Eurosport - Sa 19.Jan. 07:43:00 2008
Mit einer großartigen Vorstellung hat Philipp Kohlschreiber einen Platz im Achtelfinale der Australian Open gebucht. Der 24-Jährige bezwang im Aufeinandertreffen der "Aufschlag-Monster" den am Ende entnervten US-Amerikaner Andy Roddick mit 6:4, 3:6, 7:6 (11:9), 6:7 (3:7), 8:6.
Die deutschen Fans stehen Kopf. Nach dem "Tennis-Krimi" in Melbourne hat endlich wieder ein DTB-Profi die Runde der besten 16 erreicht. "Das ist ein wunderbares Gefühl", strahlte Kohlschreiber nach der tollen Energieleistung gegen Roddick.
Für seinen Erfolg gegen den favorisierten US-Amerikaner benötigte "Kohli" insgesamt 3:52 Stunden. "Das war hochklassiges Tennis von uns beiden. Jeder hat das Letzte aus sich rausgeholt", meinte der Augsburger, der nach eigenen Aussagen "jede Sekunde auf dem Platz genossen" hat.
Mit Biss gegen Roddick
Während ganz Australien beim Matchball um 02:00 Uhr Ortszeit bereits schlief, feierten in Deutschland alle Tennis-Anhänger den "neuen Kohlschreiber". Nach seinem Turniersieg in Auckland präsentierte sich der Augsburger erneut in bärenstarker Verfassung, welche gegen "A-Rod" der ausschlaggebende Punkt war.
Im giftgrünen T-Shirt zeigte er von Beginn an Biss und Siegeswillen. Mit dem Wissen, dass er sowohl physisch als auch spielerisch mithalten kann, zeigte der Deutsche nicht nur auf dem Platz die nötige Präsenz, sondern zog dem Mann aus Nebraska auch mit seiner konzentrierten Spielweise den Zahn. "Ich bin bereit, ich bin heiß", erklärte Kohlschreiber vor dem Match selbstbewusst.
Obwohl ihm Roddick in der Rod Laver Arena insgesamt 42 Asse mit zum Teil rekordverdächtigen 232 Stundenkilometern um die Ohren haute, behielt Kohlschreiber die Nerven. Der DTB-Profi schlug erstklassig auf und schaffte 32 Asse. "Ich glaube, so viele habe ich im ganzen letzten Jahr nicht geschlagen", scherzte er. Als Kohlschreiber nach 30 Minuten den ersten Satz für sich entschieden hatte, suchte Roddick erstmals den Blickkontakt zu seinem Trainer Jimmy Connors, der langsam aber sicher ebenfalls ins Schwitzen kam.
"Weitere Runden gewinnen"
Als "A-Rod" merkte, dass Kohlschreiber alles andere als Kanonenfutter ist, attackierte er sogar den französischen Stuhlschiedsrichter Emmanuel Joseph und nannte diesen einen "Idioten". Für den verbalen Fauxpas gab es zwar keine Strafe, doch es folgte eine bittere Lektion im letzten Satz. Nach knapp vier Stunden nutzte Kohlschreiber seinen fünften Matchball zum Einzug ins Achtelfinale. Damit erlöste er die deutschen Fans auf der Tribüne, die ihn bis in die frühen Morgenstunden frenetisch anfeuerten.
Im Kampf um den Einzug ins Viertelfinale trifft der in der Weltrangliste auf Platz 27 notierte Kohlschreiber auf den einen Rang besser eingestuften Jarkko Nieminen. Gegen den Finnen hat er zwar eine negative Bilanz, konnte die letzten beiden Partien aber gewinnen. "Nach dem besten Match meiner Karriere hoffe ich natürlich, dass es weiter so geht. Ich fühle mich gut und freue mich auf die Begegnung mit Nieminen. Ab jetzt möchte ich noch weitere Runden gewinnen." Nach einigen Telefonaten in die Heimat gratulierte auch Daviscup-Kapitän Patrick Kühnen: "Das war eine überragende Leistung, ein völlig verdienter Sieg."
Dirk Adam / Eurosport