die letzten drei Begegnungen gegen Stuttgart, Dortmund und Hannover verlor das Team von Trainer Lucien Favre. "Wir haben zuletzt viele Torchancen ausgelassen, der Gegner dagegen hatte wenige, diese aber genutzt. Das ist unser aktuelles Problem", beschreibt der Schweizer das zurzeit größte Manko des Tabellen-Vierten, der bis vor kurzem noch als "Meister der Effektivität" tituliert worden war.

Hinzu kommt, dass der einzige, der in der Rückrunde vor dem gegnerischen Tor effektiv war, Andrej Woronin, nach seiner Tätlichkeit in der Vorwoche gegen Hannover nicht dabei sein wird. Überhaupt drehte sich wenige Tage vor dem Spiel viel um den Ukrainer. "Ich habe schon die Umzugskartons bestellt und ziehe in eineinhalb Monaten aus meiner Wohnung aus. Es sieht alles danach aus, dass ich nach Liverpool gehe!", äußerte sich der 29-Jährige nach dem Mannschaftstraining am Freitag ziemlich konkret zu seinen Zukunftsplänen. Auf der anschließenden Pressekonferenz blickten Hoeneß und Felder ziemlich verdutzt in die Runde, nachdem sie von den Pressevertretern mit der Aussage Woronins konfrontiert worden waren. "Davon weiß ich noch nichts", sagte Hoeneß. Aber in diesen Zeiten ist es bei Hertha ja nicht das erste Mal, dass die im Profigeschäft gängigen Kommunikationswege nicht eingehalten werden.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Hertha: Drobny - M. Stein, von Bergen, Simunic, Cufré - Nicu, Dardai, Kacar, Cicero - Raffael, Pantelic.

Werder: Wiese - C. Fritz, Mertesacker, Naldo, Boenisch - Frings, Baumann - Hunt, Özil - Pizarro, Hugo Almeida.

Schiedsrichter: Rafati

Aus Berlin berichtet Martin Einsiedler / Eurosport

Kommentare 1 - 6 of 6

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  1. Sollen unentschieden spielen, Hertha wird sowieso nicht­ Meister..ich mein was wollen die damit? Nächstes Jahr­ dann Sieglos in der Vorrunde aus der Championsleague­ ausschieden so wie alle deutschen Mannschaften ausser­ dem FC Bayern München? sowas würd ich maximal UI Cup­ spielen lassen...wäre mir peinlich, siehe­ Bremen...scheidet mal wieder in der Vorrunde aus der­ Championsleague aus und darf nun noch im Losercup­ mitmachen, wo sich die Fans hier vor stolz brüsten, wen­ man denn alles schon rausgeschmissen habe,­ lachhaft.
    Husch ab mit euch in die untere­ Tabellenhälfte, auf das ihr nächstes Jahr um den­ Abstieg spielt ohne Diego!

    Von ms3107, am So 19.Apr. 14:24
  2. Obs oben kracht oder nicht, ist für die sportliche­ Leistung der Mannschaft irrelevant. Was da alles um­ Dieter Hoeneß passiert interessiert die Spieler nicht,­ die momentanen Leistungen der Mannschaft werden dadurch­ auch in keinster Weise beeinflusst. Das merkt man auch­ vor allem in der Presse. Die einzigen die diese­ Probleme ansprechen sind nun mal Hoeneß und das­ Präsidium. Favre, sowie alle Spieler haben noch nie­ irgendeinen Kommentar dazu abgegeben. Sie müssen sich­ einfach wieder zusammenreissen, der Ausfall von Voronin­ kann durch Pante ganz einfach kompensiert werden, der­ von Ebert ebenso durch Kacar. Simunic muss hinten nur­ diese Amateurabwehr zusammenhalten. Bremen wird wohl­ viel über die Seite von Cufré spielen. Somit muss es­ also wieder das Prunkstück der Herthaner, das­ Mittelfeld richten.

    Von Bastian W, am So 19.Apr. 13:55
  3. ein Klub der so organisiert und gemanaget wird wie­ Hertha kann nicht deutscher Meister werden

    keine klare­ Kommunikation

    Manager, Vorstand und Aufsichtsrat­ arbeiten gegeneinander und nicht konstruktiv­ miteinander

    in der Mannschaft herrscht zu viel Unruhe­ (Woronin, Pantelic und Ebert) um nur einige­ "Quellen" anzusprechen

    Von michael sail, am So 19.Apr. 13:32
  4. bremen gewinnt mit 1:0

    Von , am So 19.Apr. 12:31
  5. stimmt

    Von lidl91, am Sa 18.Apr. 15:29
  6. verdammte angsthasen!!!!!warum lassen sie nicht endlich­ den chermiti spielen!!!!!

    Von Enrico H, am Sa 18.Apr. 15:24
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