Eurosport - Do 18.Okt. 14:40:00 2007
Auch alle Matches einer Gruppe zum selben Zeitpunkt zu spielen war richtig und sportlich so fair wie möglich.
Die Diskussionen über den Modus gehen trotzdem weiter. Ali Carter, ein erklärter Fan des Gruppen-Formats, nimmt in Bezug auf die Kritiker kein Blatt vor den Mund: "Die, die meckern, das sind doch die, die verloren haben." Auch Weltmeister John Higgins springt für den Modus in die Bresche: "Ich liebe das Format. Best of 7 ist perfekt." Und gewohnt diplomatisch verweist der Wizard of Wishaw auf einen Punkt, der mir entscheidend scheint: "Bei einigen, die einen schlechten Start erwischt haben, war dann das Selbstvertrauen weg."
Genau das ist der Punkt: Die Profis sind es gewöhnt, dass sie die Koffer packen können, wenn sie ein Match verloren haben. Das ist jetzt anders. Plötzlich müssen sie sich neu motivieren, weil sie ja vielleicht schon zwei Stunden später wieder für ihr nächstes Match an den Tisch müssen. Das ist etwas neues, und auch das muss man lernen.
Chance für Nachwuchsasse
Ob in der Schule, im Beruf oder wo auch immer: Wir alle werden tagtäglich mit Neuem konfrontiert. Wir alle müssen unser Leben lang lernen. Wo steht eigentlich geschrieben, dass diese Regel des modernen Lebens nicht für Snooker-Profis gilt? Auch sie müssen sich eben neuen Herausforderungen stellen. Und in einer mentalen Sportart wie Snooker ist das natürlich eine echte Herausforderung.
Es ist nicht verwunderlich, wenn in der Gruppenphase gerade solche Spieler ins Rampenlicht rücken, die noch nicht so lange auf der Profi-Tour sind. Die sind nämlich im modernen Amateur-Sport groß geworden. Und das ist das Gruppenformat für die Vorrunden alltäglich. Und keiner kann mir erklären, dass Profis nicht das lernen können, was Amateure schon lernen mussten. Und sportlich gerecht ist das Gruppensystem auch, so weit es möglich ist. Aber Sport lebt nun einmal auch von Zufällen und vermeintlichen Ungerechtigkeiten. Ansonsten könnten wir das Ergebnis nämlich vom Computer ausrechnen lassen und uns die teuren Veranstaltungen sparen.
Zudem: Unter den Kritikern sind auch viele, die beklagen, dass sie angesichts des um diese Jahreszeit dünnen Kalenders dringend Matchpraxis brauchen. Bitte sehr meine Herren: Der Grand Prix bietet ihnen diese Praxis. Fünf Matches in kurzer Zeit sind ideal, um sich die geforderte Matchhärte zu verschaffen. Deshalb würde es mich nicht überraschen, wenn wir in den K.o.-Runden jetzt besonders guten Snooker sehen. Die Jungs sind nämlich ordentlich eingespielt. Für einige der anderen gilt: Auf den Hosenboden setzen und lernen.
Uns allen aber wünsche ich viel Spaß noch mit den Playoffs beim Grand Prix.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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