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Deutsche Schwimmer machen Mut für Olympia

So 18 Nov, 18:22 Uhr


Berlin (dpa) - Superstar Britta Steffen freute sich nach deutschem Rekord über Platz zwei, Antje Buschschulte schwamm trotz Schulterverletzung in 26,94 Sekunden sensationell Europarekord über 50 Meter Rücken.

Deutschlands Schwimmer haben sich mit einem Befreiungsschlag beim Berliner Rekordfestival Mut für Olympia in Peking gemacht. Der Abstand zur Weltelite ist trotz einiger Leistungsfortschritte in einigen Bereichen aber noch groß.

Der Schwede Stefan Nystrand markierte beim Kurzbahn-Weltcup in der deutschen Hauptstadt in 20,93 Sekunden über 50 Meter Freistil und in 45,83 Sekunden über 100 Meter Freistil gleich zwei Weltrekorde. Weltbestzeit schwammen ebenfalls die Niederländerin Marleen Veldhuis in 23,58 Sekunden über 50 Meter Freistil und der Brasilianer Thiago Pereira in 1:53,14 Minuten über 200 Meter Lagen. Frankreichs Superstar Laure Manaudou setzte in 1:53,48 Minuten über 200 Meter Freistil eine kontinentale Bestmarke.

Bei den deutschen Männern sorgte Paul Biedermann (Halle/Saale) für einen Höhepunkt. Er löschte in 1:42,39 Minuten den 19 Jahre alten deutschen Rekord von Michael Groß über 200 Meter Freistil. Deutschlands Cheftrainer Örjan Madsen mahnte trotz der Leistungsfortschritte seines Teams: «Wir sollten uns über die Topleistungen unserer Schwimmer in einigen Bereichen freuen, dürfen aber nicht die Weltspitze aus den Augen verlieren. Aber wenn der Trend anhält, sind wir auf dem richtigen Weg.» Den Sonderpreis für die beste Leistung, einen VW Golf, erhielt Marleen Veldhuis.

Die am 16. November 24 Jahre alt gewordene Britta Steffen lieferte in ihrer Heimatstadt über 100 Meter Freistil ein starkes Rennen. Der deutsche Rekord von 52,17 Sekunden reichte hinter der Europarekord schwimmenden Niederländerin Veldhuis aber nur zu Rang zwei. «Das habe ich nicht ganz erwartet», sagte Britta Steffen, «wäre ich ausgeruht gewesen, wäre es schon geil geworden.» Allerdings musste sie humpelnd mit einem Eisverband die Halle verlassen, nachdem ihr die Medaille auf den Fuß gefallen war. «Ich bin im Plan», stellte Langbahn-Weltrekordlerin Steffen mit Blick auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr fest. Die 40 Jahre alte Mitfavoritin Dara Torres aus den USA musste sich hinter Steffen mit Platz drei begnügen.

«Was, 50 Meter Rücken? Europarekord? Ich? Das kann ja gar nicht sein», sagte Buschschulte nach ihrem Coup vor der bisherigen Rekordhalterin Janine Pietsch aus Ingolstadt, «normal sind die 50 Meter gar nicht meine Spezialstrecke.» Richtig in Laune gewann Buschschulte in 2:05,92 Minuten auch die 200 Meter Rücken und schwamm Vorlauf-Bestzeit über 100 Meter. Am 19. November wird sie sich einer Schulteroperation unterziehen. «Vor Olympia ist das die letzte Möglichkeit», sagte sie.

Paul Biedermann bejubelte seinen zweiten deutschen Rekord. Schon über 400 Meter Freistil hatte er sich mit deutscher Bestzeit in 3:38,22 Minuten nur dem Südkoreaner Tae-Hwan Park geschlagen geben müssen. «Jetzt ist es mir endlich geglückt. Die Zeit ist klasse», sagte Biedermann, nachdem er den Uralt-Rekord von Groß geknackt hatte. Benjamin Madeja aus Potsdam stellte als Fünfter über 200 m Brust in 2:10,15 Minuten den deutschen Rekord von Timo Lorenz (Berlin) ein. 1500 Dollar Siegprämie sicherten sich auch die Wuppertalerin Sarah Poewe über 100 Meter Brust sowie Janine Pietsch (Ingolstadt) über 100 Meter Rücken beim deutschen Doppelerfolg vor Buschschulte. Der Rostocker Thomas Rupprath musste sich indes dreimal mit Platz zwei begnügen.

Nystrand schwamm Weltrekord mit Ansage. «Ich wusste, dass ich den Weltrekord drauf hatte, aber nicht diese Zeit», sagte der 26-Jährige nach einem unglaublich schnellen Rennen über 100 Meter Freistil. Dem Südafrikaner Roland Schoeman, der zusammen mit dem Amerikaner Ian Crocker in 46,25 Sekunden die alte Bestmarke hielt, blieb in 47,20 Sekunden hinter dem Australier Eamon Sullivan nur Platz drei. Marleen Veldhuis war nach ihrem Triumph über 50 Meter Freistil vor Dara Torres (23,82) und der bisherigen Rekordhalterin Therese Alshammar aus Schweden (24,05) baff: «Das kann ich noch gar nicht glauben. Es ist einfach großartig.»

Der Amerikaner Randall Bal steht bei den Männern schon vor dem Weltcup-Finale im brasilianischen Belo Horizonte als Gesamtsieger fest. 100 000 Dollar kassiert er dafür. Bei den Frauen ist Therese Alshammar Anwärterin Nummer eins. Für die deutschen Schwimmer geht es vom 22. bis 25. November in Essen bei den nationalen Kurzbahn-Meisterschaften um EM-Tickets.