Bundesliga - "Dann scheppert es eben mal..."

Eurosport - Mi 19.Mrz. 08:14:00 2008

"Bad-Boy" Maik Franz erklärt bei eurosport.yahoo.de: So hart ist Fußball wirklich. Der beinharte Verteidiger vom Karlsruher SC geht bis an die Grenzen und antwortet stets so schonungslos, wie er in die Zweikämpfe geht.

FOOTBALL 2007-2008 Bundesliga Karlsruhe Franz - 0

Nationalstürmer Mario Gomez vom VfB Stuttgart heizte die Diskussionen vor drei Wochen an, als er Franz nach dem Spiel als "Arschloch" beschimpfte und initiierte damit einen Trend. Denn Ioannis Amanatidis von Eintracht Frankfurt stimmt nach dem 1:0-Sieg in Baden in den Chor der Kritiker mit ein. "Gomez hatte Recht. Beleidigungen, Tretereien und auf den Fuß treten hat nichts mit Cleverness zu tun, sondern mit Dummheit. Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Viel wird das nicht sein. Solche Personen machen das Fußballspiel kaputt."

Auch sein Teamkollege Michael Fink beschwert sich: "Du stehst und wartest auf einen Einwurf, und er tritt dir von hinten in die Hacke. Oder er steigt dir auf die Fußzehen. Oder er kneift dich in die Seite." Aber sind diese "Scharmützel" wirklich so außergewöhnlich und der Rede wert oder sind sie nicht sogar Alltag in der Bundesliga?

Franz - übrigens selbst der meist gefoulte Innenverteidiger - weiß die Antwort: "Die können alle Taschentücher von mir haben, wenn sie heulen. Die haben doch auch ausgeteilt. Ich kann das ab, ich habe ein breites Kreuz", erwidert er trocken und spricht gegenüber eurosport.yahoo.de weiter Klartext: "Flüche und Beschimpfungen gehören zum Fußball dazu. Das ist in unteren Klassen wie auch in der Bundesliga gang und gäbe. Fußball ist kein Hallen-Halma. Ich gehe an die Grenzen und es scheppert auch mal. Es geht um Tore, Punkte, viel Geld. Da schenkt keiner etwas dem Anderen." Selbst Hobby-Kicker dürften diesen Aussagen - ausgehend von eigenen Erfahrungen - wohl zustimmen.

"Auf dem Platz bin ich der Bad-Boy"

Franz geht trotzdem seinen eigenen Weg. "Es kann sagen, wer will: 'Der Franz spielt aggressiv und der ist ja verrückt...' Das ist mir alles egal. So lange der KSC und ich erfolgreich sind, werde ich mein Spiel nicht umstellen." Dass er dadurch regelmäßig aneckt, nimmt er in Kauf. "Auf dem Platz bin ich eben der Bad-Boy. Das ist so. Ich kann mit dem Image, was den Fußball betrifft, leben. Privat trifft es nicht zu", kann er glaubhaft vermitteln. Und auch da würde ihm wohl jeder Hobby-Kicker zustimmen, wenn er Franz einmal privat getroffen hätte.

Mike Hanke, der mit Franz einst zusammen bei Wolfsburg kickte und jetzt für Hannover 96 auf Torejagd geht, kann das auch bestätigen. Franz erinnert sich: "Wir waren oft zusammen was essen, was trinken, haben zusammen gefeiert. Und als wir zuletzt gegeneinander gespielt haben, wären wir uns fast an die Gurgel gegangen und sind beinahe vom Platz geflogen. Danach haben wir uns umarmt und gesagt: Scheiß' drauf. Vergessen. So ist das."

"Ich kann den Ball nicht wegzaubern"

Das Erfolgsrezpt des vermeintlichen "Rüpels" ist ganz einfach: "Die Stürmer in der Bundesliga haben eine gewisse Qualität und als Gegenspieler muss ich sie daran hindern, diese auszuspielen. Das geht nur über den Zweikampf. Wegzaubern kann ich den Ball nicht."

Maik Franz: Der 26-jährige Abwehrspieler spaltet die Liga. Für die einen wird er immer ein "Arschloch" bleiben, für die anderen ist er schlicht der "ehrlichste Fußballer der Welt".

Daniel Rathjen / Eurosport